| Den Kleinwagen der Wirtschaftswunderzeit widmet sich die neue Ausstellung in der Central Garage. |

Vespen, Tiger, Spatz & Co. in der Central Garage
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 11. August 2010
Maikäfer, Tiger, Spatz und Vespen: Nachdem ein Jahr lang wechselnde Porsche-Kreationen zu sehen waren, widmet sich die Central Garage den kleinen Kreaturen des Wirtschaftswunders. Am Sonntag, 8. August 2010, wurde die neue Ausstellung eröffnet: Rund 30 Vespas und etwa 15 Klein- und Kleinstwagen, darunter einige Raritäten, werden in dem Bad Homburger Automobilmuseum präsentiert.
Aufwärts sollte es gehen im Nachkriegsdeutschland – und voran. Der Wiederaufbau, das Wirtschaftswachstum erforderten Mobilität und natürlich wollten die Menschen auch in ihrer Freizeit bequem von Punkt A nach Punkt B gelangen.
Anfangs beschied man sich mit motorisierten Zweirädern, aber die Sehnsucht nach einem Dach über dem Kopf, nach mindestens drei, wenn nicht vier Rädern, kurzum nach einem Auto wuchs. Nur erschwinglich sollte es sein. So begannen denn „Vespen, Tiger, Spatz & Co.“ als „Kreaturen des Wirtschaftswunders“ Deutschland zu bevölkern.
Hinter den Ausstellungsstücken stehen Geschichten, wie sie nur das Leben eines zerstörten, ausgelaugten Landes schreiben konnte. Zum Beispiel die von Paul Kleinschnittger. Alte Flugzeug- und Motorradteile hatte er gesammelt und baute daraus nach der Währungsreform einen Kleinstroadster.
Der erregte so viel Aufmerksamkeit, dass sich ein betuchter Hamburger Kaufmann mit dem Sauerländer zusammen tat und in die Serienfertigung investierte. Der Kleinschnittger F 125 kam 1950 auf den Markt. 4,5 PS stark, bis zu 70 km/h schnell, gerade einmal 150 kg leicht. Ohne Anlasser, ohne Kardanwelle, ohne Differenzial und ohne Rückwärtsgang. Man konnte das Wägelchen ja einfach herumheben!
| Kleinschnittger F 125 und Brütsch Mopetta Opelit. |
Egon Brütsch hieß ein weiterer Pionier. Eine seiner selten zu sehenden, skurrilen Konstruktionen ist die Mopetta von 1957. Ursprünglich wollte Georg von Opel die Mopetta als Opelit in LIizenz fertigen. Der Plan ließ sich nicht verwirklichen.
Die ausgestellte Mopetta Opelit ist eine Leihgabe von Gregor von Opel und befindet sich in unrestauriertem Originalzustand.
Ebenfalls auf Brütsch geht die Konstruktion des Spatz zurück, der von verschiedenen Herstellern wie z.B. Victoria in rund 1.500 Exemplare hergestellt wurde. In der Central Garage steht ein Spatz 200 von 1957, hergestellt von den Bayrischen Autowerken. (BAG) Die offene Karosserie aus Polyesterharz hat keine Türen und bietet drei Personen Platz, die nach der damaligen Werbung „ganz bequem“ nebeneinander sitzen können.
Die ausgestellte Mopetta Opelit ist eine Leihgabe von Gregor von Opel und befindet sich in unrestauriertem Originalzustand.
Ebenfalls auf Brütsch geht die Konstruktion des Spatz zurück, der von verschiedenen Herstellern wie z.B. Victoria in rund 1.500 Exemplare hergestellt wurde. In der Central Garage steht ein Spatz 200 von 1957, hergestellt von den Bayrischen Autowerken. (BAG) Die offene Karosserie aus Polyesterharz hat keine Türen und bietet drei Personen Platz, die nach der damaligen Werbung „ganz bequem“ nebeneinander sitzen können.
| Messerschmitt KR 200 und FMR Tg 500 |
Hintereinander lautete dagegen die Devise für die Insassen des Messerschmitt Kabinenrollers KR 200. Fritz M. Fend hatte aus seinem einsitzigen Fend-Flitzer von 1948 zunächst den KR 175 und dann 1955 den erfolgreichen 200er mit 10,2 PS entwickelt. Produziert wurden die Karos im Flugzeugwerk von Willy Messerschmitt, der sich in der Nachkriegszeit übergangsweise auf den Fahrzeugbau verlegt hatte. Neben einem roten KR 200 zeigt die Central Garage auch einen Tg 500. Der „Tiger“ fauchte ab 1957 auf dem Markt – mit vier Rädern, einer innovativen Schräglenkerachse für die bessere Straßenlage, doppelt so viel PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Selbst ein 1957er Porsche 356 erreichte gerade einmal 15 km/h mehr. Allerdings war der TG 500 auch wesentlich teurer als sein dreirädriger Bruder KR 200, so dass er wenig gefragt und in nur geringen Stückzahlen produziert wurde. Entsprechend begehrt ist er heute.
Natürlich wurde auch die „Knutschkugel“, ein weiteres Symbol des 50er Jahre-Wirtschaftswunders, in den Bad Homburger Ausstellungsraum gerollt, und das gleich in zweifacher Ausfertigung. Bewundert werden kann nämlich eine ISO-Isetta aus der 1. Serie (1954), die Renzo Rivolta, Chef des italienischen Motorradwerkes ISO-Rivolta konstruiert hatte. Als BMW nur ein Jahr später die Lizenz übernahm, behielt die Isetta ihre nach vorn samt Lenkrad zu öffnende „Kühlschranktür“, bekam jedoch ein viertes Rad verpasst. Die ausgestellte BMW-Isetta ist ebenfalls eine der ersten (Bj. 1955).
Das meistgebaute Kleinauto aber war das Goggomobil der Dingolfinger Glas-Werke. In der Central Garage steht der Typ T 250 – zusammen mit einem Piccolo-Wohnwagen. Immerhin kann man bei der viersitzigen Limousine, die eine fantastische Zusatzausstattung einschließlich Plattenspieler und Blumenvase hat, schon an ein „richtiges“ Automobil denken. Der Name des Raumwunders war übrigens eine Kreation der Haushälterin der Familie Glas. Sie rief den zweitgeborenen Sohn Andreas „Goggi“.
| Goggomobil T 250 mit Piccolo-Wohnwagen. |
In der Ausstellung fehlen ebenso wenig die „Kreaturen des Wirtschaftswunders“, denen italienische Designer ihr Gesicht gaben. Da ist das „Schwänchen“, ein NSU Sport Prinz von „Nuccio“ Bertone, noch mit der Prinz-3-Technik und eines von vier erhaltenen Exemplaren. Da ist das „Mäuschen“, der Fiat-Topolino – eine unrestaurierte C-Version von 1955 –, der zwischen 1936 und 1955 über 500.000 Mal vom Band lief. In der Tuning-Firma von Carlo Abarth entstand 1957 der 155 km/h schnelle Fiat 750 Abarth, der Bianchina von Autobianchi ist als Cabrio zu sehen, und den schnittigen Alexander-Frua ließen sich die Bremer Lloyd-Werke von dem italienischen Designer Pietro Frua schneidern.
| Rund 30 Vespas aller Baujahre werden in der zweiten Ausstellungsebene präsentiert. |
Der zweite große Raum ist den Zweirädern vorbehalten. Gerade für die junge Generation wurden die „Vespen“, sobald sie über die Alpen gekommen waren, zum Sinnbild von Freiheit. Als Firmenchef Enrico Piaggio das neue Gefährt seines Ingenieurs Corradino D’Ascanio begutachtet hatte, kommentierte er: „Sieht aus wie eine Wespe.“ Italienisch: Vespa. Der Name war geboren. Und der Motorroller, der durch das breite Beinschild vor der breiten Fußauflage sowie durch die Motor- und Heckverkleidung guten Schutz vor Verschmutzungen bot, trat seinen Siegeszug um die Welt an. Von 1946 bis heute wurden weit über 15 Millionen Vespas produziert – in rund 100 Versionen. 30 Exemplare aller Baujahre präsentiert die Central Garage in der oberen Ausstellungsebene, inklusive verschiedener Lizenzproduktionen aus Deutschland, Frankreich und Spanien und einiger Konkurrenzprodukte wie dem Heinkel Tourist.
| Heinkel Tourist mit Steib-Seitenwagen, 1956. |
Etwas „aus der Zeit“ fällt ein Fahrzeug, das für Kenner der historischen Kleinwagen-Szene freilich einen besonderen Höhepunkt darstellt: der „Maikäfer“ von Josef Ganz. Der Ingenieur und Chefredakteur des Fachmagazins Motor-Kritik entwickelte den zweisitzigen Prototypen 1931 mit Einzelradaufhängung, Schwingachsen und einem auf der Hinterachse liegenden Motor. Eine überarbeitete Viersitzer-Version kam 1933 als Standard-Superior auf den Markt, beworben als Volkswagen. Nicht geklärt werden konnte bisher, welchen Beitrag Josef Ganz zur Entwicklung des Ur-Käfers geleistet hatte. Die Gestapo verhaftete den jüdischen Ingenieur 1933 und durchsuchte sein Büro in Frankfurt am Main. Dabei sollen laut Ganz zahlreiche Arbeitsunterlagen beschlagnahmt worden sein. Josef Ganz floh nach seiner Freilassung nach Liechtenstein, später in die Schweiz und wanderte 1951 nach Australien aus, wo er für General Motors arbeitete. Der ausgestellte Maikäfer gehört heute der Central Garage und wurde erst vor kurzem restauriert.
| Der Maikäfer von Josef Ganz, ein restaurierter Prototyp aus dem Jahre 1931. |
Alle präsentierten Kleinwagen und Vespas zeigen, mit welch einfachen Mitteln, jedoch viel Kreativität damals Kraftfahrzeuge entstanden. Und sie rufen Erinnerungen wach, zaubern ein verzücktes Lächeln auf die Lippen. Eben das möchte die Central Garage mit ihrer neuen Ausstellung erreichen. Bis zum Frühjahr 2011 ist sie zu sehen – wobei im Lauf der Monate einzelne Exponate ausgewechselt werden, so dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt.
Wie immer ist der Eintritt zu der Ausstellung frei. Aber auch diesmal bittet die Central Garage um Spenden, für die in der Nähe des Eingangs eine Spendenbox bereitsteht. Das Geld kommt dem Kinderschutzbund im Hochtaunuskreis zugute. Geöffnet ist die Ausstellung Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 16.30 Uhr oder nach Absprache. Da es kurzzeitig zu Änderungen der Öffnungszeiten kommen kann, empfiehlt sich ein vorheriger Anruf unter Tel. 06172-5976057.
Wie immer ist der Eintritt zu der Ausstellung frei. Aber auch diesmal bittet die Central Garage um Spenden, für die in der Nähe des Eingangs eine Spendenbox bereitsteht. Das Geld kommt dem Kinderschutzbund im Hochtaunuskreis zugute. Geöffnet ist die Ausstellung Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 16.30 Uhr oder nach Absprache. Da es kurzzeitig zu Änderungen der Öffnungszeiten kommen kann, empfiehlt sich ein vorheriger Anruf unter Tel. 06172-5976057.
© Fotoquelle / Bildrechte: Moritz Dressel, Central Garage
Kommentare
T M schrieb: (11.08.2010)
zum Thema Ganz "Maikäfer" kann ich dieses Buch empfehlen, das leider bisher nur auf Niederländisch erschienen ist, aber die "Ganze" Geschichte erzählt:
http://www.ganz-volkswagen.org/
ISBN 9789085710912

TERMINE
| 12.02.2012 LOVE BUGS PARADE 2012 | |
| 17.02-18.02.2012 Aflenzer Winterclassic | |
| 02.03-04.03.2012 Antwerp Classic Salon 2012 | |
| 15.03-15.10.2012 42. Int. Zielfahrt nach Steyr | |
| 21.03-25.03.2012 Techno-Classica Essen 2012 | |
| 07.04.2012 51. Int. Oldtimer – Fahrzeug – und Teilemarkt |
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