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Tankstelle von 1953 unter Denkmalschutz gestellt
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 24. August 2010
Sie ist eine der letzten erhaltenen Tankstellen aus den 1950er Jahren und anschauliches Zeugnis der Hamburger Verkehrsgeschichte: Die Tankstelle im Stadtteil Rothenburgsort im Südosten der Hamburger Innenstadt, die 1953 für die Deutsche Benzol-Vertrieb GmbH (BV Aral) errichtet wurde. Jetzt steht sie unter Denkmalschutz und soll denkmalgerecht restauriert und reaktiviert werden – als Anlaufstelle für Oldtimerbesitzer.
Tankstelle Hamburg Denkmalschutz
Diese Tankstelle von 1953 wurde in Hamburg nun unter Denkmalschutz gestellt.
Die Tankstelle am Brandshof (Billhorner Röhrendamm 4) am Rande des Großmarktgeländes wurde 1953 von den beiden Architekten Wilhelm Mastiaux und Ulrich Rummel entworfen. 1983 wurde sie geschlossen, zuletzt war dort ein Autohändler mit Werkstatt eingemietet. Der Gebäudekomplex umfasste ursprünglich eine Tankstelle mit vier vollautomatischen Säulen, ein Tankwarthaus mit Überdachung und eine Pflegehalle. Die Zapfsäulen sind inzwischen nicht mehr vorhanden. Die Gestaltung ist charakteristisch für den Tankstellenbau der 1950er Jahre: Die Langseiten sind großflächig verglast und an den Ecken abgerundet. Das Vordach wird von einer sogenannten Pilzsäule gestützt. Türen und Fenster besitzen feine Profile. Als Material dienen Beton, helle keramische Fliesen und Metall.

Nun soll die historische Nutzung als klassische Eigentümer-Tankstelle wieder hergestellt werden. Soweit es möglich ist, soll alte Technik genutzt werden. Der Zapfsäulenprototyp einer Gama-Säule hat eine neue Pumpe und eine nachgerüstete Gasrückführung erhalten, alles andere bleibt unberührt. In den alten Pflegehallen wird ein Prüfservice für Haupt- und Abgasuntersuchung eingerichtet. Einen Shop, wie heute bei anderen Tankstellen üblich, gibt es nicht. Dafür ein angeschlossenes Bistro, das zum Treffpunkt einlädt.
Tankstelle Hamburg Denkmalschutz
In die alten Pflegehallen kommt eine Prüfstation für HU und AU.
„Wir wollen einen Service hauptsächlich für Oldtimerbesitzer anbieten“, so Alex Piatschek von Piatscheck & de Boer GmbH, der Betreiberfirma. Mit circa einem Jahr Bauzeit rechnet Piatscheck, im Herbst 2011 soll die ehemalige Aral Tankstelle wieder eröffnet werden. Erste Einblicke in das neue Nutzungskonzept kann man bereits am 11. und 12. September 2010 beim Tag des offenen Denkmals nehmen, das in Hamburg dieses Jahr das Schwerpunktthema "Reisen, Handel und Verkehr" hat.
Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde A12
Denkmalgeschützt: Die alte Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde von 1937 an der A12.
Besonders das Denkmalschutzamt hat sich um die Erhaltung des Wirtschaftswunder-Reliktes sehr bemüht. Das ist nicht selbstverständlich, stehen in Deutschland schätzungsweise gerade mal eine Handvoll historischer Tankstellen unter Denkmalschutz. So die denkmalgeschützte Tankstelle von Fürstenwalde an der A 12, als eine der ersten Autobahntankstellen 1937 erbaut und seit 1996 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen. Genutzt wird sie allerdings nicht. In Wolfsburg hatte Volkswagen 2007 eine denkmalgeschützte ehemalige Esso-Tankstelle aus den 1950er Jahren gekauft. Geplant war ein Treffpunkt für Oldtimer-Fans mit Ausstellungsräumen von VW Classic. Das Projekt scheint allerdings derzeit zu ruhen. Der Abriss der historische Tankstelle des Architekten Werner March von 1950/51 in Münster wurde erst nach öffentlichen Protesten im Frühjahr 2010 verhindert.
„Für die Denkmalpflege ist das Konzept der zukünftigen Betreiber ein absoluter Glücksfall: "Nutzungskontinuität" ist das Beste, was einem Denkmal passieren kann, weil dabei i.d.R. kaum etwas umgebaut oder klimatisch verändert werden muss und vor allem die historische Aussagekraft lebendig erhalten bleibt,“ so Kristina Sassenscheidt vom Hamburger Denkmalschutzamt gegenüber www.meinklassiker.com. „Zudem freuen wir uns besonders, dass hiermit ein Denkmal der Nachkriegszeit für nachfolgende Generationen bewahrt werden kann, denn gerade für die Denkmäler aus dieser Zeit müssen wir noch viel um gesellschaftliches Bewusstsein werben.“
Tankstelle Hamburg Denkmalschutz
Ab Herbst 2011 soll man hier wieder tanken können.
© Fotoquelle / Bildrechte: Denkmalschutzamt Hamburg/ Jann de Boer, Wikimedia/Clemensfranz
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