120.000 Landwirte fuhren im Wirtschaftswunder Porsche. Rot lackiert war er zumeist, verfügte über Ein-, Zwei-, Drei- oder Vier-Zylinder-Motoren und seine je nach Aggregat 12 bis 50 PS ersetzten Pferd und Ochsen. Porsche-Traktoren galten bei Bauern als technisch hochmodern und preisgünstig zugleich.
Die Porsche-Ausstellung „Vom Volkswagen zum Traumwagen“ in der Central Garage in Bad Homburg zeigt neben Sportwagen auch die Porsche-Schlepper Junior, Super und Master.
Nicht nur Sportwagen: Traktoren der Porsche-Ausstellung in der Central Garage.
Die ersten Prototypen mit luftgekühltem Zweizylindermotor konstruierte Ferdinand Porsche im Auftrag der Hitler-Regierung, die mit einem „Volksschlepper“ die Motorisierung in der Landwirtschaft ankurbeln wollte. Wegen des Krieges konnte das Projekt eines riesigen Volkstraktorenwerks nicht verwirklicht werden. Porsche baute auf den Typen 111 bis 113 auf, als er 1948/49 den Dieselschlepper Typ 313 entwickelte. Er besaß einen luftgekühlten 4-Takt-2-Zylinder-Dieselmotor, leistete 17 PS und war mit Zapfwelle, Riemenscheibe, Mähantrieb, Anhängervorrichtung sowie Hebeeinrichtung ausgestattet.
Der 1937/38 konstruierte Klein-Schlepper Typ 110 bildet die Basis für die nach dem Krieg produzierten Porsche-Diesel-Schlepper.
Der „313“ ging als erster Porsche-Traktor in die Serienproduktion. Dazu hatte sich Ferdinand Porsche den Familienbetrieb Allgaier im schwäbischen Uhingen als Partner ins Boot geholt. Der AP 17 (Allgaier-Porsche), wie der Schlepper nun hieß, kostete nur 4.500 Mark und verkaufte sich so gut, dass Erwin Allgaier als neue Produktionsstätte das ehemalige Dornier-Werk in Friedrichshafen am Bodensee erwarb. Das Unternehmen fertigte insgesamt rund 30.000 Porsche-Traktoren, darunter auch die Reihe A 111, A 122, A 133 und A 144, deren wesentliche Bauteile wie Kolben, Zylinder, Zylinderkopf und Lager untereinander austauschbar waren.
Porsche-Schlepper Standard am Schüttgut in Zell am See, um 1961.
1956 übernahm Mannesmann die Firma, gründete die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH Friedrichshafen und errichtete neue Werkshallen sowie eine neue Produktionsstraße für die Großserienfertigung. Jetzt war die Zeit des „Junior“ (1 Zyl.), „Standard“ (2 Zyl.), „Super“ (3 Zyl.) und etwas später des „Master“ (4 Zyl.) mit ihren verschiedenen Untertypen gekommen. Die Porsche-Schlepper stiegen in der Zulassungsstatistik von Platz 6 auf Platz 2. Dennoch kam schon Ende 1962 das Aus – trotz umfassender Modifizierungen der Modelle und trotz erheblicher Rationalisierungsbemühungen. Ausländische Anbieter drängten auf den Schlepper-Markt, bei gleichzeitigem Rückgang des Absatzes. 1963 lief der letzte Porsche-Traktor vom Band. Renault übernahm das Ersatzteillager, Daimler-Benz kaufte die Werksanlagen in Friedrichshafen.