Auto-Porträt: Cord 810 und Cord 812 - American dreams
Autor/Redaktion: Hermann Ries · 08. Januar 2010
Design-Klassiker: Cord 812
Als der Cord 810 im Jahr 1935 bei der New York Motor Show präsentiert wurde, war er die Sensation: Mit seinem atemberaubenden Design – ohne das klassische Auto-Gesicht mit steil in den Fahrtwind ragenden Kühler und den daneben quasi als Augen angeordneten Scheinwerfen – sprengte er alle Konventionen. "Alligator nose" oder "coffin nose" (Alligator-Schnauze oder Sarg-Nase) nannten die Amerikaner den Fronttriebler, der noch heute als einer der wichtigsten Design-Meilensteine gilt.
Die Scheinwerfer des Cord 812 sind einzeln per Handkurbel am Armaturenbrett ausfahrbar.
Mit seinen einzeln ausfahrbaren Scheinwerfern, seiner langgestreckten Motorhaube und seiner durch den Frontantrieb möglichen niedrigen Bauweise hatte er kein Vorbild, sondern wurde selbst zum solchen, sogar für einige Autos aus der Alten Welt – wie zum Beispiel dem Opel Kapitän.
Zwischen den Zylinderbänken des 4,7 Liter V8 ist im Cord 812 der Zentrifugal-Kompressor angeordnet. Er bringt den Motor auf 172 PS.
Auch technisch bietet der Cord – neben für die damalige Zeit äußerst ungewöhnlichen Frontantrieb – einige Raffinessen. Da ist zum Beispiel der Kompressormotor, der ab 1937 im Cord 812 angeboten wurde. Anstelle eines Roots-Gebläses, wie bei den zeitgenössischen Mercedes-Benz Kompressor-Automobilen, lädt ein zwischen den Zylinderbänken des 4,7 Liter-V8 angeordneter Zentrifugal-Kompressor den Motor auf und sorgt für stramme 172 PS bei 4.250/min.
Die vier Gänge des Cord 812-Getriebes werden über den kleinen Schalthebel mit Ring an einem tonnenförmigen Satelliten am Lenkrad geschaltet.
Technisch noch anspruchsvoller ist das Getriebe, dessen Gänge buchstäblich mit dem kleinen Finger geschaltet werden können: Rechterhand des Lenkrads befindet sich ein tonnenförmiges Instrument, aus dem ein kleiner Hebel herausragt, der in einem Mini-Schaltschema geführt wird. Mit einer Fingerbewegung lässt sich dieser Hebel jederzeit während der Fahrt wie ein großer Hebel in die gewünschte Ebene dirigieren. Drückt man anschließend das Kupplungspedal durch, ist beim Loslassen der zuvor gewählte Gang aktiv.
Die Fahrt im Cord 812 gerät dank weicher Federung zum sanften Dahingleiten.
So gerät die Fahrt im Cord zum komfortablen Vergnügen: Die weiche Federung lässt den Wagen über Straßenunebenheiten quasi schweben und die leichtgängige Lenkung macht das Fahren zum Kinderspiel, untermalt vom charakteristischen leisen Gurren des V8.
Nur 196 Exemplare der Convertible Phaeton Sedan-Version des Cord 812 wurden gebaut.
Zwischen 1936 und 1937 wurden in Auburn/Indiana 2.972 Cord 810 und 812 gebaut, davon 196 Exemplare des hier präsentierten Convertible Phaeton Sedan. Die noch existierenden Autos werden zum Bruchteil des Preises für einen Mercedes-Benz 540 K verkauft - und bieten ähnlich viel Fahrspaß. Bei Kienle Automobiltechnik steht einer dieser Traumwagen zum Verkauf.
Futiristisch wie ein Flugzeug-Cockpit: das Armaturenbrett des Cord 812.
Futuristisch wie das Äußere ist auch das Cockpit des Cord 812: Es ähnelt dem eines Flugzeug-Cockpits.Geschaltet wird mit dem kleinen Hebelchen rechts vom Lenkrad.
Als “alligator nose” – Alligator-Schnauze – und “coffin nose” – Sargnase – bezeichneten die Amerikaner den Cord 812 .
Und weil er so schön ist, hier noch einige weitere Fotos.
Sanftes Gleiten ist mit dem komfortablen Cord 812 angesagt. Das Schalten mit dem Vorwählgetriebe ist ein Kinderspiel, und der V8-Motor läuft seidig weich, untermalt von sanftem Gurren.