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Urgestein der Oldtimer-Szene: Halwart Schrader wird 75
Autor/Redaktion: Eckhart Bartels · 23. Februar 2010
Halwart Schrader
Halwart Schrader: Alles Gute zum 75.!
Wer sich 1954 ein Auto von 1938 kauft, muss kein Oldtimerfreund sein. „Oldtimer“? Damals nennt man alte Automobile „Veteranen“. Aber nur Marken, die schon als Neuwagen nur für Wenige bezahlbar waren. Und für Halwart Schrader, gerade erst 19 Jahre jung, schon gar nicht. Er ist weder Teen noch Twen, er ist schlicht ein „Halbwüchsiger“ oder für ängstliche Zeitgenossen mehr ein „Halbstarker“. Doch Halwart will erst einmal die Meisterschule für das Kunsthandwerk in West-Berlin besuchen. Dafür braucht er ein billiges Studentenauto.
Opel P4
Das erste Auto: ein Opel P4 von 1938.
Für stolze 150 Mark findet er einen arg verbrauchten Opel P4, den die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verschont hatten. Der historische Opel wird zugleich der Grundstein für seine spätere Beziehung zu alten Autos. Mit Opel P4 und DKW Meisterklasse werden bis 1959 viele Kilometer und automobile Erfahrungen gesammelt.
twen Jugendzeitschrift
Mitte der 1960er war Schrader bei twen für die Autothemen zuständig.
Als Werbeassistent beim Spiegel Verlag in Hamburg kommt Halwart Schrader dem Journalistenberuf sehr nahe. 1960 ist er Mitgründer einer Werbeagentur und wird zeitgleich Chefredakteur der Auto Union- und späteren Audi-Kundenzeitschriften. Als Trendsetter für die heutige Oldtimer-Szene zeigt sich Schrader schon ab 1964: Er ist Automobil-Redakteur beim „twen“ und schreibt erfrischend über historische Fahrzeuge. Auch bei der AUTO-Zeitung in Köln steht Schrader in den 1970er Jahren als freier Mitarbeiter im Impressum. Früh sorgt er für Anerkennung und Wertschätzung historischer Fahrzeuge und motiviert zum Erhalt von seltenen und weniger teuren Fahrzeugen. Seine Leidenschaft für englische Fahrzeuge etabliert schnell den Begriff Oldtimer in einer nur langsam wachsenden Nutzergemeinde.
Automobil und Motorrad Chronik
Über 20 Jahre lang gab Schrader die Automobil und Motorrad Chronik heraus.
Schließlich findet er seine thematische Heimat bei der ersten fahrzeughistorischen Zeitschrift in der Bundesrepublik: der „Automobil und Motorrad Chronik“. Als der Redakteur Erwin Tragatsch aufhört, setzt Halwart Schrader sein Werk mit ansteckender Leidenschaft bis 1985 fort. Die Automobil Chronik ist damit das international anerkannte Magazin für Motorrad- und Automobilsammler – eine noch kleine Gruppe, die auch seine ersten Fachbücher mit Begeisterung kaufen.
Diese Leidenschaft zum Erhalt historischer Technik begeistert auch seine Frau, die er 1968 als Jung-Verleger auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernt. 1972 gründen beide ihren eigenen Fachbuchverlag, 1976 sind sie sichtbare Pioniere der jungen Automobilia-Szene: Sie eröffnen in München das erste Fachgeschäft mit Versand für internationale Auto- und Motorradbücher sowie alles Nützliche und Sammelnswerte rund um den Oldtimer. Halwart und Mila Schrader zählen seitdem zu den wenigen Kennern und Könnern, die sich dem Altautothema voll und ganz privat und beruflich verschrieben haben.
Mehrfach wird Halwart Schrader in den folgenden Jahren für seine Arbeiten ausgezeichnet, dreimal in den USA von der Society of Automotive Historians mit dem „Award of Distinctions“, 2007 vom Motor-Presse-Club für sein Gesamtwerk. Damit wird international sein Einsatz zum Erhalt historischer Fahrzeuge als mobiles Kulturgut gewürdigt, sei es als Redakteur, Verleger oder Pressesprecher der Deuvet, der Arbeitsgemeinschaft deutscher Veteranen- und Markenclubs.
Schrader-Motor-Chronik Deutsche Motorräder
Eines seiner jüngsten Werke in der nach ihm benannten Reihe „Schrader-Motor-Chronik“ im Motorbuch Verlag
Auffallend ist seine journalistische Themenvielfalt, die vom Automobil bis zum Reiseführer, vom Motorrad bis zu Champagner reicht. Zugleich ist Schrader Mitbegründer der Automobilhistorischen Gesellschaft, besaß ein Mandat in der Historischen Kommission der F.I.A. in Genf und begleitet seit 2001 das Forum für Fahrzeuggeschichte, das sich als F-kubik für die sorgfältige Recherche und Dokumentation der Verkehrsgeschichte und deren Darstellung in der Öffentlichkeit einsetzt. Mit F-kubik ist Halwart Schrader als „Urgestein der Oldtimer-Szene“ nunmehr selbst bei der Auswahl und Ehrung von Kollegen und Persönlichkeiten beteiligt, die jährlich durch den „Goldenen Kolben“ für herausragende Leistungen ausgezeichnet werden.

Zu seinem 75. Geburtstag am 24. Februar 2010 wünschen ihm alle Wegbegleiter viele weitere Jahre bester Gesundheit, um der heute starken Oldtimerszene als Zeitzeuge für Anregungen, Erfahrungen und Authentizität noch lange verbunden zu bleiben.
Kategorie(n):
Menschen
© Fotoquelle / Bildrechte: Eckhart Bartels/ Halwart Schrader, Motorbuch Verlag
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