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Ein Wanderer und kein Anderer
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 13. Juli 2010
Das August Horch Museum in Zwickau zeigt seit 9. Juli 2010 eine neue Sonderausstellung zur 125jährigen Unternehmensgeschichte der Sächsischen Wanderer Werke. Zehn teils einmalige Exponate veranschaulichen die breite Wanderer-Modellpalette - von der ältesten Continental Schreibmaschine, über ein Hochrad von 1886 bis hin zum legendären Wanderer Puppchen.
August Horch Museum in Zwickau Sonderausstellung Wanderer
Die Sonderausstellung „Ein Wanderer und kein anderer!“ im August Horch Museum läuft bis Mitte Dezember 2010.
„Ein Wanderer und kein anderer!“, war eine Feststellung, bei der sich Hersteller und Autobesitzer einig waren, obwohl der Kraftwagen erst spät ins Geschäftsfeld der Wanderer-Werke gerückt war. Denn das vor 125 Jahren von Johann Winklhofer und Adolf Jaenicke gegründete Unternehmen begann seinen Weg zur Weltfirma auf zwei Rädern – als Chemnitzer Velociped-Depot. Überliefert ist, dass, da diese Bezeichnung vom französischen vélocipède = „Schnellfuß“ abstammt und man mit den damals neuartigen Rädern schneller war als zu Fuß, auch die Markenbezeichnung „Wanderer“ herrührt. In nur drei Jahrzehnten dehnte man das Geschäftsfeld von Fräsmaschinen über Motorräder, Continental Schreib- und Rechenmaschinen bis zum Automobil aus. Gleich das erste – als „Puppchen“ berühmt geworden – galt als zuverlässigster Kleinwagen seiner Zeit.
August Horch Museum in Zwickau Sonderausstellung Wanderer
Neben Zweirädern und Büromaschinen zeigt die Wanderer-Ausstellung auch fünf Automobile (links der W 8 Phaeton, rechts der W 25 K).
Ältestes Exponat ist ein Hochrad, deren Produktion ab 1885 begann. Für die effiziente Massenfertigung von Fahrrädern bedurfte eines entsprechenden Maschinenparks, wobei besonders die Universalfräsmaschine günstige Möglichkeiten bot, die teuere Handarbeit zu ersetzen. Das zweite Standbein, der Fräsmaschinenbau, entstand damit aus dem eigenen Bedarf heraus. 1904 begann die Schreibmaschinenproduktion. Das ausgestellte Exemplar mit der Seriennummer 51 ist das älteste bekannte und markiert den Beginn der Serienfertigung, gezeigt wird außerdem eine Addier- und Subtrahiermaschine von 1919.
Wanderer 2,7 PS Rennmaschine Motorrad 1924
Von 1902 bis 1929 baute Wanderer Motorräder.
Das erste Motorrad wurde 1902 gebaut. Die ausgestellte 3 PS-Wanderer von 1910 war zu seiner Zeit das fortschrittlichste und auch international bedeutendste Modell der Wanderer Werke. Ein Höhepunkt der Wanderer-Motorradentwicklung ist die 2,7 PS-Rennmaschine, auf der allein 1924 Privat- und Werksfahrer elf erste Preise erringen konnten. Nach einem Unfall bei der österreichischen TT zog sich Wanderer vom Rennsport zurück.
Wanderer W 3 Puppchen
Das Puppchen, hier ein W 3 von 1914, wurde bis 1926 gebaut.
Schon 1906 entstand mit dem Wanderermobil das erste Automobil. Es blieb allerdings vorerst bei diesem Prototyp, der seit 50 Jahren zum Bestand des Dresdner Verkehrsmuseums gehört. Die Produktion des ersten Serienwagens begann 1913. „Wir hatten einen ganz niedlichen, kleinen Wagen im Auge, kleiner als alle bisher gebauten Wagen, niedrig im Anschaffungspreis, sparsam im Benzin-, Gummi- und Ölverbrauch, anspruchslos im Platzbedarf, aber großen Wagen gleich an Schnelligkeit und im Nehmen von Steigungen“, schrieb Winklhofer später. In Anlehnung an den Operettenschlager „Puppchen, du bist mein Augenstern“ wurde das zierliche Auto vom Volksmund bald Puppchen genannt. Bis 1926 wurde der Kleinwagen gebaut – der ausgestellte Wanderer W 8 aus diesem Jahr leistete inzwischen 20 PS.
Wanderer W 11 Limousine
Wanderer W 11 Limousine
1927 zog der Wanderer Automobilbaus vom Stammwerk in Chemnitz-Schönau in das 1921 errichtete Werk im Chemnitzer Vorort Siegmar um. Dort begann die Produktion mit dem Sechszylindermodell, dem W 11. Bis September 1932 entstanden dort 13 verschiedene Karosserievarianten, gefertigt von 15 Karossiers. Wanderer selbst fertigte nur die Tourenwagenkarosserie und stellte 1929 den Karosseriebau gänzlich ein. Bis 1933 entstanden ca. 5.200 Exemplaren der Baureihe.
Ein Jahr zuvor war aus Wanderer, DKW, Horch und Audi die Auto Union entstanden. Der neue Vorstand beschloss ein abgestimmtes Programm für alle vier Marken, der auch sportliche Roadster einschloss Bei Wanderer entstand 1936 der W 25. Trotz seiner technischen Probleme, wozu auch das kompliziert zu schaltende Sportgetriebe gehörte, fand dieser elegante und rassige Wagen begeisterte Anhänger im In- und Ausland.
Wanderer W 25 K Roadster
Entwickelte mit Roots-Kompressor 85 PS: Wanderer W 25 K Roadster
Der Nachfolger mit neuem Motor sollte 1939 auf den Markt kommen, ein Ziel das nicht mehr zu verwirklichen war – der W 25 K verschwand in der Versenkung ohne einen Nachfolger.
Continental-Silenta-Schreibmaschine Wanderer
Silenta-Schreibmaschine
Die Wanderer AG dagegen konzentrierte sich erfolgreich auf die Produktion hochwertiger Werkzeugmaschinen, Schreibmaschinen, Rechenmaschinen, das zeigen Continental-Silenta-Schreibmaschine und Buchungsmaschine Modell 1301. Und auch Fahrräder gehörten weiterhin zum Produktionsprogramm. Das Radsportteam des Werkes konnte viele sportliche Erfolge erringen – Beispiel hierfür ist das Wanderer-Rennrad Modell 7 im typischen Wanderer-Grün von 1936.

Abgerundet wird das Ausstellungsspektrum durch Kleinexponate, wie beispielsweise eine Versandkiste, wie sie von 1920 bis 1935 typisch als Verpackungseinheit für den Büromaschinenverkauf im In- und Ausland eingesetzt wurde, oder ein Tabellenschieber von 1935, mittels derer Drehzahl und Vorschub beim Fräsen gebräuchlicher Werkstoffe ermittelt wurden.
© Fotoquelle / Bildrechte: August Horch Museum, Audi
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