Am 19. September 2009 versteigert die Oldtimer Galerie Toffen die Fahrzeuge des Historischen Autofriedhofs Gürbetal in Kaufdorf in einer No-Limit-Auktion, also ohne Mindestpreis. Die mündliche Zusage von Besitzer Franz Messerli ist bereits da, erklärte Reinhard Schmidlin, der Geschäftsführer des Schweizer Auktionshauses, gegenüber meinklassiker.com. Er geht davon aus, dass auch die Verträge in den nächsten Tagen unter Dach und Fach sein werden.
Die meisten der insgesamt 782 Fahrzeuge stammen aus den 1950er bis 1970er Jahren.
Denn die Zeit drängt: Bis Ende September 2009 muss der Autofriedhof im Schweizer Kanton Bern geräumt sein. Im Februar 2009 hatte die Gemeinde Kaufdorf das Sanierungskonzept des Fördervereins „Historischer Autofriedhof Gürbetal“ abgelehnt, da es den einschlägigen Vorschriften der Umweltschutzgesetzgebung widerspricht. Der fünfjährige Rechtsstreit wurde damit beendet. Am 3. Juni 2009 haben die Behörden zugestimmt, die angeordnete Zwangsräumung zugunsten der Auktion im Herbst 2009 zu verschieben – gegen eine Sicherheitsleistung von 250.000 Schweizer Franken.
Zwei von insgesamt drei Porsche 356.
Bereits im April hatte Franz Messerli den Autofriedhof beim Schweizer Online-Auktionshaus ricardo.ch angeboten – als Komplettpaket für einen Sofortpreis von 1,2 Millionen Schweizer Franken. Das Angebot lief bis 23. Mai, rund 50.000 Klicks hatte die Seite – ein Gebot für die komplette Sammlung blieb jedoch aus.
Ein Ford Anglia thront auf einem Austin.
Und die ist beachtlich. Fast das gesamte Alphabet der Automobilfirmen ist hier vertreten: Von Alfa Romeo über Borgward, Cadillac, DKW, Jaguar, Mercedes, Riley, Simca, Tempo bis hin zu Valiant oder Volkswagen. Acht Mustangs sind darunter, 13 Mercedes Ponton, zwölf Alfa Romeo Giulettas, sechs Borgward Isabellas, sieben Jaguar XJ, vier Brezelfenster-Käfer und drei Porsche 356.
Gesammelte US-Werke: in der Sammlung befinden sich viele amerikanische Fahrzeuge.
Da in der Schweiz traditionell schon immer viele Amerikaner verkauft wurden, sind Marken wie Chevrolet, Dodge, Plymouth, Pontiac, Oldsmobile, Mercury und Studebaker gleich zigfach vertreten. Und auch einige seltenere Exemplare sind zu entdecken, wie ein Ferrari 250 GTE Coupé, das Chassis eines Fiat 509 aus dem Jahre 1925, ein Austin Wohnmobil Gypsy, ein VW-Bus mit Beutler-Karosserie von 1963 oder ein Peugeot 203 Cabrio mit Worblaufen-Karosserie von 1949.
Der Porsche 356 wurde über das rot grün lackiert, links daneben ein Karmann Ghia, rechts guckt ein Peugeot 204 hervor.
Seit 1933 bis in die 1980er Jahre hinein hatten Walter Messerli und sein Sohn Franz auf dem Gelände der Messerli Autoverwertung GmbH teilweise ausgeschlachtete Autos abgestellt und der Rückeroberung durch die Natur überlassen. Inzwischen ist die ansehnliche Ansammlung in verwildertem Pflanzenwuchs versunken – eine mystische Atmosphäre hat sich über die Autos gelegt. 2007 gründete sich der Förderverein, der für die Erhaltung des Autofriedhofs als kulturelles Denkmal kämpfte. Seitdem sind rund 30.000 Besucher dem morbiden Charme der rostenden Schönheiten erlegen.
Mercedes-Benz 170, eingerahmt von einem Austin 30 (links, genannt Mäuschen) und einem Austin 70.
In der Zwischenzeit hat auch die Hochschule für Konservation und Restauration der Kantone Neuenburg, Bern und Jura in La Chaux-de-Fonds den Autofriedhof entdeckt. Die Wracks eigneten sich hervorragend, um Auto-Konservierungstechniken zu erforschen. Mit Messerlis Genehmigung entnehmen Studenten derzeit systematisch Proben, um damit eine Materiothek für Forschungs- und Lehrzwecke aufbauen. Besondere Aufmerksamkeit will die Schule den Autoinstrumenten schenken.
Simca 1200 S Coupé von 1967.
Und auch Reinhard Schmidlin und seine Mitarbeiter aus dem benachbarten Toffen sind regelmäßig vor Ort. Seit Mai dauern die Verhandlungen zwischen der Oldtimer Galerie Toffen, der Gemeinde Kaufdorf und Franz Messerli nun schon an. Schmidlin hofft, dass alles gut geht – Messerli ist kein einfacher Verhandlungspartner.
Vor lauter Staub ist die rote Farbe kaum zu erkennen: Mercedes-Benz 190 SL.
Insgesamt 782 Fahrzeuge enthält die Aktionsliste, die bereits auf der Internetseite der Oldtimer Galerie abrufbar ist. Mehr Informationen werden ab 15. August 2009 online verfügbar sein, da das Auktionshaus ab dem 20. Juli zwei Wochen Sommerferien hat. Eine Vorbesichtigung ist ab 12. September 2009 täglich geplant.
Zu schade für die Schrottpresse: Riley RMA.
Seit 1991 organisiert die Oldtimer Galerie zwei bis drei Auktionen pro Jahr – mit durchschnittlich 1.500 Besuchern und einer regelmäßigen Verkaufsquote zwischen 65 und 85 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kosten für Sanierung und Räumung wieder hereinkommen, ist also hoch. Besser jedenfalls als eine Schrottpresse, mit der Messerli immer wieder gedroht hatte: Der Preis für Alteisen ist seit dem letzten Jahr in der Schweiz um 60 Prozent gefallen – auf 200 bis 250 Franken pro Tonne.