Sie war die treibende Kraft hinter der Erfindung des Automobils: Bertha Benz. „Carl Benz wäre ohne Bertha aufgeschmissen gewesen,“ sagt Angela Elis. Die Autorin hat gerade ein Buch über die Lebensgeschichte der wagemutigen Frau und ihres Mannes vorgelegt.
Vorgestellt wurde das Buch am 11. März 2010 im Mercedes-Benz Museum, seit kurzem ist es auch im Buchhandel erhältlich. Ausführlich und lebendig erzählt Elis, die sich als TV-Moderatorin einen Namen gemacht hat, die Geschichte der beiden Autopioniere. Zwei Jahre hat sie für ihr Buch recherchiert. Dennoch blieben Lücken, vieles ist nicht schriftlich festgehalten. Aus diesem Grund wählte Elis die Form einer Romanbiografie und beschreibt, wie es hätte sein können: „Ich versuche, auf Grundlage der Fakten sehr plausibel und möglichst authentisch zu fantasieren.“

Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 20. März 2010
Das tut die Autorin in manchmal etwas theatralischer Sprache. „Sie schreit, sie weint, sie ist außer sich, und immer kreischt sie: „Carl, mein Carl, erinnere dich, ich habe es dir immer gesagt: Mein Traum ist länger als die Nacht! Ich liebe dich.“ So beschreibt Elis den 3. Mai 1885, als Bertha an ihrem Geburtstag die erste Probefahrt mit dem Dreirad macht. Ob es dieses Geburtstagsgeschenk von Carl tatsächlich gegeben hat, ist nicht überliefert.
Einige andere Situationen beschreibt Elis entgegen bisheriger Geschichtsschreibung. So lässt sie der Fahrt nach Pforzheim 1888 einen Gespräch vorausgehen, in dem Bertha die Pioniertat vorab mit Carl abspricht. Faktische Hinweise für einen solchen Dialog gibt es nicht – im Gegenteil. Nicht nur in seiner Autobiographie von 1925 behauptete Carl Benz, er habe davon nichts gewusst, auch die Söhne und Bertha Benz selbst haben das immer wieder verneint. Dennoch hält Elis „es für absolut unwahrscheinlich, dass Bertha Benz das heimlich gemacht hat.“ Die Romanform erlaubt der Autorin auch weitere Freiheiten, wie ein Zusammentreffen zwischen Gottlieb Daimler und Carl Benz. das es nach Aussagen von Carl wie auch von Bertha Benz nie gegeben hat.
| Leere Haushaltskasse: Bertha Benz und ihre vier Kinder, 1883. |
Dafür gibt der Roman einen tiefen Einblick in die Pionierzeit des Automobils und vor allem in die Beziehung eines Paares, das fest zueinandersteht und gemeinsam an der Verwirklichung der Vision eines selbstfahrenden Wagens arbeitet. So ist das Buch auch die Geschichte einer Liebe, in der Träume stärker sind als die Realität und die auch große finanzielle Probleme übersteht. Denn es dauerte fast 20 Jahre, bis der Motorwagen rollte, und noch länger, bis das neue Produkt auch Geld in die Haushaltkasse spülte – und das bei fünf Kindern. Einer breiten Öffentlichkeit zu veranschaulichen, welch bedeutenden Platz Bertha Benz in der Entwicklungsgeschichte des Automobils einnimmt – das ist der Verdienst dieses Buches.
Die bibliographischen Angaben:
Angela Elis: Mein Traum ist länger als die Nacht. Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr. Hamburg: Hoffmann und Campe 2010, 320 S., Abb., ISBN 978-3-455-50146-9.
21,- Euro [D] / 21,60 Euro [A] / 36,90 sFr.
Angela Elis: Mein Traum ist länger als die Nacht. Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr. Hamburg: Hoffmann und Campe 2010, 320 S., Abb., ISBN 978-3-455-50146-9.
21,- Euro [D] / 21,60 Euro [A] / 36,90 sFr.
© Fotoquelle / Bildrechte: Daimler AG, Hoffmann und Campe

TERMINE
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