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Auto-Gepäck-Verkehr: 80 Jahre Autozug
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 18. Februar 2010
Der Autozug wird 80: Am 1. April 1930 führte die damalige Reichsbahn ein neues Angebot ein. Der Auto-Gepäck-Verkehr ermöglichte erstmals die Aufgabe von Autos als Reisegepäck.
Autozug Autoreisezug 1930
Seit 80 Jahren transportiert die Bahn auch Autos als Reisegepäck.
Die Zielgruppe für das Auto als Reisegepäck war ziemlich klein: Damals gab es weniger als 500.000 Automobile in Deutschland. Dennoch sah die Bahn einen Bedarf für ihr neues Produkt: „Häufig besteht bei Kraftfahrern der Wunsch, den Kraftwagen mit der Eisenbahn zu versenden und selbst die Reise, schnell, bequem und ohne jede Anstrengung im Eisenbahnzuge zurückzulegen“, hieß es im Reichsbahn-Prospekt.

Das bedeutete allerdings nicht, dass Fahrer und Auto im selben Zug reisten. Während die Fahrgäste in Nachtzügen ans Ziel reisten, wurden die Fahrzeuge meistens in Eilgüterzügen transportiert - doch auch die waren damals von Hamburg nach Basel 33 Stunden unterwegs. Spezielle doppelstöckige Autotransportwagen wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt – die Reichsbahn benutzte zunächst normale Flachwagen. Mehr als 50 Bahnhöfe zwischen Stettin und Stuttgart standen für diesen Service zur Verfügung.
Autozug Autoreisezug 1930
Der Wagen musste per Hand besonders gesichert werden.
Nach dem Krieg dauerte es, bis sich die Bürger wieder einen Urlaub leisten konnten. Doch der Aufschwung kam: Zwischen 1950 und 1960 verzehnfachte sich der PKW-Bestand von 515.000 auf über 5 Millionen. Schon 1955 starteten in Großbritannien und Frankreich die ersten Autoreisezüge, in der Bundesrepublik war es im Sommerfahrplan 1956 soweit: Die Bundesbahn schaffte nicht nur die 3. Klasse ab, sondern schickte auch von Hamburg nach Chiasso und von München nach Ostende die ersten Autoreisezüge auf den Weg.

Die Fahrgäste machten es sich im Bett- oder Liegeabteil bequem, während ihr Pkw in speziellen Transportwagen mit dem selben Zug ans Ziel reist. 95 Mark kostete der Transport eines Pkw auf der Strecke Hamburg-Basel – ein Fünftel des durchschnittlichen Monatsverdienstes ein Lokführers. Im ersten Jahr wurden immerhin knapp 1.000 Autos befördert.
Autozug Autoreisezug 1960
Von Hamburg ins schweizerische Chiasso im Tessin: ab 1956 auch per Autozug möglich.
1960 konnten Autofahrer erstmals nach dem Krieg auch innerhalb der Bundesrepublik ihren Wagen auf dem Zug wieder mitnehmen. Den Anfang machen die Strecken München-Hamburg-Großenbrode (damals der Fährhafen nach Gedser, Dänemark) und Mülheim - Düsseldorf - Köln - München. Zwischen 1960 und 1969 steigt die Zahl der beförderten Autos von 10.000 auf über 80.000 pro Jahr. Und auf dem Hindenburgdamm, der Bahnverbindung nach Sylt, erforderte der Ansturm der Urlauber, die mit dem Auto auf "die Insel" wollen, den Ausbau der eingleisigen Strecke.
Autoreisezug Sylt Westerland
Auf dem Weg nach Sylt: Autoreisezug nach Westerland, 1977.
Die Straßen wurden voller und der Zug als Transportmittel für das eigene Auto attraktiver. Das Jahr 1973 ging mit 185.500 beförderten Autos als damaliger Rekord in die Bundesbahn-Chronik ein. Auch in der DDR fuhr das Auto mit dem Zug: Die Reichsbahn brachte einen Trabant in den 1970ern beispielsweise für 99,50 DDR-Mark von Dresden nach Budapest.

Die Autoreisezüge in den sonnigen Süden sind jedoch ein stark saisonales Geschäft. In ihrem Bemühen, die Züge besser auszulasten und wirtschaftlicher einzusetzen, strich die Bundesbahn bis 1978 rund 40 Prozent ihrer Verbindungen und mehrere Terminals wegen zu geringer Nachfrage. Am 5. September 1980 wird eine Schallmauer durchbrochen: Die Autoreisezüge der Deutschen Bundesbahn nehmen an diesem Spätsommertag ihr zweimillionstes Fahrzeug seit der Wiederaufnahme 1956 "huckepack". Bis zur ersten Million, die 1973 erreicht wurde, hatte es noch 18 Jahre gedauert, bis zur zweiten ganze sieben Jahre. Doch die kühnen Prognosen der Bahn aus den frühen siebziger Jahren, die für 1980 über 1,3 Millionen beförderte Fahrzeuge vorhergesagt hatten, bleiben Utopie. Statt des erhofften Booms stagniert das Geschäft.

Im Herbst 1981 kritisierte der „Spiegel“ Kapazitätsengpässe während der sommerlichen Hochsaison. Das Problem war nicht neu: Die Anschaffung teurer Schlaf-, Liege- und Autotransportwagen rentierte sich nicht, wenn sie nur im Juli und August gebraucht werden. Wie kaum ein anderes Bahnangebot ist die Mitnahme von Kraftfahrzeugen ein Saisongeschäft mit explodierender Nachfrage im Sommer und verhaltenem Geschäft in den übrigen Jahreszeiten. So wurden in letzten Jahren das Angebot der Verbindungen stark ausgedünnt.
Autoreisezug Oldtimer
Oldtimer auf dem Autoreisezug
Rund 100 Verbindungen innerhalb Deutschlands sowie nach Frankreich, Italien und Österreich werden heute angeboten, die längste Route führt über 1570 Kilometer von Hamburg nach Narbonne in Südfrankreich. Rund 250.000 Fahrzeuge fahren heute jährlich mit dem Autozug – rund 5.000 von ihnen sind Oldtimer.

Denn auch für Klassiker-Besitzer sind die Angebote der Bahn interessant – was diese auch entsprechend bewirbt. Mit dem Angebot "Autozug-Spezial" kostet eine innerdeutsche Fahrt ab 99 Euro, eine Person im Liegewagen inklusive. Internationale Strecken sind ab 149 Euro buchbar - jeweils pro Strecke und solange der Vorrat reicht.
© Fotoquelle / Bildrechte: Maro und Partner/ DB AutoZug GmbH, Wikimedia/ Adolf Thomas Schuff
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