| Spannende Szenen beim Historic Marathon: Marcos vor einem BMW 1800TI. |

Einmal durch die Hölle – für einen guten Zweck
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 17. August 2009
Eine Fahrt auf der legendären Nordschleife am Nürburgring ist ein Highlight für viele Oldtimer-Besitzer – und ein Traum für die vielen Zaungäste, die beim 37. AvD-Oldtimer-Grand-Prix (OGP) am Brünnchen, an der Hohen Acht oder am Karussell den klassischen Fahrzeugen bei den Drifts um die Kurven zuschauten.
Bei einem solchen Drift auf dem Beifahrersitz zu sein - dass dieser Traum erfüllbar ist, stand nirgendwo im Programmheft des OGP. Und doch führte der Club Historischer Renn- und Sportfahrzeuge Nürburgring e.V. (CHRSN), Mitveranstalter des OGP, bereits zum sechsten Mal Gästefahrten gegen eine Spende durch die „Grüne Hölle“ durch – zu buchen im Vorfeld beim Club oder auch direkt vor Ort an der Touristeneinfahrt der Nordschleife. An zwei Tagen, Samstag und Sonntag Vormittag, gingen Mitglieder und Freunde des CHRSN mit ihren Fahrzeugen und jeweils einem zahlenden Beifahrer auf die Strecke.
| Nur für Befugte: auf dem Weg in die grüne Hölle im BMW M1 von 1981. |
Über diese Fahrten zu schreiben, geht nur, wenn man sich selbst auf den Beifahrersitz setzt. Und so traf sich die Autorin Samstags früh mit CHRSN-Mitglied Martin Sauer und seinem BMW M1 von 1981. Der infernalisch-laute Auspuff ist das einzig nicht serienmäßige an dem Sportwagen. Und die BBS-Felgen, „die sind von der Stange“, wie Martin Sauer erklärt. Die originalen Campagnolo-Felgen, die extra nur für den M1 hergestellt wurden, liegen gut verwahrt auf seinem Dachboden. „Die kann man nämlich mittlerweile fast in Gold aufwiegen,“ meint Sauer, im Hauptberuf Flugkapitän eines Privatjets.
In den letzten Jahren war Sauer immer mal wieder mit seinem FMR Tg 500, einem Messerschmitt Tiger, am Ring. Der Rücksitz des kleinen Flitzers war zwar sehr begehrt bei den Gästen – „aber mit dem M1 kann ich in dieser Zeit doch mehr Fahrten durchführen“. Er hat ja auch 255 PS mehr als die „Rote Pest“, Sauers Spitzname für seinen Tiger. Seit 1995 ist der 270 km/h schnelle Supersportwagen aus München im Familienbesitz der Sauers. Vater Uli Sauer ist auf dem Nürburgring schon fast zu Hause – seit dem ersten Oldtimer-Grand-Prix 1973 ist er mit seinem BMW 328 aus dem Jahre 1938 jedes Jahr dabei. Und fährt natürlich ebenso wie sein Sohn mit Gästen über die Nordschleife.
Um 9 Uhr starten wir als erste, im dicksten Nebel. Da sind bereits die Fahrzeuge der "Vintage Nürburgring" auf der Nordschleife unterwegs. Sauer fährt, zu meiner Erleichterung, nicht den vollen Speed – auch weil er bei dem Wetter nicht sicher ist, ob der Asphalt an einigen Stellen nicht zu feucht ist. Der 40jährige kennt die Strecke auswendig und berichtet mir im Plauderton, welche Kurve jetzt gerade kommt und welche Anekdote ihm dazu einfällt.
Dennoch zeigt der Tacho im Bereich der Döttinger Höhe immerhin 240 km/h, unten in der Senke in der Fuchsröhre gute 200 km/h. „Profis fahren dort deutlich schneller“, sagt Sauer, und auch er geht ohne einen Gast sonst eher an die Grenzen seines M1.
Dennoch zeigt der Tacho im Bereich der Döttinger Höhe immerhin 240 km/h, unten in der Senke in der Fuchsröhre gute 200 km/h. „Profis fahren dort deutlich schneller“, sagt Sauer, und auch er geht ohne einen Gast sonst eher an die Grenzen seines M1.
| Anfahrt zur Hohen Acht: Der M1 überholt eine Vincent Black Shadow aus den 1950ern. |
Seine Rundenzeit liegt dann etwas über 10 Minuten. Bestzeiten erzielen will er nicht: „Ich will Spaß haben, ohne etwas kaputt zu fahren,“ erklärt er seinen mangelnden Ehrgeiz. Vor allem wenn langsamere Fahrzeuge auf der Strecke unterwegs sind, wie an diesem Vormittag, ist Vorsicht gefragt. Spektakuläre Überholmanöver vermeidet Sauer dann: „Man muss immer damit rechnen, dass ein Vorherfahrender einen nicht gesehen hat.“ Denn auch wenn der Wagen mit seinem Auspuff laut brüllt – die Fahrer in den offenen alten Rennwagen hören uns nicht. Und so tritt er einige Male in die Eisen, wenn ein Vorkriegswagen vor uns auftaucht, und überholt erst, wenn der Fahrer ein entsprechendes Zeichen gibt. Doch manchmal klappt ein Überholmanöver aus anderem Grund nicht sofort, so am darauf folgenden Sonntag: „ Ich konnte einen Veritas einfach nicht überholen - nicht, weil er keinen Platz gemacht hat, sondern weil das Auto so tierisch gut ging,“ erzählt Sauer beeindruckt. „Und als ich dann vorbei war, klebte er noch richtig lange wie eine Klette an mir dran – einfach klasse.“ Der Mann hat eindeutig großen Spaß an der Aktion für die gute Sache.
| Mit 240 km/h unterwegs: der M1 auf der Nordschleife. |
Nach gerade mal elf Minuten haben wir die Grüne Hölle durchquert – und ich bin fast enttäuscht, dass es schon vorbei ist. Doch die nächsten Beifahrer warten schon, ich komme kaum dazu mich zu bedanken. Im Minutentakt gehen die Gästefahrten auf die Strecke. Über 160 Fahrten hat der CHRSN an diesen beiden Vormittagen durchgeführt, berichtet Wilfried Fricke, CHRSN-Schatzmeister und Organisator der Gästefahrten, in insgesamt verschiedenen 38 Fahrzeugen. Von Vorkrieg bis Mitte der 1980er Jahre war alles dabei: etliche MGs und Porsches, ein Maserati Merak, ein seltener BMW 1800Ti, ein De Tomaso Pantera, ein BMW M3 und und und.
| 50 Jahre Unterschied: Bugatti vor BMW M3 |
Der türkisfarbene M3 war am Sonntag denn auch Grund für einen besonders bewegenden Moment, erzählt Fricke. Als Beifahrer war ein schwerbehinderter Junge gemeldet. Der 17jährige, der seit seiner Geburt blind ist und im letzten Jahr eine komplizierte Herz-Lungen-Transplantation überstanden hat, betastete jeden Zentimeter des Wagen. Nach einer Viertelstunde meinte er, er kenne nun den Wagen, es könne losgehen. Und als der M3 nach einer schnellen Runde zurückkommt, wünscht sich der 17jährige noch eine zweite, „aber diesmal bitte ruhig richtig Vollgas geben!“.
Solche Momente gehen Fricke zu Herzen, und das ist auch der Ansporn für sein Engagement. Seit Jahren kommen die Einnahmen einem guten Zweck zu Gute: Der Erlös geht an die Villa Kunterbunt, einem Betreuungszentrum für chronisch kranke Kinder in Trier. Einmal im Jahr organisiert der CHRSN ein Kinderfest – natürlich ebenfalls mit Mitfahrgelegenheiten für die Kleinen, und übergibt einen stattlichen Betrag an das Zentrum – beim letzten Mal kamen aus dem Erlös der Gästefahrten über die Nordschleife und Spenden der Mitglieder immerhin rund 5.000 Euro zusammen.
Eine gute Sache, die allen Beteiligten viel Spaß macht – und auch im nächsten Jahr weitergehen wird. Wer also 2010 einmal eine Fahrt durch die Grüne Hölle in einem historischen Renn- oder Sportwagen erleben will, der sollte frühzeitig mit dem CHRSN Kontakt aufnehmen.
© Fotoquelle / Bildrechte: AvD/Herbert Steves (heppypress), Wolfgang Kraus, Helmut Hergarten/hellopress.de, CHRSN/Annette Roth

TERMINE
| 05.02.2012 Classic-Stammtisch | |
| 09.02-12.02.2012 18. AvD-Histo-Monte | |
| 12.02.2012 LOVE BUGS PARADE 2012 | |
| 17.02-18.02.2012 Aflenzer Winterclassic | |
| 02.03-04.03.2012 Antwerp Classic Salon 2012 | |
| 15.03-15.10.2012 42. Int. Zielfahrt nach Steyr |
Bei uns finden Sie
Top-Händler
Hier finden Sie Ihren kompetenten
Profi-Gutachter










