Es waren Propaganda-Fahrten für das Automobil. 1908 rief Seine Königliche Hoheit Prinz Albert Wilhelm Heinrich von Preußen, Bruder Kaiser Wilhelms II., einen neuen Wettbewerb als Nachfolger der Herkomer-Konkurrenzen ins Leben. Anknüpfend daran war die Prinz Heinrich-Fahrt eine reine Tourenwagen Veranstaltung mit Schnelligkeitsprüfungen. Die Fahrt sollte laut Satzung des Wettbewerbs „die Züchtung eines erstklassigen Tourenwagens bezwecken und erreichen“.

Züchtung eines erstklassigen Tourenwagens: Prinz-Heinrich-Fahrt 1910
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 23. April 2010
Prinz Heinrich stiftete den Siegerpokal. Erhalten sollte ihn der Gesamtsieger aus allen drei Fahrten. 1908 hatte Fritz Erle auf Benz, 1909 Wilhelm Opel die Fahrt gewonnen. Einer von beiden musste auch die dritte und letzte Prinz-Heinrich-Fahrt gewinnen, um den Pokal zu bekommen, sonst entschied das Los.
| Prinz Heinrich und Vorjahressieger Fritz Erle bei der 2. Fahrt, 1909. |
Vor 100 Jahren, vom 2. – 8. Juni 1910, fand die dritte Fahrt statt, die bedeutendste Automobilveranstaltung des Jahres.
In einem international besetzten Teilnehmerfeld bewarben sich 127 Fahrer auf 25 verschiedenen Automobil-Fabrikaten um den Sieg. Das Reglement der beschränkte die Teilnahme auf viersitzige Vier- oder Sechszylinderwagen, die zur Fahrt auf öffentlichen Straßen zugelassen waren und am Tag der Abnahme mindestens 2000 km Laufleistung aufweisen mussten.
Die viersitzigen Tourenwagen mussten mit drei Personen besetzt sein, ein offizieller Vertreter der Rennleitung fuhr als Kontrolleur im Wagen mit. Insgesamt 1944,6 Kilometer mussten von den Teilnehmern bewältigt werden: mit dem Start in Berlin über Magdeburg, Braunschweig, Kassel, Würzburg, Nürnberg, Stuttgart, Straßburg, und Trier nach Homburg vor der Höhe, der Sommerresidenz der kaiserlichen Familie.
| Werksfahrer Alfred Hancock auf einem Vauxhall – die Modellreihe wurde später in „Prince Henry“ umbenannt. |
Prinz Heinrich von Preußen, als Stifter der Fahrt und durch seine Volksnähe außerordentlich populär, stand dabei im Mittelpunkt des Interesses. Der Prinz, selbst ein hervorragender Fahrer, setzte sich selbst ans Steuer seines weißen Benz 35/60 PS Sport Phaeton und fuhr er die gesamte, nicht gerade einfache Strecke – wenn auch außer Konkurrenz.
Das gesellschaftliche und organisatorische Großereignis lockte die Massen an. Am Straßenrand verfolgten Tausende gespannt das Geschehen. Neueste Informationen wurden durch die extra von Verkehrstruppen verlegten Telefonleitungen weitergegeben. Ortsdurchfahrten waren mit Fahnen geschmückt und von jubelndem Publikum gesäumt, Servicestationen und Etappenziele umlagert. Hautnah konnten hier die Fahrer bewundert werden.
In regelmäßigen Abständen standen Servicestationen bereit. Sie kündigten den Fahrern weithin sichtbar ihre Dienste durch hoch fliegende Fesselballons an. Denn die ständige Gefahr von Reifenpannen durch Hufnägel auf den unbefestigten Strassen war allgegenwärtig. Aber auch mutwillige Attacken von Auto-Gegnern gab es: Kurz nach dem Etappenstart in Metz bei Avold, waren quer über die Strasse dickköpfige Nägel gestreut. Der Anschlag konnte rechtzeitig entdeckt und schwere Unfälle verhindert werden. Im Harz stellte der ortsansässige Automobil Club eine anders geartete, willkommenere „Autofalle“. Die Fahrzeuge wurden aufgehalten und die auf den staubigen Strassen ausgedörrten Besatzungen mit Erfrischungen gestärkt.
In Anbetracht der Mühen und Strapazen der Fahrt kamen von den 127 gemeldeten Teilnehmerfahrzeugen lediglich 67 in die Wertung und erhielten eine Erinnerungsplakette. 32 Wagen fielen auf der Strecke aus, weitere 19 kamen nicht in die Wertung, acht waren erst gar nicht an den Start gegangen und einer wurde disqualifiziert. Den ersten Platz im Gesamt-Klassement belegte Ferdinand Porsche mit seinem Prinz-Heinrich-Wagen von Austro-Daimler, wo er damals seit vier Jahren als Konstruktionschef beschäftigt war. Zweiter wurde Eduard Fischer und Dritter Heinrich Graf Schönfeld, beide ebenfalls auf Austro-Daimler.
| Der Sieger Ferdinand Porsche (Wagen Nr. 51), dahinter Austro-Daimler-Direktor Eduard Fischer (Wagen Nr. 46) bei der Einfahrt in Homburg. |
So wurde die 13,5 Kilogramm schwere Trophäe in Form eines Tourenwagengmodells unter Erle, Opel und Porsche ausgelost, da kein Fahrer zwei Siege einfahren konnte. Porsche gewann und erhielt damit den wertvollen Pokal aus Silber, den Wanderpreis des Prinzen Heinrich und den Ehrenpreis des KAC, zugesprochen.
Wer sich auf die Spuren der Prinz-Heinrich-Fahrt begeben möchte: In Erinnerung an diese Fahrt veranstaltet die ASC-Landesgruppe Hessen vom 3. bis 6.Juni 2010 in Bad Homburg die 55. Internationalen Schnauferl Rallye. Erwartet werden auch einige Fahrzeuge aus der Zeit der Prinz Heinrich-Fahrten. Möglicherweise ist auch der Siegerwagen von 1910 dabei – der inzwischen restaurierte Austro-Daimler gehört heute Porsche-Enkel Ernst Piech.
Wer sich auf die Spuren der Prinz-Heinrich-Fahrt begeben möchte: In Erinnerung an diese Fahrt veranstaltet die ASC-Landesgruppe Hessen vom 3. bis 6.Juni 2010 in Bad Homburg die 55. Internationalen Schnauferl Rallye. Erwartet werden auch einige Fahrzeuge aus der Zeit der Prinz Heinrich-Fahrten. Möglicherweise ist auch der Siegerwagen von 1910 dabei – der inzwischen restaurierte Austro-Daimler gehört heute Porsche-Enkel Ernst Piech.
© Fotoquelle / Bildrechte: Daimler, ASC Landesgruppe Hessen, Porsche
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