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Mercedes Indy-Rennwagen von 1923 bei der Essen Motor Show
Autor/Redaktion: Hermann Ries · 22. November 2011
Vom 26. November bis 4. Dezember 2011 ist er als eines der Highlights der Indy-Sonderschau in Halle 1 der Essen Motor Show zu bewundern: Der Mercedes Zweiliter-Indy-Werkswagen von Christian Lautenschlager aus dem Jahr 1923.
Mercedes Zweiliter-Indy-Werkswagen von Christian Lautenschlager
Mercedes Zweiliter-Indy-Werkswagen von Christian Lautenschlager aus dem Jahr 1923.
Das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis ist das älteste Rundstreckenrennen der Welt. Am 30. Mai 1911 wurde das Motorsportspektakel zum ersten Mal gestartet. Auf dem Classic & Prestige Salon in der Essen Motor Show zeigt die S.I.H.A. einige Boliden aus der Historie des Indianapolis Motor Speedway – der übrigens nicht in Indianapolis liegt, sondern in der eigenständigen Stadt Speedway, die jedoch völlig von Indianapolis umschlossen ist.

Unter den ausgestellten Indy-Rennwagen, nimmt der Mercedes Zweiliter-Indianapolis-Rennwagen von 1923 eine Sonderrolle ein: Er ist einer der drei ersten Werkswagen der heutigen Daimler AG, die beim legendären Indy 500-Rennen starteten. Der heute in Privatbesitz befindliche Bolide aus der damaligen Werksmannschaft ist vollkommen originalgetreu erhalten und wurde von Christian Lautenschlager gefahren.
Mercedes- Rennwagen 2 Liter 4 Zylinder mit Kompressor, 1923.
Mercedes- Rennwagen 2 Liter 4 Zylinder mit Kompressor, 1923.
Der Werkseinsatz der damaligen Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) war indes nicht von großem Erfolg gekrönt: Bei dem Indy 500 Rennen am Mittwoch, den 30 Mai 1923, starteten die Mercedes-Werksfahrer Christian Werner (19.5.1892 - 17.6.1932) vom 15. Startplatz, Max Sailer (20.12.1882 - 5.2.1964) vom 20. Startplatz, und Christan Lautenschlager (13.4.1877 - 3.1.1954) ging von der 17. Position ins Rennen. Auf der schlüpfrigen Piste verunfallte Lautenschlager in der 14. von 200 Runden, wurde aber noch als 23. (von 24) gewertet. Seine Rennfahrer-Kollegen belegten die Plätze 8 (Sailer) und 11 (Werner).
Mercedes Werksmannschaft Indy 500 1923
Indianapolis-Rennen, 30. Mai 1923: Die Mercedes-Mannschaft.
Der Zweiliter-Indyrenner von Mercedes war der erste Kompressor-befeuerte Rennwagen auf dem Indianapolis Motor Speedway. Der Vierventiler-Motor des Wagens entstand auf der Basis des erfolgreichen Mercedes 10/40/65 PS Rennwagens. Bei ihm wurde zum ersten Mal die Kurbelwelle rollengelagert. Ebenfalls zum ersten Mal wurde ein Ölkühler verwendet. Dem Chassis wurde eine zusätzliche Steifigkeit dadurch verliehen, dass der Motor mit ihm fest verschraubt ist.
Lautenschlagers Rennwagen wurde später wieder instandgesetzt und bei mehreren Bergrennen eingesetzt.
Mercedes- Rennwagen 2 Liter 4 Zylinder mit Kompressor, 1923.
Mercedes Ex-Indianapolis-Rennwagen mit Otto Salzer am Steuer und Beifahrer August Grupp nach dem Sieg im Internationalen Prager Bergrennen, Königsaal-Jilowischt, 20. April 1924.
TECHNISCHE DATEN:
MOTOR:
Motortyp: M 7294
Arbeitsverfahren: Viertakt-Otto (mit Kompressor)
Hubraum: 1.989 ccm
Bohrung x Hub: 70 x 129 mm
Zylinderzahl / -anordnung: 4 / Reihe
Zylinder: Stahlblock mit aufgeschweißtem Stahlblech-Kühlmantel
Zylinderkopf: mit Zylindern verschweißt
Kurbelwelle: 3fach gelagert (Rollenlager), mehrteilige Kurbelwelle
Einlassventile: 2 pro Zylinder, schräg hängend, betätigt über Stößel
Auslassventile: 2 pro Zylinder, schräg hängend, betätigt über Stößel
Ventilsteuerung: 2 obenliegende Nockenwellen, Antrieb über Königswelle
Kühlung: Wasserumlaufkühlung über Kreiselpumpe
Schmierung: Druckumlaufschmierung über Zahnradpumpe und Frischölzugabe
Gemischbildung: 1 Druckvergaser / Roots-Kompressor
Kraftstoffförderung: Luft- und Zentrifugalpumpen
Verdichtungsverhältnis: 7,5:1
Zündkerzen: 1 pro Zylinder
Anlasser: Andrehkurbel
Zündverstellung: von Hand
Zündung: Hochspannungs-Magnetzündung
Zündanlage: Bosch Magnetzünder
Höchstleistung / Dauerleistung: 150 PS bei 4.800 /min mit Kompressor

CHASSIS/BREMSEN/RÄDER
Rahmenausführung: U-Profil-Preßstahlrahmen
Vorderachse: Starrachse mit Halbelliptikfedern, Reibungsstoßdämpfer
Hinterachse: Starrachse mit Underslung-Halbelliptikfedern, Reibungsstoßdämpfer
Kraftübertragung: über Kardanwelle auf die Hinterachse
Lenkung: Schraubenspindellenkung
Bremsanlage: mechanisch betätigte Bremsanlage
Bremsen vorn: Innenbacken-Trommelbremsen
Bremsen hinten: Innenbacken-Trommelbremsen
Fußbremse: auf Vorder- und Hinterräder wirkend
Handbremse: auf Hinterräder wirkend
Räder: Drahtspeichenräder mit Zentralverschluss, teils mit Blechscheiben verkleidet
Reifen: 4,5 x 29

GETRIEBE/HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT
Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe
Schaltung: Kulissenschaltung, innen rechts
Kupplung: Doppelkonuskupplung
Getriebeart: Zahnrad-Wechselgetriebe
Achsantriebsübersetzung: 3,5
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h

ABMESSUNGEN
Radstand: 2.655 mm
Spur vorn: 1.360 mm; Spur hinten: 1.390 mm
Länge: 3.990 mm; Breite: 1.560 mm; Höhe: 1.160 mm
Kategorie(n):
Motorsport
Events
© Fotoquelle / Bildrechte: Daimler AG, Archiv S.I.H.A.
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