| Gebot für ein Brezelfenster-Käfer: Über 3.000 Besucher kamen zur Auktion nach Kaufdorf. |

Begräbnis eines Autofriedhofs
Autor: Uschi Kettenmann · 22. September 2009
Nun ist es vorbei mit dem Autofriedhof Gürbetal in Kaufdorf: Am 19. September 2009 wurden die Wracks unter großen Medienrummel versteigert. Über 3.000 Interessenten aus ganz Europa – darunter viele Händler und Sammler, aber auch reichlich Schaulustige –waren in das kleine Dorf im Schweizer Kanton Bern gepilgert, um die Auktion der 795 Fahrzeuge mitzuverfolgen.
Pünktlich um neun Uhr hatten die beiden Auktionatoren der Oldtimer Galerie Toffen mit der Versteigerung angefangen. Zuvor hatte Autofriedhofbesitzer Franz Messerli noch eine Ansprache gehalten, eine Trauerrede. Er wünschte sich „ein gutes Plätzchen“ für möglichst viele der Fahrzeuge. „Eigentlich hätten wir den Autofriedhof retten können, wenn jeder der Anwesenden 500 Franken in einen Topf gelegt hätte“, meinte Messerli.
Über die Vorgänge der letzten Tage – während der Vorbesichtigung war viel gestohlen und beschädigt worden – war er sichtlich wütend. Das grenze an Leichenschändung, kritisierte Messerli. Durch den Ansturm sei die Grabesruhe des Autofriedhofs sehr strapaziert worden. Doch mit der Vorbesichtigung und der Auktion hat der Autofriedhof seine Faszination einer heiligen Stätte verloren. Die meisten der Anwesenden, auch wenn sie sich zuvor für den Erhalt ausgesprochen hatten, sehen den Friedhof an diesem Tag nur noch als ein Ersatzteillager. Und das wird nicht geschändet, sondern geschlachtet.
Entsprechend sachlich und professionell gingen die Mitarbeiter der Oldtimer Galerie zu Werke. Einen Weltrekord wollte Auktionator Reto Breitenmoser erreichen: „800 Oldtimer an einem Tag zu verkaufen, das wäre einmalig in der Geschichte.“ Um es vorwegzunehmen: er hat es geschafft. Der bereits anvisierte Sonntag wurde für die Auktion nicht mehr benötigt. Im Minutentakt wurden die Fahrzeuge zu einem Mindestpreis von 50 Franken angeboten.
Zu Beginn kamen die Gebote schleppend – von den ersten zehn Fahrzeuge wurden neun nicht verkauft. „Sie kaufen hier nicht einfach Autos, sondern Kult“ – mit diesem Satz animierten die Auktionatoren immer wieder die Interessenten. Die ersten hundert Autos waren nach einer knappen Stunde verkauft. Oder auch nicht: „Auch dieser Oldtimer geht also in die Mühle,“ kommentierte Breitenmoser, wenn kein Bieter die Hand hob. Seine Kommentare wie auch die Ergebnisse waren über Lautsprecher auf dem ganzen Gelände zu verfolgen.
| Highlights: Die Porsche 356 gingen für bis zu 20.000 Franken weg. |
Rund zwei Drittel der Autos fand an diesen Tage einen Käufer. Highlights waren die drei Porsche 356 – sie erzielten die höchsten Preise. Einer von ihnen ging für knapp 20.000 Schweizer Franken an seinen neuen Besitzer, die beiden anderen für 17.000 und 13.000 Franken. Auch der ursprünglich rote Mercedes 190 SL von 1955 erzielte einen stolzen Preis: 17.000 Franken zahlte ein Franzose für den Wagen, der wohl selbst mit aufwändiger Restauration nicht mehr fahrtüchtig wird.
| Der VW-Bus mit Beutler-Karosserie ging für 5.000 Franken weg. |
Beim Lancia Aurelia Cabrio mit Pinifarina-Karosserie von 1950 schaukelten sich zwei Bieter gegenseitig hoch – bei über 8.000 Franken fiel hier der Hammer. Der Beutler-VW-Bus von 1963 erbrachte 5.000 Franken – und das, obwohl ein umgestürzter Baum die Karosserie fast vollständig eingedrückt hat. Erstaunen rief vor allem unter den Peugeot-Kennern die Bieterschlacht um ein Peugeot 203 Cabrio hervor: bei 4.700 Franken fiel erst der Hammer. Das Peugeot 203 Cabrio mit der ausgesprochen seltenen Worblaufen-Karosserie fand für 1.700 Franken einen Liebhaber. Ein ziemlich vergammelter Willys Jeep von 1945 erbrachte stolze 7.000 Franken. Die meisten der amerikanischen Fahrzeuge aus den 1930ern bis 1950ern gingen zu Preisen zwischen 2.000 und 3.000 Franken weg.
| Nach erfolgreichem Bieten begann die Suche nach der Neuerwerbung. |
Wie erwartet, waren viele Bieter nur an den Ersatzteilen interessiert bzw. ersteigerten einzelne komplette Fahrzeuge als Ersatzteileträger. So erstand ein Landrover-Sammler ein relativ komplettes Modell von 1954 für 100 Franken – er braucht ihn als „Organspender“.
| Die frischgebackenen Besitzer des Opel Olympias wollen den Wagen als Kunstwerk im Garten aufstellen. |
| Das Gesamtkunstwerk Autofriedhof gibt es nach der Auktion nicht mehr. |
Aber erst muss das Gelände geräumt und saniert sein. Messerli selbst wird mit seinen Mitarbeitern die Bergung der einzelnen Fahrzeuge vornehmen. Bei der Abholung will Messerli den Käufern persönlich die Papiere überreichen und „seinen“ Fahrzeugen das letzte Geleit geben. Bei den 300 der Wracks, die keinen Käufer fanden, wird das wohl wenig feierlich zugehen – auf sie wartet die Schrottpresse. Ihr Wert wird indes nicht viel zum Gesamtergebnis beitragen: Der Preis für Eisenschrott liegt derzeit nur noch bei 80 Franken pro Tonne.
Wie viel die Auktion insgesamt eingebracht hat, ist noch nicht bekannt. Dennoch: Die Kautionssumme von 250.000 Franken, die die Organisatoren bei der Gemeinde Kaufdorf als Sicherheitsleistung hinterlegen mussten, wurde deutlich überschritten.
Als am späten Nachmittag der Hammer für das letzte Los fiel, fing es prompt an zu regnen, gar wie aus Kübeln zu schütten. Und das, nachdem das Wetter den Tag über gehalten hatte. Auch weniger sentimental eingestellten Besuchern erschien dieser Abschluss irgendwie symbolisch...
Als am späten Nachmittag der Hammer für das letzte Los fiel, fing es prompt an zu regnen, gar wie aus Kübeln zu schütten. Und das, nachdem das Wetter den Tag über gehalten hatte. Auch weniger sentimental eingestellten Besuchern erschien dieser Abschluss irgendwie symbolisch...
© Fotoquelle / Bildrechte: Dirk Patschkowski, Oldtimer Galerie Toffen
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Kommentare
Thorsten Siems schrieb: (22.09.2009)
Eine schön-schaurige Geschichte über eine wohl einmalige Atmosphäre...

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