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Car und Van: der erste Opel Caravan
Autor: Uschi Kettenmann · 28. Juli 2010
1953 überraschte Opel mit einer Kombination aus Familienauto und Lieferwagen: dem Opel Olympia Rekord "CarAVan". Der Name leitete sich aus Car and Van ab und bezeichnete fortan die Combivariante bei Opel.
Opel Olympia Rekord
Komfortable Limousine und geräumiger: Lieferwagens: Opel Olympia Rekord
Seit Beginn der Automobilgeschichte herrschte eine klare Trennung zwischen Liefer- und Personenwagen: Lieferwagen hatten ausschließlich Waren und sperrige Güter zu transportieren, Personenwagen hingegen mussten den Insassen größtmöglichen Komfort und Platz bieten. Die wöchentliche Einkaufsfahrt zum Supermarkt oder der Kurzurlaub mit Surfbrett waren noch kein Thema. Bis Mitte der 1930er Jahre fand nicht einmal das Reisegepäck im Innenraum der Autos Platz. Üblicherweise wurden wetterfeste Koffer auf Gepäckbrücken am Wagenheck oder auf den Trittbrettern verzurrt.
Ford V8 Station Wagon,1936
Ford V8 Station Wagon,1936
Als der kleine US-amerikanische Autohersteller Hudson den neuen Terraplane Station Wagon 1936 vorstellte, ahnten die wenigsten, dass die Form dieses neuartigen Fahrzeugs einmal hohe Absatzzahlen erreichen würde. Zur damaligen Zeit galt der Terraplane als einer von vielen Design-Versuchen, die Proportionen einer Limousine und eines Lieferwagens miteinander zu kombinieren. Dennoch war der Terraplane mit seiner holzbeplankten Karosserie und der großen Hecktür die erste kompromisslose Umsetzung des Kombi-Konzepts und der erste in Großserie produzierte Kombi. Allerdings dauerte es bis nach dem Zweiten Weltkrieg, ehe sich die Idee auf dem Markt durchsetzen konnte – bis dahin gab es kaum Bedarf für geräumige, vielfältig einsetzbare Fahrzeuge.
Dies änderte sich Mitte der 1940er Jahre mit dem Aufkommen der Mittelschicht, die vor allem aus unabhängigen Handelsvertretern, Verkaufsrepräsentanten und Handwerkern bestand, die für ihre beruflichen Zwecke ein Fahrzeug benötigten, sich aber kein weiteres Auto für die Familie leisten konnten. Alle großen US-Autohersteller begannen mit dem Verkauf von Kombis, ließen die Karosserien jedoch bei kleineren Zulieferern herstellen, weil sich für die vergleichsweise geringen Stückzahlen die zeitaufwendige Kleinserienfertigung nicht lohnte.
Mercury Woody Station Wagon, 1949.
Mercury Woody Station Wagon, 1949.
Die kleinen, oft handwerklich orientierten Karosseriebauer fertigten die speziellen Kombi-Karosserien in Holz- oder in Holz/Stahl-Bauweise. Die heute als besonders attraktiv geltenden Karosserien früherer amerikanischer Kombis („Woodies“) waren nichts anderes als Notlösungen: Die Karosserie-Zulieferer verwendeten Holz, weil die Verarbeitung von Stahl zu aufwendig gewesen wäre. Als die Nachfrage nach den vielseitigen Fahrzeugen stetig stieg, gingen die US-Großserienhersteller dazu über, die Kombis in Ganzstahl-Bauweise in den eigenen Werken zu produzieren – oft beplankt mit Holzpaneel-Imitationen, die dafür sorgten, dass sich die Kombis optisch von reinen Lieferwagen abhoben.
Opel Olympia Rekord
Zweckmäßig und schön, so preiste Opel den neuen Caravan an.
In Europa begannen mit dem Bau selbstragender Karosserien die Grenzen zwischen Lieferwagen und Personenwagen zu verwischen – allerdings erst mit dem einsetzenden Wirtschaftswunder der 1950er Jahre. Wie schon einige Jahre zuvor in den USA entstand mit der aufkommenden Mittelklasse sowie einem Babyboom der Bedarf für eine neue Art von Auto. Kombis boten die perfekte Lösung, denn sie dienten während der Woche als Lastesel, am Wochenende dagegen als Familienauto.
Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 1953 in Frankfurt stellte Opel den ersten echten Kombi Europas vor: den Olympia Rekord, dessen kastenförmiges Heck mit Seitenfenstern ausgestattet war und der gemeinsam mit der Limousine präsentiert wurde. Beide Versionen verfügten über eine Ponton-Karosserie und das charakteristische Haifischmaul. Im Gegensatz zu den bis dahin kastenförmigen Lieferwagen war der Opel Olympia Rekord Caravan Jahrgang 1953 für damalige Verhältnisse geradezu extravagant. „Mit wenigen Handgriffen“, so die Opel-Werbung, „und ohne großen Kraftaufwand sind die Rücksitze umgeklappt – aus dem eleganten, gesellschaftsfähigen Opel Caravan ist ein Transporter von hohem Gebrauchswert und echter Wirtschaftlichkeit geworden.“
Opel Olympia Rekord Caravan Südamerika- Expedition
Der Opel Olympia Rekord Caravan bei einer Südamerika-Expedition der Uni Heidelberg im Frühjahr 1954
Der Opel Olympia Rekord Caravan war von Beginn an ein Erfolg und verschaffte dem Kombi soziale Akzeptanz, indem er die Vorteile einer komfortablen Limousine mit denen eines für gewöhnlich spartanischen, aber geräumigen Lieferwagens kombinierte. Die Menschen in Deutschland nannten diese neue Karosserieform „Kombi“ – als Abkürzung von Kombinationskraftwagen, einem Auto, das die Eigenschaften zweier Fahrzeuggattungen vereint. Heutzutage würden die Marketingexperten solche Mobile als „flexible Crossover“ bezeichnen.
Das Caravan-Konzept überzeugte auch immer mehr Nichthandwerker. Rund 23.400 Exemplare des 1953er und 1954er Caravans produzierte Opel, mehr als zehn Prozent der Limousinen-Verkäufe. 1955 erreichte der Caravan einen Verkaufsanteil von rund 20 Prozent: 107.000 Limousinen standen 24.000 Kombis gegenüber.
Opel Kadett Caravan
Der kompakte Kadett Caravan feierte seine Premiere 1963.
Logisch, dass Opel von nun an auch von den Nachfolgern eine Caravan-Variante anbot. 1963 übertrugen die Rüsselsheimer das Konzept erstmals auch auf das erste Kompaktmodell der Nachkriegszeit: den Kadett A. Der kompakte und günstige Kadett katapultierte die Caravan-Zulassungen so weit nach oben, dass fast jeder zweite deutsche Kombi damals aus dem Hause Opel stammte. Zum Produktionsende des Kadett A 1965 war beinahe jedes vierte Auto ein Kombi – europaweit im Verhältnis von rund 500.000 zu 125.000. Opel hatte übrigens ein Extra im Programm, das schon erste Anklänge an die jetzt aktuellen Vans zeigte: Der Kofferraum ließ sich mit einem zusätzlichen Kindersitz ausrüsten, der allerdings entgegen der Fahrtrichtung montiert war.
1970 schuf Opel eine neue Kombi-Generation, die – ungeachtet ihrer Bedeutung als Lastesel – vor allem auf reine Familien- und Freizeitaktivitäten abzielte und sich durch sportliche und mehr Lifestyle-orientierte Merkmale auszeichnete. Einen ersten Hinweis hatte Opel bereits 1968 auf dem Genfer Autosalon mit der Studie „Commodore Voyage“ gegeben: Dieser große Kombi besaß ein spezielles, holzähnliches Außendekor als Reminiszenz an die amerikanischen „Woodies“. Obwohl die Studie nie in Serie ging, öffnete sie die Türen für neue Experimente bei Opel Styling, wie das Design-Center seinerzeit hieß. Das Konzept kam 1970 als Ascona Voyage auf den Markt und verfügte auf Wunsch über eine charakteristische Seitenverkleidung im Holzlook.
Opel Commodore Voyage Studie
Die Studie Commodore Voyage von 1968.
Das Handwerkerauto wurde zur Familienkutsche und zum Freizeitgefährt: Waren es in den frühen 1970er Jahren nur 20 Prozent der Caravan-Käufer, die ihr Auto ausschließlich als Privatfahrzeug nutzten, so stieg deren Anteil bis in die frühen 1990er Jahre auf über 50 Prozent. Der Kombi ist gesellschaftsfähig geworden. Der neue Astra Sports Tourer, der seine Premiere auf dem Pariser Autosalon 2010 feiert, wird da keine Ausnahme machen.
Kategorie(n):
Oldtimer
© Fotoquelle / Bildrechte: Opel, Library of Congress/Prints and Photographs Division, Ford
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