Die Rallye Triest-Wien zeichnet sich einerseits durch die reizvolle Verbindung der österreichischen Bundeshauptstadt mit der Adriaküste aus. Das zweite Besondere ist die Vereinigung zweier Klassen unter einem Dach: einerseits der Regularity-Klasse, wo auf Sonderprüfungen nach vorgegebener Schnittgeschwindigkeit gefahren wird, und der FIA-Race-Klasse andererseits, wo FIA-zugelassene Oldtimer auf gesperrten Strecken Vollgas geben können.

Wie man die richtige Strecke findet
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 14. August 2009
Unzählige Gespräche mit diversen Behörden in den einzelnen Ländern haben beide im Vorfeld geführt. Gerhard Leeb hat damit schon vor über einem Jahr angefangen – der Amtsschimmel hat eben nicht all zu viele PS. Denn für die FIA-Race-Klasse müssen die – übrigens ausschließlich asphaltierten - Straßen für den allgemeinen Verkehr gesperrt werden, damit die Teilnehmer sich voll auf die Strecke konzentrieren können. Der öffentliche Busverkehr oder auch Milchtransporte dürfen aber nicht behindert werden – so muss Leeb gegebenenfalls im Vorfeld Absprachen treffen, dass diese Fahrzeuge umgeleitet werden.
Das bedeutet: es muss von Etappenstart zu Etappenziel jeweils eine Strecke gefunden werden, die für die beiden verschiedene Klassen mit ihren vollkommen unterschiedlichen Bedürfnissen geeignet ist. Bei der Wien-Triest sind dafür zwei Personen zuständig: Gerhard Leeb ist Rennleiter der FIA-Race-Klasse, für die Regularity-Klasse ist Karl Eder zuständig.
Das kostet viel Zeit – vor allem, wenn neue Streckenführungen in die Rallye mit aufgenommen werden. Dann muss der Kärntner neue Kontakte zu Gemeinden und Behörden knüpfen. Zu dem Einholen der einzelnen Genehmigungen und der Absprache aller Beteiligten gehört auch, die Anrainer entsprechend zu informieren, wie sie sich zu verhalten haben: Zujubeln ist wunderbar, aber die Sicherheitsbestimmungen müssen auch von ihnen eingehalten. Da muss Leeb immer wieder viel Überzeugungsarbeit leisten.
| Für die FIA-Race-Klasse müssen die Straßen für den allgemeinen Verkehr gesperrt werden |
Leebs großes Plus ist seine die jahrelange Erfahrung in der Österreichischen Rallyestaatsmeisterschaft, von wo er einige Sonderprüfungen in die Streckenführung der Triest-Wien-Rallye einbinden konnte. Und dafür bekommt er auch immer wieder Komplimente. So meinte Walter Röhrl zur 14 Kilometer langen Strecke St. Gertraud-Vorderlimberg-Theissenegg im letzten Jahr: „Hier fängt Rallyefahren wieder an!“.
In diesem Jahr konnte Leeb ein neues Highlight organisieren: Durch seine guten Kontakte zum Slowenischen Verband gibt es bei der Wien-Triest 2009 eine legendäre Sonderprüfung der Saturnus Rallye (ehemals Europameisterschaft), und zwar die rund 18 Kilometer lange Strecke in Idrija.
Und dann muss Leeb auf noch etwas achten: dass für alle Fahrzeuge das Passende dabei ist. Bei gutem Wetter sind Fahrzeuge mit mehr PS die Nase vorn, aber bei nassen Verhältnissen haben schwächere Fahrzeuge wiederum Vorteile.
Das bedenkt auch Streckenmeister Karl Eder bei seiner Auswahl der wunderschönen Strecken und abwechslungsreichen Sonderprüfungen in der Regularity-Klasse. Sein Rezept: ein guter Mix aus Nebenstraßen, kurvenreichen Bergstraßen und eher flotten Rollstrecken. Bei einer Streckenführung nur auf schmalen Nebenstraßen wären die Teams wahrscheinlich schon zu Mittag geschafft – mit alten Autos zu fahren ist unter Umständen Schwerstarbeit. Aber nur auf Hauptrouten zu fahren wäre eine äußerst langweilige Angelegenheit. Eder nennt diesen Mix augenzwinkernd „Streckenführung by viamichelin ohne mautpflichtige Straßen“.
Das schafft auch den Ausgleich zwischen den sehr unterschiedlichen Fahrzeugen im Starterfeld, vom Puch 500 mit 18 PS bis zum Jaguar E mit 265 PS. Auf kleinen, kurvenreichen Straßen, wo der Jaguar Mühe hat seine lange Schnauze um die Kurven zu bringen, können kleine, wendige Fahrzeuge einen Vorsprung herausfahren. Bei den Rollstrecken sind die Fahrzeuge mit hoher Motorleistung im Vorteil.
Auf ganz altmodische Weise sucht Eder die Strecke aus: mit guten Straßenkarten. Denn die schönsten Straßen oder Streckenkombinationen folgen seines Erachtens keinen logischen Richtlinien eines elektronischen Routenplaners - ganz im Gegenteil, meint Eder: „ Mit manchen ‚geheimen’ Straßen kann man den Computer fast in den Wahnsinn treiben.“ Dabei gibt es auch immer wieder Überraschungen, vor allem in Slowenien. Selbst Bundesstraßen sind hier teilweise geschottert, die Nebenstraßen oft planierte Geröllhalden – von Besitzern frisch restaurierter Oldtimer nicht gerade erwünscht. Da muss dann an Ort und Stelle eine Ausweichroute gefunden werden.
| Keine einfache Aufgabe, vor allem in Slowenien: Asphaltierte Nebenstraßen zu finden. |
Wenn die Strecke steht, wird das Ganze noch einmal abgefahren und exakt kilometriert. Besonders in den Sonderprüfungen – hier müssen die Teilnehmer eine exakt definierte Geschwindigkeit fahren – wird auf den Meter genau gearbeitet. Das fertige Roadbook für die 900 km lange Strecke hat rund 1.000 Positionen: von harmlosen Ortschildern bis zu Kreuzungen „mitten im Wald“, nach Möglichkeit noch ohne jeglichen Wegweiser – steht da nicht vielleicht eine Kapelle oder sonst was Auffälliges, das man symbolisch einfließen lassen kann? Und bevor das Werk in die Druckerei geht, wird es noch einmal abgefahren – viele tausend Kilometer kommen für Eder so zusammen.
| Auch daran muss gedacht werden: genügend Parkplätze für die Pausen. |
Eders Streckenführungen sind bekannt für die Kombination unterschiedlichster Landschaften, die jede ihren besonderen Reiz ausüben. So auch bei der Wien-Triest 2009: Die Meeresküste zu Beginn, die eher sanften Hügellandschaften in Slowenien oder der Oststeiermark, markante Gebirgslandschaften in den Karawanken, alte Industriegebiete entlang der Täler in der Steiermark, Tourismusgebiete voller Leben genauso wie so manches fast verlassenes Dorf in einsamen Wäldern und zum Endspurt die Ebene mit langen Alleen bei der Fahrt nach Wien.
| Zur reizvollen Strecke gehören auch kleinere Dörfer. |
Kompromisse sind gefragt, sagen sowohl Leeb als auch Eder. Und: jedem recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Aber mit ihrer jahrelangen Erfahrung und ihrem Engagement sind die beiden Mittfünfziger schon ziemlich nah dran. Wer’s überprüfen möchte: einige wenige Plätze sind noch frei...
© Fotoquelle / Bildrechte: OCC Events, Michael Alschner

TERMINE
| 05.02.2012 Classic-Stammtisch | |
| 09.02-12.02.2012 18. AvD-Histo-Monte | |
| 12.02.2012 LOVE BUGS PARADE 2012 | |
| 17.02-18.02.2012 Aflenzer Winterclassic | |
| 02.03-04.03.2012 Antwerp Classic Salon 2012 | |
| 15.03-15.10.2012 42. Int. Zielfahrt nach Steyr |
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