| Der Volvo 760 mit seinem unverwechselbaren Design wurde zum Bestseller. |

Oldtimer-reife Ecken und Kanten: 30 Jahre Volvo 760
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 07. Februar 2012
Er hatte ein eigenwilliges, aber dennoch ein unverwechselbares elegantes skandinavisches Design: der kantige Volvo 760 GLE. Vor 30 Jahren, im Februar 1982, präsentierte Volvo die markante Stufenheck-Limousine der Weltöffentlichkeit. Und hatte Erfolg mit dem neuen Flaggschiff, das bei Volvo eine neue Technik-Epoche begründete.
Der 760 GLE überzeugte nicht nur durch das neue Design, sondern bot den Kunden auch Fahrspaß, Fahrkomfort und beeindruckende Alltagstauglichkeit. Zum Start bestand das Motorenprogramm aus drei Triebwerken: einem Vierzylinder-Turbobenziner, einem 2,8-Liter-Sechszylinderaggregat und einem Reihensechszylinder-Turbodiesel, der von VW für Volvo gebaut wurde. Ausgestattet mit dem kräftigen Selbstzünder war der Volvo 760 das schnellste Diesel-Fahrzeug zur damaligen Zeit.
Es war ein Projekt mit gigantischen Ausmaßen und enormen Investitionen. Am Ende stand die außerordentliche Summe von 3,5 Mrd. schwedischen Kronen (ca. 400 Mio. Euro). Die ersten Konstruktionspläne für den neuen Volvo 760 waren etwa im Jahr 1975 geschmiedet worden. Kaum verwunderlich, dass die Volvo Konstrukteure, kurz nach der Beendigung der ersten Ölkrise, den Fokus bei der Modellentwicklung auf viele bisher eher unbedeutendere Bereiche richteten. Neben den klassischen Fahrzeugwerten wie Design und Leistungsvermögen erhielten nun verstärkt Merkmale wie Verlässlichkeit, Kraftstoffeffizienz, Langlebigkeit, Betriebsfähigkeit und Geräuschdämmung Gewicht. Zudem sollte ein Hinterradantrieb zum Einsatz kommen und der Radstand gegenüber der 240er Serie um zehn Zentimeter (vier Zoll) verlängert werden. Zwar war der Volvo 760 etwas kürzer als der Volvo 240 und genauso breit, jedoch war er um 100 Kilogramm leichter. Aus Kostengründen musste der neue Volvo 760 jedoch größtenteils die technische Ausstattung der 200er Serie übernehmen, Dazu gehörten beispielsweise das Getriebe, die Federung und viele weitere Technikdetails. Völlig neu und spektakulär war dagegen das Design.
Es war ein Projekt mit gigantischen Ausmaßen und enormen Investitionen. Am Ende stand die außerordentliche Summe von 3,5 Mrd. schwedischen Kronen (ca. 400 Mio. Euro). Die ersten Konstruktionspläne für den neuen Volvo 760 waren etwa im Jahr 1975 geschmiedet worden. Kaum verwunderlich, dass die Volvo Konstrukteure, kurz nach der Beendigung der ersten Ölkrise, den Fokus bei der Modellentwicklung auf viele bisher eher unbedeutendere Bereiche richteten. Neben den klassischen Fahrzeugwerten wie Design und Leistungsvermögen erhielten nun verstärkt Merkmale wie Verlässlichkeit, Kraftstoffeffizienz, Langlebigkeit, Betriebsfähigkeit und Geräuschdämmung Gewicht. Zudem sollte ein Hinterradantrieb zum Einsatz kommen und der Radstand gegenüber der 240er Serie um zehn Zentimeter (vier Zoll) verlängert werden. Zwar war der Volvo 760 etwas kürzer als der Volvo 240 und genauso breit, jedoch war er um 100 Kilogramm leichter. Aus Kostengründen musste der neue Volvo 760 jedoch größtenteils die technische Ausstattung der 200er Serie übernehmen, Dazu gehörten beispielsweise das Getriebe, die Federung und viele weitere Technikdetails. Völlig neu und spektakulär war dagegen das Design.
Während der frühen Entwicklungsphase des Volvo 760 wurden viele Designvorschläge diskutiert. Der Karosserietyp Limousine erhielt dabei die meisten Präferenzen. Es war schließlich Volvo Chefdesigner Jan Wilsgaard, der in der finalen Entscheidungsrunde einen eigenen, bisher unbekannten Entwurf aus dem Ärmel schüttelte. Die aufsehenerregende Skizze wies die Fahrzeugsilhouette mit einem langgezogenen Heck in der Anmutung eines Kombis aus. Mit dem sehr kantig und sehr gradlinig gezeichneten, kastenförmigen Fahrgastraum, dessen C-Säule abrupt endete und scharf an den üppig ausgelegten Kofferraum herangezogen war, kreierte Wilsgaard eine völlig neue, faszinierende Karosserieform, die den Betrachter sofort in den Bann zog. Schließlich erhielt eine modifizierte Version den Zuschlag und die einzigartige Fahrzeugform des Volvo 760 war gefunden - eine Limousine mit einer beinahe vertikal angeordneten Heckscheibe und einem kastenförmigen Fahrgastraum. Diese neuartige Formensprache sorgte im Interieur für großzügiges Raumgefühl und komfortables Wohlfühlambiente, vor allem jedoch verlieh sie dem Volvo 760 seinen einzigartigen Charakter.
Im Frühling 1978 kam der erste fahrbahre Prototyp auf die Straße. In kürzester Zeit wurden weitere Testfahrzeuge fertiggestellt. Es folgte eine sehr zeitaufwendige und gründliche Testperiode. In der Summe legte die Testflotte rund 3,2 Millionen Kilometer auf drei Kontinenten zurück – in den heißesten und kältesten Regionen, die möglich waren, um jede Komponente, jedes nur erdenkliche Detail auf Herz und Nieren prüfen zu können.
In der entscheidenden Phase nahm der Zeitdruck jedoch derartig zu, dass das Projekt Anfang 1978 mit einem Augenzwinkern gleichwohl mit ernstem Hintergrund von der urspünglichen Bezeichnung P31 in 1155 umbenannt wurde, was nichts anderes als fünf vor Zwölf bedeutete - eine unverblümte Aufforderung an alle Beteiligte, sich zu sputen und endlich fertig zu werden.
1980 wurde schließlich das Volvo Concept Car (VCC) erstmals präsentiert. Es war eine weiterentwickelte Version des Wilsgaard-Entwurfs, der das spektakuläre Design des neuen Volvo 760 maßgeblich inspiriert hatte. Obwohl die Fahrzeuglänge der Studie etwas kürzer ausfiel als beim neuen Modell, war sie praktisch identisch mit dem neuen Volvo 760. Das Volvo Concept Car, deren Abkürzung VCC auch für die Initialen der Volvo Car Corporation steht, steht heute im Volvo Museum im schwedischen Göteborg.
Schnell stellte sich heraus, dass die ungewöhnliche Volvo Formensprache genau den Nerv des Zeitgeistes und vor allem den Geschmack der Kunden getroffen hatte. Der Volvo 760 wurde ein Verkaufshit, die kastenförmige Karosserie zum unverwechselbaren Volvo Kennzeichen. In Schweden lag 1982 der Einstiegspreis des neuen Volvo 760 GLE unterhalb der psychologisch wichtigen Schallmauer von 100.000 schwedischen Kronen (SEK). Ab 99.800 SEK bekam der Volvo Kunde einen Neuwagen mit bemerkenswert umfangreicher Ausstattung. Zu den Ausstattungs-Highlights gehörten unter anderem ein Automatikgetriebe, eine Klimaanlage, ein Schiebedach und eine Servolenkung. Die Verkaufsstrategie war in typischer Volvo Manier von oben nach unten angelegt. Nach dem Volvo 760 folgte schon bald die optisch nahezu identische 740er Baureihe mit vier- und fünftürigen Varianten, die jedoch unterhalb des Volvo 760 positioniert war.
Besonders bei den US-Amerikanern kam die ungewöhnliche Fahrzeugform sehr gut an. Ein glücklicher Umstand, schließlich hatte Volvo die USA als Hauptabsatzmarkt im Kalkül. Auch in Deutschland, wo 1982 mit 12.511 verkauften Exemplaren und einem Marktanteil von nur noch 0,6 Prozent ein Tiefstand erreicht worden war, half vor allem 760, den Gesamtabsatz wieder zu steigen. Vor allem die Kombiversion, 1985 auf der Chicago Motor Show vorgestellt, wurde hierzulande zum Bestseller. Formal bildete das geräumigere Heck den einzigen Unterschied zwischen Limousine und Kombi. Im Inneren waren beide identisch, sowohl bei der Qualität der Polster, bei der Ausstattung als auch beim Komfortniveau. Der Laderaum war vollständig mit Teppichboden ausgeschlagen und die Isolierung des Innenraums gegen Fahrgeräusche wurde deutlich verbessert - etwas, worunter Kombis in dieser Zeit häufig litten. Der teilbare Rücksitz bot eine Vielzahl von Lademöglichkeiten. Das Laderaumvolumen betrug 992 Liter, mit umgeklappten Rücksitzen waren es sogar 2.123 Liter. Die Heckklappe bestand zur Gewichtseinsparung aus Aluminium.
| 1985 kam die Kombiversion auf den Markt. |
Insgesamt wurden 221.309 Einheiten des Volvo 760 produziert (1.230.704 inklusive der 740er Serie), bevor das Vorzeigemodell im Herbst 1990 durch den Volvo 960 ersetzt wurde. Aus gutem Grund bezeichnet Volvo den 760 als Meilenstein der Unternehmensgeschichte und Imageträger par excellence. Sowohl aus Produkt- als auch aus finanzieller Sicht markierte er den Wendepunkt der Marke und ebnete der Volvo Car Corporation den Weg in die Zukunft. Darüber hinaus begründete der Volvo 760 eine neue Fahrzeug-Ära. Ohne den 760 hätte es den Volvo 850 nie gegeben, ohne den 850 würde der Volvo S80 nicht existieren…
© Fotoquelle / Bildrechte: Volvo

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