Der Motor des Wirtschaftswunders machte Räng-Täng-Täng: Auf den Pritschen von dreirädrigen kleinen Lastern karrten die Deutschen den Schutt des Zweiten Weltkriegs weg und bauten ihren ersten Wohlstand auf.
Vor 60 Jahren, im Mai 1949, stellte Goliath den Dreirad-Transporter GD 750 mit 750 kg Nutzlast auf der Exportmesse in Hannover vor. Er war eine verbesserte Version des vor dem Krieg sehr beliebten Goliath Dreirad-Lieferwagen, von dem seit 1924 fast 80.000 Exemplare gebaut worden waren.

Drei Räder helfen verdienen: 60 Jahre Goliath GD 750
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 11. Mai 2009
Offiziell hatte das erste Nachkriegsdreirad am 19. April des Jahres das Endmontageband verlassen (Die Vorserie wurde ab Januar 1949 gebaut). Die leichten dreirädrigen und billigen Nutzfahrzeuge – 3425 DM kostete der GD 750 zunächst – verkauften sich wie „warme Semmeln“. Carl Borgward, der 1928 die Goliath-Werke in Bremen gegründet hatte, bewies damit den „richtigen Riecher“: Mit dem Werbeslogan „Drei Räder helfen verdienen“ sprach kleine Lieferwagen genau die richtige Zielgruppe an. Markthändler und Handwerker benötigten für die Wirtschaftswunderzeiten ein im Kauf und Unterhalt kostengünstiges Transportmittel.
| Fliegender Händler: mit dem Goliath-Dreirad brachten kleine Händler ihre Waren unter die Leute. |
Da kam allerdings nicht nur der GD 750 recht, auch Konkurrent Tempo (Vidal & Sohn Hamburg-Harburg) deckte mit den Dreirädern A400/Hanseat (ab 1945!) und Boy (ab 1950) diese Fahrzeugklasse ab. Weitere Hersteller wie z. B. Framo und Standard konnten aber an der Marktmacht der beiden norddeutschen Produzenten nicht rütteln.
Tempo hatte die Vorteile, dass das Dreirad auch im Krieg weiter gebaut werden musste (Borgward durfte ab 1938 aufgrund des Schell-Plans keine Dreiradfahrzeuge mehr herstellen), dass man ziemlich schnell nach Kriegsende (September 1945) die Genehmigung durch die englischen Besatzer für die Wiederaufnahme der Produktion erhielt und dass die Fabrikationsstätten nicht durch Bomben zerstört waren. Allerdings wiesen die Billigtransporter aus Hamburg einen gravierenden Nachteil auf: Sie hatten Vorderradantrieb, Seitenführungs- bzw. Lenkkräfte, und die Leistung von 15 PS mussten von nur einem Rad auf die Straße gebracht werden, welches im Beladungsfall und bei widrigen Witterungsverhältnissen häufig misslang. Da waren die Goliath-Transporter mit dem Hinterradantrieb einfach eine Klasse besser. Ein weiterer Vorteil: der Goliath besaß 300 kg mehr Nutzlast als der Tempo.
Tempo hatte die Vorteile, dass das Dreirad auch im Krieg weiter gebaut werden musste (Borgward durfte ab 1938 aufgrund des Schell-Plans keine Dreiradfahrzeuge mehr herstellen), dass man ziemlich schnell nach Kriegsende (September 1945) die Genehmigung durch die englischen Besatzer für die Wiederaufnahme der Produktion erhielt und dass die Fabrikationsstätten nicht durch Bomben zerstört waren. Allerdings wiesen die Billigtransporter aus Hamburg einen gravierenden Nachteil auf: Sie hatten Vorderradantrieb, Seitenführungs- bzw. Lenkkräfte, und die Leistung von 15 PS mussten von nur einem Rad auf die Straße gebracht werden, welches im Beladungsfall und bei widrigen Witterungsverhältnissen häufig misslang. Da waren die Goliath-Transporter mit dem Hinterradantrieb einfach eine Klasse besser. Ein weiterer Vorteil: der Goliath besaß 300 kg mehr Nutzlast als der Tempo.
| Hinterachsantrieb bedeutete gute Strassenlage und Kurvensicherheit - der Goliath kippte nicht so leicht um wie seine Konkurrenten. |
Werkelte in den Vorkriegsausführungen ein ILO-2-Takt-Motor der ILO Werke Pinneberg und teilweise auch eine Borgward-Konstruktion, war der GD 750 nun mit einem ausgereiften 2-Zylinder-2-Takter, eine INKA-Konstruktion, ausgerüstet. Laut Werkspreisliste von 1954 konnte man gegen einen Aufpreis von 75 DM den serienmäßigen 400 cm³-Motor (13 PS) durch eine 500 cm³-Ausführung ersetzen.
Beeindruckend für die damalige Zeit waren die vielen Ausführungen des Fahrzeugs. Neben drei verschiedenen Fahrgestellen (Radstand 2950 oder 3350, Spur 1400 oder 1600 mm) gab es drei Pritschen: hoch, tief mit und tief ohne Radkästen. Außerdem lieferte das Werk Kasten-, Koffer- und Kombiwagen, sowie Fahrzeuge mit Spezialaufbauten: Fleischer-, Kleinvieh- und Großvieh-Transportwagen – letzterer kostete immerhin 4265 DM.
Im Juni 1955 wurde der GD 750 nach über 30.000 produzierten Einheiten durch den Goli mit stärkerem Motor und modernisierter Karosserie ersetzt. Ab 1957 ging das Geschäft mit den Goliath-Dreirädern allerdings stark zurück. Der Schutt war weggeräumt, die kleinen Händler hatten ihre Geschäfte aufgebaut und benötigten nun größere und stärkere Lieferwagen. Nur knapp 10.000 Fahrzeuge des Goli wurden bis 1961 verkauft. Mit dem Zusammenbruch von Borgward im Januar 1961 kam auch das Ende der Goliath-Lieferwagen.
© Fotoquelle / Bildrechte: Archiv Peter Kurze (Werk, Wilhelm Heidmann, Walter Richleske)

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