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Frisch restauriert: frühes DKW-Automobil
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 24. Januar 2012
Viele Jahre führte der DKW PS 600 von 1929 ein Schattendasein. Schon seit 20 Jahren befand sich der nicht ganz komplette Wagen aus der Anfangszeit des DKW-Automobilbaus im Besitz des August Horch Museums in Zwickau.
August Horch Museum DKW PS 600 von 1929
Die erste eigene Komplett-Restaurierung des August Horch Museums: der DKW PS 600 von 1929.
An eine Restaurierung dachte man aber zunächst nicht – es gab Dringlicheres. 2001, initiiert durch ein Restaurierungsprojekt der Audi AG und den Ankauf eines originalen Motors, boten sich günstige Voraussetzungen, auch in Zwickau ein Restaurierungs-Vorhaben in die Tat umzusetzen.
August Horch Museum DKW PS 600 von 1929
546 Stunden Restaurierungsleistung stecken in dem DKW.
Das Rigaer Motor Museum lieferte dazu eine neue Holz-Karosserie, und im Dezember 2007 begann in eigener Regie ein kompletter Neuaufbau. Bis zur Fertigstellung 2011 leisteten die Museumswerkstatt-Mitarbeiter Joachim Kimm und Tino Heimann 546 Stunden Eigenleistung. Rund 21.000 Euro entfielen auf Ankäufe und Fremdleistungen. Nicht unerwähnt bleiben soll die Unterstützung von J. S. Rasmussen, dem Enkel des Firmengründers, der kostenlos das Verdeckgestell, alle Räder und verschiedene Ersatzteile zur Verfügung stellte. Damit ist 20 Jahre nach dem Erwerb eines schrottreifen Fahrzeuges ein Kleinod entstanden, das als Meilenstein an die sportlichen Ambitionen der Marke DKW erinnert.
1928 war DKW die größte Motorradfabrik der Welt. Gründer Jörgen Skafte Rasmussen hatte aber auch vierrädrige Fahrzeuge im Sinn. Auf dem 1927 gepachteten Betriebsgelände der Deutschen Industriewerke AG in Berlin konnte, firmierend als „Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG – Werk Spandau“, sollten Autos gebaut werden . Und zwar nicht die bis dato produzierten Elektrowagen des ehemaligen Automobilherstellers Slaby-Beringer, sondern Autos mit Zweitaktmotor. Mit der Konstruktion betraute Rasmussen ab Anfang 1927 seinen Berliner Filialleiter Rudolf Slaby.
DKW P15 1928
Das erste DKW Automobil 1928: der DKW P15 mit 600 ccm Zweizylinder-Zweitaktmotor.
Angeregt von den Erfolgen des Motorrades PRe 500 erkannte er, dass der wassergekühlte Zweizylinder Zweitakt Motor das optimale Aggregat für die Verwirklichung seiner Automobilträume darstellte. Dem DEW Elektrowagen entlehnte Slaby die selbsttragende Holzbauweise. 600 ccm Hubraum ergaben eine Effektivleistung von 15 PS und damit die Typenbezeichnung DKW P 15.
Der mit sportlichen Intensionen 1928 von Dixi zu DKW übergesiedelte Ingenieur Gerhard Macher hatte die Idee, die im Motorradrennsport errungenen Erfolge auch dem Automobilbau zu erschließen. Bereits ein Jahr später erschienen auf der Basis des P 15 die ersten Sportzweisitzer, die als PS 600 mit höherer Verdichtung und 3 PS mehr Leistung eine Spitzengeschwindigkeit von 100 km/h erreichten. 2.750 Reichsmark kostete der Sportwagen als käufliches Straßenmodell.

Zwischen 1929 und 1933 errangen diese gefälligen Sportfahrzeuge in den sächsischen Landesfarben zahlreiche Klassensiege und Rekorde, sie dokumentierten die Leistungsfähigkeit der kleinen Motoren und trugen dazu bei, den DKW Automobilen ein Flair von Sportlichkeit zu verleihen. Bestückt mit Serien- oder Sportmotoren errangen die wendigen Zweisitzer unter Hans Simons, Walter Oestreicher und Otto Hilpoltsteiner Siege in Bad Pyrmont, Wiesbaden, beim Kesselberg- und Gabelbachrennen, am Schauinsland und auf dem Nürburgring. Freiherr von König-Fachsenfeld gelang 1930 in Monthlery sogar eine Rekordserie (12 Rekorde) im 24 Stunden Dauerbetrieb bei einem Schnitt von 91,5 km/h.
August Horch Museum DKW PS 600 von 1929
Nur rund 500 Exemplare des Roadsters mit Bootsheck entstanden zwischen 1929 und 1931.
Doch die Zukunft gehörte dem Frontantrieb. 1931 hatte DKW den richtungsweisenden F1 vorgestellt – und damit das Aus der P-Reihe besiegelt. Mit der 1932 vollzogenen Fusion zur Auto Union AG standen die DKW Rennwagen standen sowieso nicht mehr zur Disposition. Nach rund 2000 produzierten Einheiten des Typ P und 500 Exemplaren des Sportwagens PS 600 war die Ära der Spandauer DKW-Produktion beendet.
Kategorie(n):
Oldtimer
Museen
© Fotoquelle / Bildrechte: August Horch Museum
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