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Nachbau: Das erste Elektroauto von 1881
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 15. November 2011
Schon seit langem hat sich das Museum Autovision in Altlußheim der Historie der Elektroautos verschrieben. In der Ausstellung waren bisher Elektrofahrzeuge ab dem Jahre 1899 zu sehen. Nun hat das Museum das erste Elektroauto der Welt nachgebaut: das Ayrton & Perry Dreirad von 1881. Es willl damit zeigen, dass schon vor der Erfindung von Carl Benz Elektromobilität ein Thema war.
Ayrton & Perry Dreirad von 1881 ElektroautoAyrton & Perry Dreirad von 1881 Elektroauto
Ayrton & Perry Dreirad von 1881: das erste straßentaugliche Elektroauto der Welt als voll funktionsfähige Rekonstruktion des Museum Autovision.
Zunächst recherchierten die Museumsfachleute, welches Fahrzeug eigentlich als erstes Elektroauto der Welt gilt. Da gab es bereits im Sommer 1881 einen Versuch des Franzosen Gustav Trouvé, der extra für die damals erstmalig stattfindende Elektrizitätsmesse in Paris ein Coventry-Tricycle (Fahrrad mit drittem Stützrad) mit einem Elektromotor bestückte. Allerdings war die Batterietechnik mitsamt der Geschwindigkeitsregelung bei diesem Gefährt eher belustigend als straßentauglich. Über Seilzüge wurden die Bleiplatten in die Säure der offenen Batterien getaucht. Je nach Tauchtiefe wurde das Dreirad, mit etwas Glück, schneller oder langsamer.
Ayrton & Perry Dreirad von 1881 Elektroauto
Die einzigen zwei noch existierenden Kupferstiche des Ayrton & Perry.
Einige Monate später präsentierten die beiden Wissenschaftler William Ayrton und John Perry in England einen Elektrowagen, der als erstes straßentaugliches Elektroauto der Welt in die Geschichte eingehen sollte. Ayrton & Perry präsentierten ihr Fahrzeug damals wahrscheinlich weniger als erstes Elektroauto der Welt, obwohl es schon eine Reichweite von immerhin 40 Kilometern und eine Geschwindigkeit von bis zu 14 km/h erreichte.
Ayrton & Perry Dreirad von 1881 Elektroauto
Ampere-Meter und Beleuchtung
Vielmehr diente es als mobiler Werbeträger zur Vorstellung neuester Erfindungen aus der Elektrowelt auf den Elektrizitätsmessen der europäischen Metropolen. Gerade von den beiden Engländern neu konstruierte elektrische Messgeräte, ein Voltmeter und ein Ammeter (= Ampere-Meter), aber auch Edisons Glühlampen, die ein Jahr zuvor patentiert wurden und erst jetzt für eine Dauerbeleuchtung taugten, machten das Elektro-Tricycle somit zu einem echten „High Tech Mobil“.
Ayrton & Perry Dreirad von 1881 Elektroauto
Geschwindigkeitsregelung durch Zellenschalter, oben die Signalglocke.
Genau dieses Fahrzeug nahmen Museumschef Horst Schultz und sein gut eingespieltes Werkstatt-Team ins Visier. Überlebt hat offensichtlich kein einziges mehr. Also sollte der Ayrton & Perry fahrbereit nachgebaut werden. Etwa ein Jahr recherchierte und konstruierte man unter der Leitung von Horst Schultz im Museum Autovision, bis das erste Elektroauto der Welt neu zum Leben erweckt wurde.
Ebenso wie der immerhin fünf Jahre jüngere Patent-Motorwagen von Carl Benz hatte auch das Elektromobil von Ayrton & Perry drei Räder. Das liegt daran, dass sowohl Benz als auch die beiden Wissenschaftler damals bereits existierende dreirädrige Fahrräder, so genannte „Tricycles“ als Grundlage für ihr motorisiertes Vorhaben nahmen. Bei Ayrton & Perry war es ein seinerzeit neu auf den Markt gekommenes Starley Tricycle. Das wollten die Museumsleute auch. Doch schon die Suche nach einem 130 Jahre alten Tricycle war kein leichtes Unterfangen. Erst nach längerem fand Schultz tatsächlich genau das richtige Fahrzeug und konnte es dem Vorbesitzer abkaufen.
Starley Dreirad
Basisfahrzeug für das Elektrofahrzeug von Ayrton & Perry war ein Starley Dreirad mit Hinterrad-Lenkung.
Um diesem seltenen historischen und damit wertvollen Original die Motorisierung zum Elektromobil zu ersparen, hatte man schon bei der Planung des Projektes beschlossen, dieses erst einmal 1:1 nachzubauen. Auf dieser Basis konnte es dann auch schon an die „Elektrifizierung“ gehen.
Ayrton & Perry Dreirad von 1881 Elektroauto
Das kleine Hinterrad ist für die Richtungsänderung zuständig (rear-steering).
Der Elektromotor benötigte auch schon damals wenig Platz und hing unscheinbar auf der Unterseite einer Holzplatte, welche Unterlage eines bequemen Holzsessels mit Lederkissen sowie eines erstmals vorgestellten Zellenschalters zur Geschwindigkeitsregelung war. Auffälliger, und für das Werkstatt-Team weitaus schwieriger nachzubauen, war die große, festgelegte Rollenkette, welche die Kraft des Elektromotors auf die großen Vorderräder überträgt. Die Energielieferanten, in Serie angeordnete, wieder aufladbare Bleibatterien, sind auf einer zweiten Holzplatte etwas tiefer angebracht.
Ayrton & Perry Dreirad von 1881 ElektroautoAyrton & Perry Dreirad von 1881 Elektroauto
Der Elektromotor treibt über ein Vorgelege-Kettengetriebe eine festgelegte Rollenkette an (links), rechts die Zahnstangen-Lenkung.
Der fahrbereite Nachbau kann ab sofort bei Autovision in Altlußheim besichtigt werden – und sicherlich auch immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen in nächster Zeit.
Kategorie(n):
Museen
Oldtimer
© Fotoquelle / Bildrechte: Autovision
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