Raritäten von 1930 bis 1969: Centro Storico Alfa Romeo in Bremen
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 04. Februar 2010
Dass Alfa Romeo den Auftakt seines 100. Firmenjubiläums auf der Bremen Classic Motorshow feiert, haben wir an dieser Stelle schon mehrmals berichtet. Nun hat Alfa Romeo weitere Details preisgegeben.
Insgesamt sieben ausgesuchte automobile Raritäten verschiedener Epochen werden in der Sonderschau „Bella Macchina“ vom „Alfa Romeo Automobilismo Storico, Centro Documentazione (Arese, Milano)“ – kurz: Centro Storico Alfa Romeo – präsentiert. So vielfältig die rollenden Legenden aus dem Hause Alfa Romeo auch auftreten, sie alle verkörpern die klassischen Stärken der Mailänder Marke: Sportlichkeit, Leichtbau und Agilität.
Ältester Alfa Romeo in Bremen: 6C 1750 GS von 1930.
Die Fahrzeug-Auswahl, die das Team der Klassiker-Abteilung aus dem Mailänder Vorort Arese an der Weser zeigt, würde jedem Automobilmuseum der Welt zur Ehre gereichen. Zu sehen sind beispielsweise die Vintage-Rennwagen 6C 1750 Gran Sport (1930) und der 8C 2900 Le Mans (1938) oder auch extrem seltene Sportwagen wie der Grand 33.2 Stradale Prototipo (1967) und die „fliegende Untertasse“, der C52 „Disco Volante“ Spider von 1952.
Brücke zur Moderne: Alfa Romeo 8C Spider.
Zugleich schlägt die Sonderschau in Halle 5 der Bremer Messe den Bogen zur sportlichen Gegenwart von Alfa Romeo: Der 331 kW (450 PS) starke V8-Supersportwagen Alfa Romeo 8C Spider steht als legitimer Nachfolger zu Recht in einer Reihe mit den legendären Modellen der Marke. Wie kaum ein anderes Fahrzeug der Neuzeit spricht der Alfa Romeo 8C Spider auf unvergleichliche Art das „Cuore Sportivo“ eines jedes Autobegeisterten an und fokussiert dabei den Betrachter auf die Werte der Mailänder Marke. Von der streng limitierten Serie von 500 Fahrzeugen sind gut 100 Exemplare für den deutschen Markt vorgesehen. Die Chancen einen Alfa Romeo 8C Spider live auf der Straße zu sehen sind entsprechend gering.
Während solche Fahrleistungen in den Anfangsjahren von Alfa Romeo für Serienmodelle unvorstellbar waren, bestachen die Rennsportwagen des Hauses schon immer mit unbändiger Kraft. Da sie seit der Unternehmensgründung im Jahre 1910 das Bild der Marke prägten, stellt Alfa Romeo auf der ersten großen Klassiker-Messe der Saison nun herausragende Vertreter der stolzen 100-jährigen Geschichte vor.
Im Tipo B3 dominierte Tazio Nuvolari die Saison 1932.
Ältestes Exponat unter den automobilen Juwelen ist der von Tazio Nuvolari gesteuerte Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport. Der drahtige Kämpfer mit dem wettergegerbten Gesicht gewann 1930 in dem 170 km/h schnellen Kompressor-Sportwagen die Mille Miglia – als erster mit einem Schnitt von mehr als 100 Stundenkilometern. Zwei Jahre später, 1932, dominierte der „Fliegende Mantuaner“ mit seinem ebenfalls kompressorbefeuerten Gran Premio Tipo B P3 mit Achtzylindermotor die Grand Prix-Saison. Der erste einsitzige Grand Prix-Rennwagen überhaupt ist ebenfalls in Bremen zu sehen.
Aerodynamik aus dem Jahre 1938: 8C 2900B LeMans Speziale.
Ein ganz besonders seltener Alfa Romeo ist der 8C 2900B Le Mans Speciale von 1938. Der offene Rennwagen, ein Einzelstück von Touring, sorgte beim französischen Langstreckenklassiker für Aufsehen. Der Alfa Romeo Typ 159 – „Alfetta“ genannt – ist mit 47 Siegen in 54 Grands Prix einer der erfolgreichsten Rennwagen aller Zeiten. Er wurde bereits 1937 als Tipo 158 konzipiert, ständig weiterentwickelt und nach tiefgreifenden Modifikationen letztmals in der Formel 1-Saison 1951 als Tipo 159 eingesetzt. Am Steuer saßen unter anderem Guiseppe „Nino“ Farina und Juan Manuel Fangio, mit Alfa Romeo 1950 und 1951 die beiden ersten Formel 1-Weltmeister.
Nur 102 Exemplare wurden vom Alfa Romeo Giulia TZ 1 zwischen 1963 und 1966 hergestellt.
Aber auch Design-Ikonen wie der Alfa 1900 C52 „Disco Volante“ Spider von 1952 und der Giulia TZ1 von 1963 prägen das Bild von Alfa Romeo in Bremen. Der „Fliegende Untertasse“ genannte C52 bestach durch seine extrem aerodynamische Karosserie. Nur zwei vierzylindrige Spider und ein Coupé wurden gebaut. Vom straßentauglichen Rennwagen Giulia TZ1 fertigte Alfa Romeo immerhin 102 Stück. Dabei steht das T für den Gitterrohrrahmen (Tubolare), das Z für Karosserieschneider Zagato.
1967 auf der Weltausstellung in Montréal vorgestellt: Alfa Romeo Montreal.
Fans von Supercars der 1960er Jahre kommen an der Weser ebenfalls auf ihre Kosten – etwa mit dem Genuss des 33.2 Stradale Prototipo von 1967, einem von nur 18 je gebauten Exemplaren dieses Straßensportlers. Zeitlich nah, stilistisch aber Welten entfernt, präsentiert sich das futuristische Concept Car Alfa Romeo 33 Carabo von 1969. Das Meisterwerk von Bertone läutete die Ära des Keil-Designs ein. Wie dieses in die Serie umgesetzt wurde, zeigt der Alfa Romeo Montreal. Das Sportcoupé wurde von 1970 bis 1977 gefertigt und basierte auf dem Rennwagen Tipo 33.