| Zum 90. Geburtstag von Eugen Böhringer (3. v. l.) kamen alle seine früheren Rennfahrer Kollegen/Kolleginnen. |

Eugen Böhringer zum 90. Geburtstag
Autor/Redaktion: Hermann Ries · 23. Januar 2012
Zum 90. Geburtstag von Renn-Haudegen Eugen Böhringer gab das Mercedes-Benz Museum am gestrigen Sonntag, den 22. Januar 2012, einen großen Empfang – und bat seine früheren Rennfahrer-Kollegen, ihm die Ehre ihres Geburtstags-Besuchs zu erweisen. Die Folge: Die komplette alte Garde der Mercedes-Benz Rennfahrer, die mit und gegen Eugen Böhringer auf Stern-Rennwagen um Lorbeeren kämpfte, erschien, um ihrem „Eigehn“ – so die schwäbisch-korrekte Aussprache – ihre Aufwartung zu machen: Ewy Baronin von Korff-Rosqvist reiste gar aus Schweden an. Die anderen Mitstreiter des knorrigen schwäbischen Kochs und Hoteliers, der in den 1950er- und 1960er-Jahren als „Fangio der Mercedes-Benz Tourenwagen“ Furore machte, hatten keine derart lange Anfahrt – sie sind fast ausnahmslos ihrer schwäbischen Heimat treu geblieben – wie etwa Dieter Glemser, Hans Herrmann, Eberhard Mahle, Herbert Linge, Klaus Kaiser und Dr. Peter Lang.
Michael Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic und Geschäftsführer des Mercedes-Benz Museums, ließ in einer kurzen und bündigen Ansprache die Erfolge von Eugen Böhringer und seinen prägenden Einsatz für die Marke mit dem Stern Revue passieren. In seiner kurzen Antwort sagte der sichtlich gerührte Jubilar in bestem Schwäbisch: „Der Daimler Vorstand hat uns damals gsagt: Passet auf euch auf – und kommet gsund hoim – aber ihr dürfet auch gwinne...“ Typisch für Böhringer, der nach mehreren schweren Beinoperationen im Rollstuhl erschien. Typisch auch die vielen Anekdoten, die den verschmitzten Schwaben als hellwachen Fuchs auf Renn- und Rallyestrecken charakterisieren. So auch die Anekdote, wie er nach einem mehrfachen Überschlag beim Großen Straßenpreis für Tourenwagen in Argentinien 1963, über 4624 km mit Vollgas über Rüttelpisten, eine findige Ausrede fand: Grund für den spektakulären Abflug war einfach, dass „der Eigehn“ zu schnell in eine Rechts-Links-Kombination stach und den 300 SE nicht fangen konnte.
| Gute Ausrede: Ein Vogel - so erzählte Böhringer - sei schuld am siebenfachen Überschlag beim Großen Straßenpreis für Tourenwagen in Argentinien gewesen. |
Der Wagen landete auf den Rädern, und Böhringer setzte mit seinem Beifahrer Klaus Kaiser das Rennen fort. Als wenig später durch die zerborstene Windschutzscheibe zufällig ein Vogel im Innenraum des Autos einschlug und verendete, beschlossen die beiden, den Unfall als Folge der Kollision mit dem Federvieh darzustellen. Trotz Überschlag: Böhringer und Kaiser heizten unverdrossen weiter und gewannen das brutale Straßenrennen. Erst bei seinem 70. Geburtstag – also vor 20 Jahren – erzählten Böhringer und Kaiser die Wahrheit. Heute bei seiner Geburtstagsfeier machte die Anekdote wieder die Runde.
| Trotz mehrfachem Überschlag: Böhringer heizte in seinem 300 SE munter weiter und gewann den Großen Straßenpreis für Tourenwagen in Argentinien 1963. |
Trotz seines hohen Alters und den vielen schmerzhaften Operationen an seinen Beinen hat Böhringer, der sich an viele Details seiner Rennfahrer-Karriere haargenau erinnert, seinen trockenen und ursprünglichen Humor nicht verloren. Im Gespräch mit dem Autor, der sich nach seinem Befinden erkundigte, meinte der wackere Schwabe nur trocken: „Jetzt habet sie mir sieben Mal den Fiaß operiert und I hab an langen Nagel im rechda Fuaß. Als I mi beschwära wollt, dass des rechde Fuaßgelenk steif bleibt, und I nimmer richtig Gas geben könnt, hat der Arzt gsagt, es sei halb so schlimm – das Gelenk sei in Vollgasstellung versteift...“. So kann Böhringer zwar nicht mehr mit seinem roten 300 SL Roadster durch’s Schwabenland brausen – aber seinen Smart fährt er immer noch zügig, kontrolliert und sicher durch Stuttgart.
| Zur Feier seines 90. Geburtstags erschien Eugen Böhringer im Rollstuhl - aber dennoch fit und gut gelaunt. |
Für diejenigen unter den meinklassiker.com-Lesern und Leserinnen, denen Eugen Böhringer kein Begriff ist, bringen wir in den nächsten Tagen eine ausführliche Böhringer-Story.
| Eugen Böhringer (rechts) wie er leibt und lebt: 1963 bei der Siegesfeier nach dem Großen Straßenpreis von Argentinien 1963. |
© Fotoquelle / Bildrechte: Daimler AG; Hermann Ries

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