Opel wird 150. 1862 hat Adam Opel mit Nähmaschinen angefangen, ab 1886 produzierte er auch Fahrräder. Mit dem Opel-Patentmotorwagen System Lutzmann begann 1899 der Aufstieg der Opel-Werke zum zeitweise größten europäischen Automobilhersteller. Diesem Jubiläum widmet die Central Garage in Bad Homburg ihre neue Ausstellung.

Ein Streifzug durch „150 Jahre Opel”
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 01. Februar 2012
Zum Auftakt entführt die Central Garage – sie befindet sich übrigens in der ehemaligen Bad Homburger Opel-Niederlassung! – auf einen Streifzug durch mehrere Jahrzehnte. Er beginnt mit dem legendären „Doktorwagen“, mit dem Opel 1909 der endgültige Durchbruch gelang. Der 4/8PS erhielt seinen Spitznamen, weil er besonders bei Landärzten beliebt war.
Als Opel 1935 den nach den bevorstehenden Olympischen Spielen benannten Olympia präsentierte, war das Werk in Rüsselsheim schon längst mit Fließbändern ausgestattet (ab 1924) und wegen der Weltwirtschaftskrise an den US-Hersteller General Motors verkauft worden (1929). Der Olympia war das erste deutsche Großserienauto, das eine selbsttragende Karosserie komplett aus Stahlblech hatte. In der Central Garage zu sehen ist eine Olympia Cabrio-Limousine von 1950, denn nach dem 2. Weltkrieg war die Produktion eines überarbeiteten Vorkriegsmodells aufgenommen worden.
Aus den 1930er Jahren stammt ein wahres Schätzchen: Ein, nein, der Opel Geländesportwagen Super 6 (1937), der als einziger von 15 Stück die Wirren des Krieges überlebte. Bis er entdeckt und restauriert wurde, diente der Wagen ab den 1950er Jahren auf der Wasserkuppe in der Rhön als Seilrückholwagen der Segelflugschule.
Imposante Massigkeit strahlt das 1938 gebaute, viertürige Werkscabrio des Admiral aus. Von 1937 bis zum Kriegsausbruch hatte Opel lediglich etwa 2.300 dieser Cabrios gebaut.
Auch der „Urgroßvater“ aller Kadetts ist in der Central Garage zu sehen: ein 1937er, der mit einem 23 PS starken 1,1 Liter-4-Zylinder-Motor ausgestattet ist. Seine Produktionsanlagen wurden nach dem Krieg als Reparationsleistung nach Russland gebracht. Dort entstand mit ihnen von 1947 bis 1954 der Moskwitsch.
In Deutschland lebte der Kadett ab 1962 im gerade neu eröffneten Werk Bochum als Kadett A wieder auf. Aus dieser langen Baureihe wird außerdem ein Kadett 1100 von 1971 gezeigt, der für verbesserte Sicherheitsvorkehrungen und technische Neuerungen steht, z. B. Sicherheitslenksäule, Zweikreisbremsanlage und Bremskraftverstärker.
Die 1960er und 1970er Jahre brachten eine weitere Blütezeit. Opel war nach VW der zweitgrößte deutsche Autohersteller. Aus dieser Zeit stammt der Mittelklasse-Wagen Rekord, der in der Ausstellung als zweifarbige Variante P1 (1960) steht. Das B-Modell von 1965 befindet sich im Originalzustand und in der inzwischen vierten Generation im Familienbesitz.
Mit dem Slogan „Nur fliegen ist schöner“ warben die Rüsselsheimer für den schnittigen Sportwagen GT mit seinen „Schlafaugen“, den Klappscheinwerfern. Das gelbe Exponat in der Central Garage wurde 1969 gebaut und brachte immerhin 155 km/h auf die Straße.
Und dann erst der Manta, hier ein orginalgetreuer von 1972! Ungemein sportlich sah das Coupé aus, brachte aber nicht ganz die Leistung, weshalb er oft getunt, verspoilert, tiefer gelegt und aufgemotzt wurde. So geriet der typische Manta-Fahrer zum Spottobjekt: Mit dem Fuchsschwanz an der Antenne und einer blonden Friseuse (durfte man damals noch sagen) auf dem Beifahrersitz ließ Manni Manta beim Fahren lässig den Ellenbogen aus dem geöffneten Seitenfenster ragen.
Auch im Motorsport war Opel stark vertreten. Als Beispiel zeigt die Central Garage einen 250 PS starken Ascona 400 Rallye – mit einem solchen Fahrzeug hatte Walter Röhrl1982 Weltmeister-Meriten erreicht. Den ausgestellten Wagen kaufte der Besitzer total zerlegt und in Kartons verpackt in der Schweiz. Eineinhalb Jahre brauchte er für Wiederaufbau und Aufarbeitung. In der abgedunkelten „Boxengasse“ des Museums – neben Peter Herbolds Geschäft „homburgmodell“ – stehen schön ins Licht gerückt zwei DTM-Boliden: ein Omega 3000, ein Trainingsauto mit 360 PS, sowie ein Calibra V6, den Manuel Reuter als DTM-Werkspilot ab 1993 maßgeblich mitentwickelte.
Auch Nutzfahrzeuge baute Opel, zum Beispiel den berühmten „Blitz“, mit dem Opel vor dem 2. Weltkrieg Deutschlands größter Lkw-Produzent wurde. Als Beispiel stellt das Museum einen zu einem Feuerwehrwagen umgebauten 1,5-Tonner von 1939 vor. Das Fahrzeug wurde vom Reichsluftfahrt-Ministerium in Frankfurt am Main eingesetzt, dann bei der Feuerwehr Bad Vilbel-Gronau und tat sogar noch von 1976 bis 1989 bei der Werksfeuerwehr von Medidenta Schramm & Co. in Oberursel seine Dienste.
Ebenso kommt die frühe Produktion von Fahrrädern (1886 bis 1937) und Motorrädern (1901 bis 1930) in der Ausstellung zu ihrem Recht, u. a. mit einer 1922 speziell für schnelle Zementbahnen gebauten Bahnrennmaschine, von der es nur zwei Exemplare gab. Und auch Opel-Kühlschränke können bewundert werden. Wer es sich im Wirtschaftswunder leisten konnte, kaufte sich einen „Frigidaire“. 1959 gab Opel die Fertigung dieser Haushaltsgeräte wieder auf.
Weitere Elemente, die interessante Einblicke in die Opel-Geschichte geben, sind eine von der Adam Opel AG gestaltete Ausstellung „Fotos des Augenblicks – Momentaufnahmen 1927-1939“ mit Bildern von Dr. Paul Wolff, eine Bilderwand mit mehr als zwei Dutzend unterschiedlicher Opel-Logos sowie digitale Foto-Frames mit Bilderabfolgen oder Videos zu den einzelnen Objekten.
Die Ausstellung wird das ganze Jahr 2012 gezeigt, doch für Abwechslung ist gesorgt: Die Themenbereiche werden wechseln und mit immer wieder neuen Exponaten bestückt. Der Eintritt zu der Ausstellung „150 Jahre Opel“ ist frei. Aber wie gewohnt bittet die Central Garage um Spenden, die wie immer einem sozialen Zweck zugute kommen.
Noch mehr Eindrücke gibt es in unserer Fotogalerie:
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© Fotoquelle / Bildrechte: Peter Feldmann, Central Garage

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