Auch die Retro Classics (12.-14. März 2010) stromert: Die Messe widmet dem Elektroantrieb die Sonderschau „Vorwärts in die Vergangenheit – die elektrische Mobilität" und zeigt im Foyer des Eingangsbereichs Ost acht historische Elektroautos. Die Ausstellung bietet einen Überblick über Geschichte und Zukunft des Elektroantriebs.

Strom statt Sprit: Elektroautos auf der Retro Classics
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 09. März 2010
Derzeit gibt es einen regelrechten Hype um Elektroautos – der Genfer Automobilsalon war der beste Beweis dafür. Dass Elektrische Mobilität nicht Neues ist, zeigt ein Blick in die Historie. Die Ausstellungen bei der Retromobile in Paris und „The electric Avenue“ der Klassikwelt Bodensee haben das schon im letzten Jahr deutlich gezeigt. Einer der Vorreiter ist das Museum Autovision in Altlußheim, die seit acht Jahren eine spannende Abteilung „Elektrofahrzeuge“ mit historischen Fahrzeugen präsentieren.
Bereits in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts experimentierten Wissenschaftler und Konstrukteure mit Elektromotoren und Batterien. 1881 stellte Gustave Trouvé auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung ein dreirädriges Automobil vor. 1882 folgte der „Elektromote" von Werner Siemens, ein elektrisch angetriebener Kutschenwagen – und der erste Oberleitungsbus der Welt. 1900 war auf der Weltausstellung in Paris der so genannte „Lohner-Porsche" zu bestaunen, ein getriebefreier Elektrowagen mit Radnabenmotoren an den Vorderrädern mit jeweils 2,5 PS Leistung. Sein Konstrukteur: Ferdinand Porsche.
| Lohner-Porsche Rennwagen, auf dem Beifahrersitz Ferdinand Porsche, 1900. |
In der Zeit um 1900 war der Dampfmotor mit 40% Marktanteil die Nummer eins im Auto. Darauf folgte mit 38% der Elektromotor. Der damals noch als hoch unzuverlässig geltende Benzinmotor bildete mit 22% Marktanteil weltweit das Schlusslicht. Erst fünf Jahre später erlangte der bis heute favorisierte Verbrennungsmotor mit 51% Marktanteil die absolute Mehrheit.
Auch die Leistungen der frühen Stromkisten konnten sich durchaus sehen lassen: So erreichte der belgische Rennfahrer und Konstrukteur Camille Jenatzy 1899 mit 105,88 km/h als erster Mensch eine Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern. Dieses Rekordfahrzeug „Jamais Contente“, wegen seines Aussehens auch Rennzigarre oder Raketenwagen genannt, kommt aus dem Museum Autovision nach Stuttgart, ebenso wie der General Motors EV 1 von 1996.
Insgesamt 1.117 Fahrzeuge bauten die Amerikaner von diesem Elektrofahrzeug mit seinen spektakulär geltenden Fahrleistungen. Jedoch wurden 1999 über Nacht alle Leasingverträge mit den EV1-Besitzern gekündigt und kurz darauf alle Fahrzeuge zerstört. Nur drei Fahrzeuge blieben von der GM-Verschrottungsaktion verschont. Diese Rückholaktion führte zu großer Empörung und wurde in dem Hollywood-Film „Who killed the electric car“ thematisiert.
Knapp 13.000 Fahrzeuge Detroit Electric wurden zwischen 1907 und 1939 produziert, vielen Walt Disney-Lesern auch als Auto von Oma Duck bekannt. In USA war der Wagen besonders populär, da er nicht angekurbelt werden musste und damit komfortabler war. So fuhr nicht nur Thomas A. Edison einen Detroit Electric, sondern auch Henry Fords Ehefrau Clara. Die Wagen hatten eine Reichweite von über 120 Kilometern, und die Höchstgeschwindigkeit von 20 Meilen pro Stunde sahen die meisten als ausreichend für den Stadtverkehr an. Leihgeber des in Stuttgart ausgestellten Detroit Electric Brougham aus dem Jahre 1930 ist das Automuseum Melle bei Osnabrück
| An der Steckdose: Detroit Electric beim Aufladen, 1919. |
© Fotoquelle / Bildrechte: Museum Autovision, Porsche, Detlef Krehl, National Museum of American History
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TERMINE
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