| Mit der Startnummer 128 auf dem Weg zum Sieg: Walter Schock und Rolf Moll im Mercedes-Benz Typ 220 SE Tourenwagen. |

Die Könige von Monte Carlo
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 20. Januar 2010
Am 24. Januar 1960 verbuchten Walter Schock und Rolf Moll mit ihrem privat gemeldeten Mercedes-Benz 220 SE einen Erfolg, der den Grundstein für ihren Gewinn der Rallye-Europameisterschaft am Ende der Saison legte: Sie gewannen mit großem Vorsprung die anspruchsvolle 29. Rallye Monte Carlo. Dieser erste deutsche Gesamtsieg in dem Rennen war zugleich ein Dreifachsieg für Mercedes-Benz. Denn die Plätze zwei und drei belegten die Fahrerteams Eugen Böhringer / Hermann Socher und Eberhard Mahle / Roland Ott, ebenfalls in Heckflossen. Nur um fünf Punkte verpassten die Holländer Tak/Swaab mit ihrem Mercedes den vierten Platz.
Nach der Anfahrtsetappe am 18. Januar lagen Schock und Moll noch auf dem 19. Platz – doch das änderte sich bald: auf den schneebedeckten Strassen zog das eingespielte Duo den Konkurrenten uneinholbar davon. Das lag nicht nur am Können der beiden, die schon 1956 den Titel des Internationalen- und Europa-Rallyemeisters geholt hatten.
| Ohne Spikes unterwegs: Eberhard Mahle und Roland Ott erfuhren sich den dritten Platz. |
Die serienmäßigen 220 SE entsprachen ideal dem vorgegebenen Reglement. Obwohl Spikes auf dem Vormarsch waren – ein Drittel der knapp 300 gestarteten Wagen waren damit ausgerüstet, vertrauten die siegreichen Mercedes ausschließlich ihren Dunlop-Winterreifen und Schneeketten. Die Mercedes-Teams waren auf eigene Gefahr und Rechnung gestartet, konnten sich jedoch auf die Unterstützung des Werks und der perfekten Serviceorganisation von Mercedes-Sportchef Karl Kling verlassen. Und so wurde der deutsche Triumph nach insgesamt 3.567 Kilometern stürmisch gefeiert. Besonders in Untertürkheim: Mercedes-Benz brachte prompt eine 52-seitige Broschüre unter dem Titel „Die Könige von Monte Carlo“ unter die Leute.
| Die stolzen Sieger zurück in Stuttgart: Rennleiter Karl Kling (Mitte) präsentiert den Pokal. |
Kein Wunder, dass der Ruf nach einem Wiedereinstieg der Untertürkheimer in den Rennsport laut wurde. Nach dem werkseitigen Rückzug von Mercedes-Benz aus der Formel-1 und der Sportwagen-Meisterschaft fuhren Privatfahrer wie Schock und Moll ab 1956 Fahrzeuge aus Untertürkheim im Motorsport, um die Zuverlässigkeit der Serienfahrzeuge zu testen. Nun forderte die Sportpresse, Mercedes-Benz solle wieder mit dem kontinuierlichen Einsatz von Werksfahrzeugen auf die Rennstrecken der Welt zurückkehren. Doch Kling macht deutlich: „Dieser Erfolg wird uns ermutigen, weiter erhebliche Anstrengungen in Rallyes zu machen. Doch Mercedes hat nicht die Absicht, wieder zum Rennsport zurückzukehren.“ Es sollte noch fast vierzig Jahre dauern, bis diese Absage widerrufen wurde.
© Fotoquelle / Bildrechte: Daimler AG

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