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Motorräder für Feinschmecker
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 10. November 2010
Ardie, Bayernland, Mars, Neander; Wimmer – die Geschichte des Motorradbaus in Deutschland hat viele Fassetten. „Eigentlich denkt man an die großen Namen BMW, DKW, Horex, MZ, NSU und Zündapp. Dass aber oft gerade kleinere Hersteller den Fortschritt beförderten, und genau das bauten, was ihre Kunden wollten, merkt man umso mehr, je tiefer man in die Materie einsteigt“, sagt Martin Grundmeyer vom Veteranen Fahrzeug Verband (VFV), der für die exquisite Sammlung steht, die in der Motorradszene während der Bremen Classic Motorshow vom 4. bis 6. Februar 2011 von sich reden machen wird.
Ardie Silberfuchs
Aus Nürnberger Produktion: Ardie Silberfuchs mit englischem JAP-Motor, Anfang der 1930er.
Die Hersteller dieser individuellen Zweiräder waren in vielen Fällen so genannte Konfektionäre. Der Wortstamm „confectio“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutete dort auch „Fertigstellung, Vollendung“. Im Sprachgebrauch der Motorradfahrer ist ein Konfektionär ein Hersteller, der zugelieferte Motoren von spezialisierten Motorenproduzenten in eigene Fahrgestelle montiert. Einer der bekanntesten Konfektionäre war die Marke Hercules. Nicht nur, dass Hercules im Motorradsport über viele Jahre eine große Rolle spielte, die Franken stellten auch in bestimmten Segmenten den Marktführer, so bei den 100ern und den 50er Mopeds und Kleinkrafträdern. Andere Konfektionäre wiederum erfüllten Wünsche, bei denen die Großserienhersteller passen mussten. Zum Beispiel Friedel Münch, der um den Motor des NSU Prinz das deutsche Superbike der Neuzeit schuf. „Auch vor dem Krieg fand der anspruchsvolle Enthusiast im Kreis der Konfektionäre Gehör und bekam mit Maschinen wie der weißen Mars, der 1000er Tornax oder Bayernland große Wünsche erfüllt“, erläutert Grundmeyer.

Aber auch in den kleinen Klassen zeigten Konfektionäre Profil und brachten Fortschritt an den Kunden: So die Kölner Allright aus der Kaiserzeit mit ihrer sauber federnden Truffault – Vordergabel. In den 20er Jahren setzten die hochwertigen Standard-Motorräder von Wilhelm Gutbrod Maßstäbe. Ardie gab mit der „Silberpfeil“ und ihrem Rahmen aus Duraluminium Fingerzeige für die Zukunft. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs zeigte die kleine Phänomen Ahoi mit ihrer Allradfederung, dass selbst die legendäre RT 125 des Branchenriesen DKW ihre Mankos hatte.

Auch und gerade in der Frühzeit der Bundesrepublik erblühten die Konfektionäre erneut. Waren es vor 1940 mächtige Viertakter von JAP, Küchen, MAG oder Bark gewesen, die deutsche Konfektionsmaschinen antrieben, lieferten nun Sachs und Ilo robuste Zweitakter für den Alltag, die das Volk auf die Räder brachten. Und genau wie zuvor standen die Konfektionäre nicht nur für solide, bezahlbare Maschinen mit dem gewissen Etwas, sondern brachten auch den Fahrwerksfortschritt jener Jahre früher an die Kunden als die Marktriesen. Eine repräsentative Auswahl dieser Fahrzeuge wird während der Bremen Classic Motorshow die Herzen der Fans höher schlagen lassen.
Kategorie(n):
Oldtimer
Events
© Fotoquelle / Bildrechte: Messe Bremen
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