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Zwei Euro Strom für 100 Kilometer: 105 Jahre altes Elektroauto siegt bei Sparsamkeits-Wettfahrt
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 29. April 2009
Columbia Elektroauto 1904
Der elektrisch angetrieben Columbia von 1904.
Der Elektroantrieb gilt als Hoffnungsträger für das Automobil der Zukunft. Dabei handelt es sich hierbei keineswegs um eine neue Idee. Schon vor über 100 Jahren wurden Autos mit Elektroantrieb gebaut, die sich aber bis heute gegen die Konkurrenz mit Verbrennungsmotor nicht durchsetzen konnten.

Was kann ein solches Fahrzeug leisten, wenn nicht die Geschwindigkeit sondern die Sparsamkeit im Vordergrund steht? Um dieser Frage nachzugehen, haben Spezialisten des Auto & Technik Museum Sinsheim einen 105 Jahre alten elektrisch angetriebenen Columbia mit moderner Technik nachgerüstet. Bei einer Wettfahrt, die im Rahmen eines großen Treffens von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb am Samstag dem 25. April 2009 vom Auto & Technik Museum Sinsheim durchgeführt wurde, konnte er jetzt seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Auto + Technik Museum Sinsheim Wettfahrt Columbia
Punkt 11 Uhr startete die Wettfahrt auf dem Museumsgelände.
Als Energiespeicher hatte der Wagen neue Blei-Gel-Batterien mit einer Kapazität von 6 Kilowattstunden erhalten. Bei einem derzeitigen Strompreis von ca. 20 Cent pro Kilowattstunde kostet eine komplette Ladung rund 1,20 Euro. Welche Distanz kann mit dieser Strommenge zurückgelegt werden und wie viel Benzin verbrauchen historische und aktuelle Automobile mit Verbrennungsmotor im Vergleich zu einem solchen Elektro-Oldtimer?

Auto + Technik Museum Sinsheim Wettfahrt Columbia
Die teilnehmenden Fahrzeuge in der malerischen Kraichgaukulisse rund um das Museum.
Das sollte jetzt bei dieser Wettfahrt geprüft werden. Punkt 11 Uhr wurden höchst unterschiedliche Fahrzeuge auf einen 2 km langen Rundkurs geschickt: das modernisierte Elektroauto Baujahr 1904 und ein aktueller Smart mit Benzinmotor, außerdem ein Messerschmitt Kabinenroller Baujahr 1957, ein Opel Super Six Baujahr 1938 und eine Maybach-Limousine, ebenfalls Baujahr 1938.
Auto + Technik Museum Sinsheim Wettfahrt Columbia
Nach der Wettfahrt wurde der exakte Spritverbrauch der Teilnehmerfahrzeuge ermittelt.
Zweieinhalb Stunden lang umrundete das illustre Feld das Museum. Dann, nach knapp 54 Kilometern zurückgelegter Strecke, waren die Batterien des Elektroautos fast leergefahren. Unter der fachkundigen Aufsicht des Kfz-Sachverständigen Herrn Klaus Stephan von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Sinsheim erfolgte die Verbrauchsmessung der benzinbetriebenen Fahrzeuge.

Das Ergebnis war verblüffend. Der Smart hatte für die gleiche Strecke 2,9 Liter Benzin benötigt und damit, bei einem Tagespreis von ca. 1,25 Euro pro Liter, Treibstoffkosten von rund 3,62 Euro verursacht. Der Verbrauch des Messerschmitt Kabinenrollers lag trotz seines winzigen 200 ccm Zweitakt-Motors bei 5 Litern (ca. 6 Euro), der Opel Super Six hatte 6,1 Liter (7,32 Euro) Benzin verbrannt, und die riesige, von einem 12-Zylinder-Motor mit 8 Litern Hubraum angetriebene Maybach-Limousine sogar 17,5 Liter (22 Euro). Mit den verbrauchten 6 Kilowattstunden für 1,20 Euro fuhr der Columbia somit nicht nur umweltfreundlich sondern auch ausgesprochen preiswert im Verbrauch.
Auto + Technik Museum Sinsheim Fahrzeugtreffen „Alternative Antriebsformen“
Bei wunderschönem Wetter fanden viele Elektrofahrzeuge ihren Weg in das Auto & Technik Museum Sinsheim.
Die Wettfahrt wurde im Rahmen eines Fahrzeugtreffens durchgeführt, zu dem alle Fahrzeuge mit alternativer Antriebsart eingeladen waren. Weit über 100 Fahrzeuge, darunter Hybrid-, Wasserstoff-, Solar- und Elektroautomobile trafen sich auf dem Freigelände des Museums. Sogar E-Mobil Fahrer aus Italien und der Schweiz sind auf eigener Achse angereist.
Noch bis 30. September 2009 ist im Museum eine Sonderausstellung zu sehen, welche historische und moderne Alternativfahrzeuge zeigt und somit einen interessanten Gesamtüberblick des momentanen Entwicklungsstandes vermittelt.
Auto + Technik Museum Sinsheim Solartankstelle
Die neue Solartankstelle im Auto + Technik Museum Sinsheim.
Anlässlich des Fahrzeugtreffens am vergangenen Samstag wurde auf dem Freigelände des Museums eine neuartige Solartankstelle in Betrieb genommen, die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Museum, der Wilhelm-Maybach-Schule Heilbronn und der Firma Würth Solar entstand. Somit steht Museumsbesuchern die mit einem Elektrofahrzeug anreisen ab sofort eine kostenlose Stromquelle zur Verfügung. Nach dem großen Erfolg des Treffens ist klar, dass im Jahr 2010 die dritte Auflage des Fahrzeugtreffens „Alternative Antriebsformen“ bevorsteht.
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© Fotoquelle / Bildrechte: Auto & Technik Museum Sinsheim
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