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RetroMotor: das Schwabenland bebt
Autor/Redaktion: Berthold Potz · 19. September 2011
Voller Erwartung fuhr ich mit meinem grünen Audi 50 (Bj. 76, ca 110 PS) am Sonntagmorgen, den 11. September 2011, nach Tübingen. Und wurde nicht enttäuscht: es wurde rasant gefahren und fetzig gerockt bei der RetroMotor. Geschätzte 15.000 PS warteten darauf, losgelassen zu werden.
RetroMotor Tübingen
Spannende Sprints auf der langen Geraden: mein kleiner grüner Audi in Führung…
Der Circuit d’ Au Tübingen wird zum zweiten Mal von Boxenstop, dem quirligen Ehepaar Ute und Rainer Klink, veranstaltet und hat sich im Schwabenland bereits einen guten Ruf erarbeitet. An den Start gehen Motorräder, Sport- und GT-Fahrzeuge sowie Formelfahrzeuge. Die Strecke hat eine Länge von 1,2 Kilometern, die Teilnehmer starten in unterschiedlichen Gruppen und fahren jeweils zwei Läufe à 15 Minuten.
RetroMotor Tübingen BMW R 50-Gespann
Michael Föll mit Beifahrer auf dem BMW R 50-Gespann.
Bei den Motorrädern war wieder querbeet alles vertreten, was Geschichte, Rang und Namen hat. Der Breuninger-Claus bewegte seine alte BMW R5 aus dem Jahre 1936 gekonnt auf dem Rundkurs Circuit d`Au. Insgesamt waren 26 Rennmotorräder und vier Gespanne am Start, die alle wunderbaren Motorrad-Motorsport zeigten. Besonders gefallen hat mir persönlich das Renngespann vom Michael Föll, seine alte wieder aufgebaute BMW (Bj. 60 oder 62 - weiß ich gerade nicht genau), die er mit seinem Beifahrer in gewohnter Manier gekonnt um die Ecken lenkte.
Jim Redman
Jim Redman
Die Solo- und Gespannjungs haben sich dabei (abgesprochen? – hab ich so im Verdacht) spannende Überholmanöver geliefert. Dabei zeigte sich, dass die Gespann-Beifahrer die Kurventechnik perfekt beherrschen und mit den Schulter-Schutzpolster wiederholt versuchten, den Asphalt zu polieren.

Dabei gewesen und mitgefahren ist auch der sechsfache Motorrad-Weltmeister von 1962 bis 1965, Jim Redmann, inzwischen 80 Jahre alt, mit der wunderschönen alten Weltmeisterschafts-Honda RC 163 von 1963. Der Sound dieser schönen alten Rennmaschine lässt mich heute noch frösteln und weckt Erinnerungen, als ich noch als junger Kerl z. B. am Solitudering stand und den Fahrern von damals zugesehen habe.
RetroMotor Tübingen
Volker Zielaskowski aus seinem Brixner Bergspider vor Gerhard Mitter im Martine MK 72 und Klaus Trella im GRD-Toyota Formel 3.
Ganz heiß her ging’s in der Klasse der Formel-Rennwagen – egal ob es der Volker Zielaskowski mit seinem 67er Bixner-Bergspider in Gulflackierung war oder der Gerhard Mitter jun., der mit einem wunderschönen blauen, neu aufgebautem Renault MK 72 Martini an den Start ging. Sie alle boten wieder Motorsport vom Feinsten mit vielen Überhol- und Ausbremsmanövern.
RetroMotor Tübingen
Helmut Bross mit seinem tollen Lucchini Gruppe C vor Uli Deutscher mit seinem wunderschönen BMW Bj. 1952.
In meiner Klasse der Tourenwagen ging’s ebenfalls rund. Schon wegen der Leistungsunterschiede gab es auch da viele spannende Überholmanöver. Wobei Bernd Schöllhammer mit seinem Dodge schon nach dem ersten Lauf über Bremsprobleme klagte – da hätte er den zweiten Lauf besser bleiben lassen sollen, denn wegen Bremsproblemen an der Kurve vor der langen Geraden rutschte er mit seinem schönen Auto dann in Böschung. Außer Blechschaden ist aber nichts passiert – jetzt muss er halt ein paar Nachtschichten mit Karosseriearbeiten einlegen.
RetroMotor Tübingen Lagonda Rapier
Bernhard Ehm mit seinem Lagonda Rapier in Führung vor den zwei BMWs 2002.
Mit in meiner Klasse fuhr auch die Lagonda Rapier Bj. 1936 von Bernhard Ehm mit seiner Petra als Beifahrerin. Das Auto geht noch richtig gut, da können zum Teil selbst heute Serienfahrzeuge nicht mithalten. Und der Bernhard war wohl der mit den schönsten Drifts – Kompliment Bernhard – weiter so und bitte schön weiterhin unfallfrei. Aber meine Erfahrung mit Bernhard: wenn man hinter ihm fährt, so schnell wie möglich überholen – der hat noch die Abgaswerte aus 1936. Und original sieht das Fahrzeug mit seinem verrußten Heckteil auch aus, genau so und nicht anders muss ein lebendiges, einsatzbereites Rennauto aus den Vorkriegsjahren dastehen – nicht wie die hochglanzpolierten Renner in den Museen.
RetroMotor Tübingen Lola T 165 Can Am
Die acht Ansaugtrichter des Lola T 165 Can Am Baujahr 1970 von Steffen Trautwein.
Den Schluss bei der Veranstaltung bildeten die Sportwagen und GT-Fahrzeuge, wobei für mich der Wankelspider von Harmut Jundt mit seinem der vorsätzlichen Körperverletzung nahe kommenden Motorenlärm (typisch Wankelmotor) sicher keine TÜV-Prüfung überstehen würde. Aber der Spaß ist es allemal wert, auch diese klassische Wankelmotoren im Renntrimm mal wieder live zu hören.
Insgesamt bei tollem Wetter, vielen Zuschauern an der Strecke und einem zum Schluss fix und fertigem Veranstalter und Streckensprecher (acht Stunden lang reden!) Rainer Klink eine mehr als gelungene Veranstaltung für Zuschauer und Teilnehmer.
RetroMotor Tübingen
Ach ja: gerockt wurde auch. die Rock n´Roll-Band Jeepers Creepers aus Stuttgart verführte im ständigen Lautstärkenwettkampf mit den fahrenden Fahrzeugen den ganzen Nachmittag das anwesende Publikum zum Tanzen, und da waren einige Spitzentanzpaare auf dem Asphaltparkett. Einfach ein sensationeller Mix aus Musik und Motorsport – die Anmeldung fürs nächste Jahr ist schon eingeplant.
Kategorie(n):
Oldtimer
Events
© Fotoquelle / Bildrechte: Meggie Leu, Klaus Föll, Berthold Potz, Wikimedia
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