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Zum 150. Geburtstag von Johann Baptist Winklhofer
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 22. Juni 2009
Johann Baptist Winklhofer
Johann Baptist Winklhofer, um 1900
Vom Betreiber eines kleinen Fahrrad-Depots zum Gründer der Wanderer-Werke: vor 150 Jahren, am 23. Juni 1859, wurde Johann Baptist Winklhofer in München geboren.

Der Sohn eines Bierbrauers absolvierte eine Lehre als Mechaniker und setzte sich damit gegen seine Eltern durch, die für ihn eine Metzgerlehre im Sinn hatten. Schon früh faszinierten ihn die damals in Mode gekommenen Hochräder. Beim Militärbüchsenmacher Willner in Ingolstadt baute sich der 22jährige sein erstes Fahrrad zusammen; aus lauter Einzelteilen – für ein Fertigrad reicht sein Geld einfach nicht. Ein Jahr später fand er auch den für ihn richtigen Job bei Schad in München: ab 1883 war er als Reisevertreter für die englischen Hochräder der Marke Rudge unterwegs.
Wanderer Fahrräder Annonce
Wanderer Annonce, 1898.
So lernte er seinen späteren Teilhaber Richard Adolf Jaenicke, einen Maschinenbauer, in Chemnitzkennen, mit dem er am 15. Februar 1885 die „Chemnitzer Velociped-Depôt Winklhofer & Jaenicke“ zum Verkauf und zur Reparatur von Fahrrädern in Chemnitz gründete. Bereits ein Jahr später nahmen die beiden dort die Fertigung eigener Fahrräder auf, die unter dem Markennamen 'Wanderer' vertrieben wurden.
Wanderer-Werke Schönau Chemnitz
Die Wanderer-Werke in Schönau/Chemnitz, um 1920.
Mit großem Erfolg: bald gab es ungewöhnlich lange Lieferfristen. Und das, obgleich ein Fahrrad, Preis zwischen 200 und 300 Mark, mehr als das Doppelte eines Arbeiter-Monatslohns kostete. Schon 1894 bauten Winklhofer und Jaenicke im Chemnitzer Vorort Schönau eine Fabrik auf einem 19.000m² großen Areal – inklusive einem Doppelhaus für sich selbst.
Nach Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft im Jahre 1896 (Wanderer Fahrradwerke AG) war Winklhofer seit 1. Oktober 1897 alleiniger Vorstand. Um die Jahrhundertwende war Wanderer zu einem bedeutenden Unternehmen auf dem Fahrradmarkt geworden, 1902 entstand das erste Motorrad, drei Jahre später der erste Autoprototyp. Mit der Vorstellung des 5/12 PS Typ W1 1911 auf dem Berliner Automobilsalon 1911 gelang der Sprung zum Automobilhersteller: Das „Puppchen“ genannte Fahrzeug fand auf Anhieb Gefallen beim Publikum. Insgesamt 9.000 Fahrzeuge liefen bis 1926 verließen das Chemnitzer Werk.
Wanderer W3 Puppchen
Das Puppchen: Wanderer W3 mit 12 PS, 1914.
„Wir hatten einen ganz niedlichen, kleinen Wagen im Auge, kleiner als alle bisher gebauten Wagen, niedrig im Anschaffungspreis, sparsam im Benzin-, Gummi- und Ölverbrauch, anspruchslos im Platzbedarf, aber großen Wagen gleich an Schnelligkeit und im Nehmen von Steigungen“, schrieb Winklhofer später über das Puppchen.
Wanderer Continental Schreibmaschine
War jahrzehntelang in allen Büros zu finden: die Continental-Schreibmaschine.
Daneben war Winklhofer auch Pionier in der Büromaschinenfabrikation: Die 1903 vollständig neu entwickelte Continental-Schreibmaschine war die erste Schreibmaschine, die sichtbar schrieb und einen Typenhebel besaß.

1902 wechselte Winklhofer, gerade mal 42 Jahre alt, vom Vorstand in den Aufsichtsrat und wurde Technischer Berater. Diese Funktion behielt er bis 1929 bei. 1916 gründete er in München ein weiteres Unternehmen, in dem in einer stillgelegten Fabrik zunächst Munition, später dann Antriebsketten für Maschinen und Kraftfahrzeuge hergestellt wurden. Diese wurden unter der Markenbezeichnung IWIS bekannt, eine Abkürzung des Namens Johann Winklhofer Söhne.
Johann Baptist Winklhofer
Johann Baptist Winklhofer (1859-1949).
1933 gab Winklhofer die Geschäftsleitung an seine Söhne ab. Im Alter von fast 90 Jahren, am 28. März 1949 verstarb in Landsberg am Lech der inzwischen zum Kgl. Bayr. Kommerzienrat ernannte Gründer der Wanderer-Werke.

Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits keine Wanderer-Autos mehr hergestellt. 1932 war die Kraftfahrzeugsparte der Chemnitzer zusammen mit Audi, DKW und Horch in der Auto Union AG aufgegangen. Fahrräder, Büro- und Werkzeugmaschinen wurden zwar weiter produziert, doch Wanderer-Automobile hatten nun nichts mehr mit den Wanderer-Werken zu tun. Nach dem Krieg in München neugegründet, wurden ab 1949 wieder Fahrräder hergestellt – doch bereits im Jahre 1956 die Produktion wieder eingestellt.
Kategorie(n):
Menschen
Oldtimer
© Fotoquelle / Bildrechte: Audi, Wikimedia, Hannes Grobe, Bundesarchiv
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