| Seiner Zeit um 20 Jahre voraus: Volvo PV 36 Carioca von 1935. |

Schwedische Stromlinie: 75 Jahre Volvo Carioca
Autor: Uschi Kettenmann · 05. Februar 2010
Vor 75 Jahren brachte Volvo ein Modell auf den Markt, das sich vollständig von jedem bis zu diesem Zeitpunkt gebauten Volvo unterschied: den PV 36, das erste Stromlinien-Auto des schwedischen Herstellers – besser bekannt unter dem Namen Carioca.
Zu Beginn der 1930er Jahre beschäftigten sich zahlreiche progressive Ingenieure mit dem Thema Aerodynamik und mit stromlinienförmigen Fahrzeugen. Doch kein Hersteller wagte eine Serienproduktion, bis die Hupp Motor Car Company und die Chrysler Corporation 1934 nahezu gleichzeitig ein Stromlinienauto, den Hupmobile Aerodynamic und den Chrysler Airflow, auf den Markt brachten. Wie die Amerikaner waren die Schweden mit dem Carioca 20 Jahre ihrer Zeit voraus. Und wie ihren Stromlinienmodellen auch, war dem Carioca kein großer Erfolg beschieden.
Volvo hatte bereits 1933 ein Stromlinien-Fahrzeug mit der Bezeichnung „Venus Bilo" präsentiert. Doch aus Angst vor der öffentlichen Reaktion wurde ein Privatmann, Gustaf L. M. Ericsson vom gleichnamigen Telefonunternehmen, als Verantwortlicher für das Projekt genannt. Der „Venus Bilo" kam jedoch nie über den Status eines Prototyps hinaus und ging in den 1950er Jahren verloren.
Der PV 36 war ein Ein-Mann-Projekt des ebenso eigenwilligen wie vielseitigen Ingenieur Ivan Örnberg. Er war 1931 vom Detroiter Unternehmen Hupp Motor Car Company zu Volvo gekommen.
| Der Prototyp des Volvo PV36, ein Projekt von Volvo-Ingenieur Ivan Örnberg. |
Örnberg integrierte die Scheinwerfer in die Kotflügel integriert, und der ansprechend gestaltete Kühlergrill stand nicht wie bei anderen Volvo Modellen für sich allein, sondern folgte dem Verlauf der Fahrzeugfront. Die vorderen Kotflügel standen von der übrigen Karosserie ab. Und wären darauf Scheinwerfer platziert gewesen, anstatt sie in die Front einzufügen, hätte wohl kaum jemand die Absicht einer Stromlinienform bemerkt.
Der PV36 das erste Fahrzeug von Volvo mit einer gepressten Stahlblech-Karosserie. Sie ruhte auf einem separaten Rahmen mit starken Querverstrebungen. Örnberg wählte einen relativ kurzen Radstand von nur 2,90 Metern – was den Wagen ziemlich pummelig aussehen ließ. Der Zeichner der Verkaufsbroschüren tat sein Bestes, um dem Modell ein gestrecktes Aussehen zu geben, aber das änderte nichts am realen Erscheinungsbild.
Ausgestattet war der Wagen mit dem neuesten Sechszylinder-Motor mit 3,6 Litern Hubraum ausgestattet, der rund 80 PS leistete. Er verfügte über eine geteilte Frontscheibe, Abdeckungen für die Hinterräder, einen integrierten Kofferraum und eine Einzelradaufhängung vorne, wodurch der Komfort und das Handling deutlich besser waren. Konzipiert war er als Sechssitzer mit jeweils drei Plätzen vorn und hinten. Ungeachtet der fortschrittlichen Linien blieb die PV36-Karosserie eine konventionelle Konstruktion mit Stahlblechen über einem Holzrahmen zur Montage auf dem schweren Chassis. Allerdings waren die Pressen in Olofström, wo die Karosseriebleche gefertigt wurden, waren nicht groß genug, um ein Blechdach in einem Stück zu fertigen. Daher musste es auf die übliche Weise mit Holzsparren, Draht und Watte gefüllt sowie mit Kunstleder bespannt werden.
Die Bezeichnung PV 36 sollte symbolisieren, dass „das Automobil der Zukunft bereits da ist". Gemeint war damit: der 36 im Jahr 1935. Eine Idee, die schon bald in ihr Gegenteil verkehrt werden konnte. Denn der letzte PV36 wurde erst im September 1938 verkauft. Das Luxusmodell erhielt bald den Spitznamen „Carioca", nach einem südamerikanischen Tanz, der damals in Schweden große Mode war. Carioca ist zugleich auch der offizielle Spitzname der Bewohner von Rio. Da Volvo den Export nach Brasilien bereits 1933 startete, kann man vermuten, dass Carioca als Flirt mit dem brasilianischen Markt gedacht war, und der Name eher mit den Bewohnern von Rio als mit dem Tanz assoziiert werden sollte. Tatsächlich gelangten einige Cariocas auch auf den brasilianischen Markt.
| Der Carioca vor dem Göteborger Stadttheater, 1935. |
Das Luxusmodell war nicht billig: 8.500 Schwedische Kronen kostete der PV 36 bei seiner Einführung – dafür konnte man sich 1.800 Mal ein Dreigang-Menü in einem durchschnittlichen Stockholmer Restaurant leisten. Eindeutig zu teuer für die meisten Kunden, die außerdem durch das Design verschreckt waren. Denn die anderen Volvo-Modelle kosteten zu jener Zeit zwischen 5.000 und 6.000 Kronen; für den Preis des PV36 konnte man sich ebenso luxuriöse Fahrzeuge wie den amerikanischen Packard 120 mit acht Zylindern oder den deutschen Sechszylinder Wanderer W50 leisten. Immerhin kaufte 1935 die schwedische Polizei 18 Fahrzeuge für den Streifendienst, doch auch das hob das Image des Cariocas nicht.
| Die schwedische Polizei bekam 18 Cariocas für den Streifendienst. |
So wundert es nicht, dass sich der Carioca trotz des feurigen Namens nur schleppend verkaufte. Auch eine deutliche Preissenkung nützte da nichts. Der letzte PV36 mit der Fahrgestellnummer 500 verließ das Werk am 16. Juni 1938. Heute existieren insgesamt weniger als 25 Exemplare des Volvo PV36 in unterschiedlichem Erhaltungszustand, die meisten davon befinden sich in Schweden. Drei dieser außergewöhnlichen Fahrzeuge bringt Volvo Heritage im April nach Deutschland: Sie feiern mit einer kleinen, aber ausgesprochen feinen Präsentation das 75. Jubiläum der schwedischen Stromlinie.
| Nur 25 Exemplare haben überlebt – Drei davon präsentiert Volvo auf der Techno-Classica im April. |
© Fotoquelle / Bildrechte: Volvo

TERMINE
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| 31.07-01.08.2010 Schloss Dyck Event | |
| 31.07.2010 22. Int.Veteranen-Orientierungsfahrt Bredstedt | |
| 31.07-01.08.2010 4.Lanz Bulldog Treffen, Speyer | |
| 31.07-01.08.2010 Eifel Ardennen Klassik | |
| 31.07-01.08.2010 Lanz Bulldog-Treffen Speyer |
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