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Neoplan-Jubiläum: Auwärter vor 75 Jahren gegründet
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 19. März 2010
Omnibus-Aufbauten, Reisedoppeldecker, fahrgastfreundliche Niederflurtechnologie im Stadtbus, 15 Meter-Klasse oder Hochdeckerbauart: die Historie von Neoplan ist eine Geschichte spannender Innovationen.
Auwärter Holzgerippe Omnibus Opel Blitz
Der Anfang: Holzgerippe auf einem Chassis des Opel Blitz, ausgestattet mit einem Sechszylinder-Ottomotor mit 75 PS, 1936.
1935 hatte Gottlob Auwärter jr.sein Karosseriebau-Unternehmen in Stuttgart-Möhringen gegründet. Zu Beginn karossierte er Busse und Lkws auf Fahrgestellen unter anderem von Opel und Mercedes-Benz. Schon bald waren luxuriöse Reisebusse mit großzügiger Panoramaverglasung die Spezialität von Auwärter.

Mit der Vorstellung des ersten freitragenden Omnibusses im Jahre 1953 begann die Erfolgsgeschichte der neu geschaffenen Marke Neoplan, eine Abkürzung für Neuer Plan oder Neues Beförderungsmittel. Ein mit Blechen beplanktes Gerippe, das Fahrwerk und Aufbau miteinander vereinigte, übernahm die tragende Funktion des ersten Neoplan.
Auwärter Neoplan Omnubus Prospekt 1957
Dieses Prospekt wurde zusammen mit dem 100. gebauten Neoplan 1957 veröffentlicht.
Mit dem Typ „Hamburg“ revolutionierte Neoplan 1961 die Reisebus-Branche: Der Reisebus überzeugte durch eigenständiges Design mit klarer Linienführung und großen, ins Dach gewölbten Seitenfenstern – erstmals mit schräg gestellten Fensterholmen. Der älteste Sohn Sohn Albrecht Auwärter und dessen Studienkollege Bob Lee hatten ihn als Diplomarbeit an der Universität Hamburg konstruiert. Der moderne Reisebus, erhältlich in zahlreichen Varianten, sorgte für steigende Auftragszahlen, das Unternehmen wuchs rasant.
Neplan Typ Hamburg
Der schon weit vorangeschrittenen Prototyp des „Typ Hamburg“ 1961, zusammen mit einem der letzten Busse für die Deutsche Bundesbahn der Vorgängerbaureihe SH.
Eine weitere herausragende Neuheit war 1964 ein Liniendoppeldecker in Leichtbauweise, der Do-Bus, den der zweite Sohn Konrad Auwärter als Diplomarbeit konstruiert hatte. Damit war einerseits der Anstoß gegeben zur Entwicklung des Sightseeing-Doppelstockbusses Do-Lux. 1967 wurde dann der erste doppelstöckige Luxusreisewagen namens Skyliner vorgestellt, der 17 Jahre lang der einzige am Markt blieb, und dessen Nachfolger noch heute das meistverkaufte Modell in dem Segment ist. Andererseits war mit der neuartigen Tiefrahmen-Vorderachse des Do-Bus der erste Schritt in Richtung Niederflurbus getan.
Neoplan Skyliner 1967
Erstling eine neuen Busklasse: der Skyliner, 1967.
Ein ganz neues Reisebus-Segment begründete der Skyliner im Jahre 1967: Auf zwei Ebenen bot er viel Platz für Passagiere und zahlreiche Komforteinrichtungen. Im Jahr 1971 stellte der Omnibusbauer den ersten Reisebus-Hochdecker modernen Zuschnitts in Europa vor, den Cityliner. Heute steht der Name Cityliner für einen der erfolgreichsten Reisbusse der Welt mit bisher rund 7.000 produzierten Einheiten.

Die Auftragsbüchern zeugen auch von prominente Kunden mit Sonderwünschen. Der König von Saudi-Arabien ließ sich einen Konferenzbus mit Pagodenfenstern, einem Thronsessel sowie vergoldeten Wasserhähnen bauen. Der King of Pop, Michael Jackson, erweiterte seinen Fuhrpark mit einem luxuriösen Reisebus aus dem Hause Neoplan: Edle Teppiche, Leder, polierte Hölzer und ein riesiger Flatscreen im Oberdeck, ein komplett ausgestattetes Bad samt Bidet und Dusche im Unterdeck gehören ebenso zum Inventar wie breite Ledersitzbänke und eine Küche mit Spüle und Mikrowelle. Der Amerikaner Ray A. Croc, Gründervater der Restaurantkette McDonalds, tourte mit einem exklusiven Neoplan durch Europa, um Partner für seine Fast-Food-Idee zu gewinnen.

2001 wurde die Gottlob Auwärter GmbH & Co. KG von der MAN Nutzfahrzeuge Gruppe übernommen, seitdem ist Neoplan auch Firmenname. Mit den „MAN Bus Days“ bis 20. März feiert MAN den Auftakt des Neoplan-Jubiläumsjahres „75 Years of moving ideas“ im neu eröffneten Bus-Forum sowie im benachbarten Truck Forum in München.

Wer tiefer in die Geschichte des Familienunternehmens Auwärter eintauchen möchte, dem sei ein Besuch im 2008 eröffneten, kleinen aber feinen Gottlob-Auwärter-Museum in Stuttgart empfohlen.
Kategorie(n):
Industrie
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© Fotoquelle / Bildrechte: MAN
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