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Silberpfeil-Pilot Richard Seaman vor 70 Jahren tödlich verunglückt
Autor: Uschi Kettenmann · 30. Juni 2009
Richard “Dick” Seaman
Richard “Dick” Seaman (1913-1939)
Vor 70 Jahren, am 25. Juni 1939, beendete ein tragischer Unfall beim Großen Preis von Belgien die Karriere von Richard Beattie Seaman. Auf der Rundstrecke von Spa-Francorchamps prallte der sympathische Engländer gegen einen Baum und erlag wenige Stunden nach dem Unfall seinen schweren Verletzungen.
Richard “Dick” Seaman
Richard Seaman mit seiner Mutter.
Seaman, geboren am 4. Februar 1913, stammte aus einer begüterten Familie der britischen Oberschicht. In deren klassischen Lebensentwürfen hatte ein Rennfahrer eigentlich keinen Platz. Doch Richard Seaman, genannt „Dick“, zeigte schon früh starkes Interesse an Autos und setzte seinen Berufswunsch gegen die Widerstände der Eltern durch. Von 1931 an, im Alter von 18 Jahren, nahm er an Motorsportwettbewerben teil und zeigte erstes Talent.
GP von Deutschland Nürburgring 1938 Richard Seaman Tanken Reifenwechsel Mercedes-Benz W 154
Sieger beim GP von Deutschland auf dem Nürburgring 1938: Richard Seaman, hier beim Tanken und Reifenwechsel seines W 154.
Der junge Mann träumte bald davon, für einen der großen deutschen Rennställe zu fahren. Im Sommer 1936 sagte er: “If I ever get a drive for Mercedes, I shall never drive for anybody else“ („Wenn ich jemals für Mercedes fahren darf, dann fahre nie wieder für jemand anderen“). Der Traum rückte in greifbare Nähe, als der Brite zum Saisonende 1936 ein Telegramm von Alfred Neubauer erhält: Der Rennleiter lud für November auf den Nürburgring zu Testfahrten ein. Seaman setzte sich gegen 18 Konkurrenten durch und erhielt einen von zwei Novizen-Plätzen im Mercedes-Benz Team. Als erstes Rennen bestritt er am 9. Mai 1937 auf einem Rennwagen vom Typ W 125 den Großen Preis von Tripolis. Seaman erreichte zwar nur den siebten Platz, lag während des Rennens aber über mehrere Runden an zweiter Position hinter Hermann Lang und vor Rudolf Caracciola.
In den Saisons 1937 und 1938 behauptete Seaman sich im internationalen Renngeschehen. Aber er hatte es nicht leicht, als Brite im Deutschland der 1930er Jahre für ein deutsches Team zu fahren und war immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Als er dann noch eine Deutsche heiratete, kam es zum Bruch mit seiner Mutter. Zu diesem Zeitpunkt hatte Seaman seinen Lebensmittelpunkt längst nach Deutschland verlegt.
Die Mercedes-Benz Mannschaft1938: Manfred von Brauchitsch, Rennleiter Alfred Neubauer, Richard Seaman, Hermann Lang und Rudolf Caracciola (von links).
Die Mercedes-Benz Mannschaft1938: Manfred von Brauchitsch, Rennleiter Alfred Neubauer, Richard Seaman, Hermann Lang und Rudolf Caracciola (von links).
Der 25. Juni 1939 wurde zum Schicksalstag für „Dick“ Seaman: Beim Großen Preis von Belgien wollte der 26jährige es vor allem dem „Regenmeister“ Caracciola zeigen, denn am Tag des Rennens prasselte schwerer Regen auf die Strecke von Spa-Francorchamps. Er fuhr gut: Nach wenigen Runden führte Seaman auf seinem Rennwagen W 154 mit der Startnummer 26. In der zwölften Runde lag er bereits 31 Sekunden vor dem Teamgefährten Hermann Lang. Doch trotz des komfortablen Vorsprungs behielt Seaman sein hohes Tempo bei, selbst als der Regen noch stärker wurde. Das wurde ihm zum Verhängnis.
Großen Preis von Belgien 1939 Richard Seaman Mercedes-Benz W 154
25. Juni 1939, wenige Minuten vor dem Unfall: Richard Seaman nähert sich H.P. Müller auf Auto-Union.
Sein Wagen geriet auf der regenglatten Strecke nach La Source ins Schleudern, schoß mit rund 200 km/h von der Strecke und prallte gegen einen Baum. Der Benzintank platzte - binnen Sekunden stand der Wagen in Flammen. Seaman konnte sich nicht aus eigener Kraft aus dem Fahrzeug retten.
Großen Preis von Belgien 1939 Richard Seaman Mercedes-Benz W 154
Seamans W 154 in Flammen.
Als ihn ein mutiger Ersthelfer aus dem Inferno zog, hatte er bereits schwerste Brandverletzungen. Auf der Fahrt ins Krankenhaus scherzte Seaman noch gegenüber seiner Frau, dass er sie heute Abend leider nicht ins Kino einladen könne. Und gegenüber Neubauer gab er zu, dass der Unfall Folge des viel zu hohen Tempos und damit sein Fehler gewesen sei. Doch die Einsicht kam zu spät. Wenige Stunden nach dem Unfall starb Dick Seaman, einer der vielversprechendsten Rennfahrer der 1930er Jahre.
Kategorie(n):
Menschen
Oldtimer
Motorsport
© Fotoquelle / Bildrechte: Daimler AG
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