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Saubere Leistung: Ein Schweizer in der Formel 1
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 19. Juli 2010
Peter Sauber
Peter Sauber
Eigentlich hatte sich Peter Sauber für Autos nicht speziell interessiert und schon gar nicht für Rennsport. Autos sind für ihn heute noch ein Mittel, um von A nach B zu gelangen. Sein Weg schien vorgezeichnet: er sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Familienunternehmen für elektrotechnische Anlagen in Zürich und Hinwil übernehmen. Doch es kam alles anders.
Peter Sauber VW Käfer, 1968
Peter Sauber in seinem VW Käfer, 1968
1967 fuhr Peter Sauber mit einem VW Käfer zur täglichen Arbeit. Bis ihn ein Freund überredete, diesen tunen zu lassen. Damit beteiligte sich Peter Sauber 1967 zum Spaß an ein paar Club-Rennen – und bekam Lust am Basteln. Er veränderte den Käfer so stark, dass dieser letztlich die Straßenzulassung verlor.
Peter Sauber
Sauber der Bastler
Das führte zum nächsten Schritt: Im Keller des Elternhauses in Zürich entstand 1970 der Sauber C1. Als Typenbezeichnung wählte Sauber den ersten Buchstaben des Vornamens seiner Ehefrau Christiane - bis heute das Markenzeichen von Sauber.
Noch im gleichen Jahr gründete er die PP Sauber AG und bezog die eigens dafür gebaute Werkstatt auf dem Firmenareal seines Vaters in Hinwil. Und wurde auf dem C1 prompt Schweizer Meister. Dennoch beließ er es dann bei vereinzelten Auftritten als Rennfahrer, 1974 stülpte er den Helm zum letzten Mal über und verlegte sich nun ganz aufs Konstruieren.
Peter Sauber C1 Hockenheim
Sieg in Hockenheim 1970 beim SAR-Rennen: Peter Sauber im Sauber C1.
Keine einfache Aufgabe: In der Schweiz vom Bau von Rennsportwagen zu leben, schien ein Ding der Unmöglichkeit. Sauber biss sich durch. Arbeitstage endeten oft spät in der Nacht. Das Geld war knapp.
Internationale Beachtung fand Sauber mit dem C5, mit dem Herbert Müller 1976 die damals prestigeträchtige Interserie gewann. Es folgten erste Einsätze in Le Mans. Sauber Motorsport hatte mittlerweile vier Mitarbeiter.1981 gewannen Hans-Joachim Stuck und Nelson Piquet auf einem von Sauber gebauten BMW M1 nach Gruppe-5-Reglement das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring.
Peter Sauber C3 Marc Surer Sauber C5Peter Sauber C3 Marc Surer Sauber C5
Peter Sauber im C3 (links), Marc Surer im C5 in Le Mans (rechts).
Das folgende Jahr war ein entscheidendes für Peter Sauber. Er erhielt vom Schweizer Kunststoffunternehmen Seger & Hoffmann den Auftrag, ein Fahrzeug für die Sportwagen-Weltmeisterschaft (Gruppe C) zu bauen. Es wurde der Sauber C6. In dieser Zeit entstand der Kontakt zu Ingenieuren bei Mercedes-Benz, die sich für das Thema Rennsport interessierten. Ganz privat natürlich, denn beim Stuttgarter Automobilhersteller war internationaler Motorsport seit dem schweren Unfall in Le Mans 1955 tabu.
Sauber-Mercedes C8 Hockenheimring Peter Sauber
Testfahrten auf dem Hockenheimring mit dem C8.
Ab 1985 verwendete Sauber in seinen Rennsportwagen Mercedes-Benz Motoren und rückte damit Stuttgart noch ein bisschen näher. Bereits ein Jahr später gewannen Henri Pescarolo und Mike Thackwell auf einem Sauber C8 das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring.
Weitere Erfolge kamen hinzu, was letztlich Mercedes zur Rückkehr in den internationalen Motorsport bewog. Ab 1988 war Sauber offiziell Werksteam von Mercedes-Benz. Höhepunkt dieser Partnerschaft war das Jahr 1989, in dem das schwäbisch-schweizerische Team nicht nur die Sportwagenweltmeisterschaft für Fahrer und Teams gewann, sondern auch beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans einen Doppelsieg feierte. Ein Jahr später konnte der Gewinn der Weltmeistertitel wiederholt werden. Sauber Motorsport war auf rund 50 Mitarbeiter angewachsen.
In diese Zeit fiel auch die Gründung des Junior-Teams, eine Idee vom damaligen Sauber-Geschäftspartner Jochen Neerpasch. Die Wahl fiel auf Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger. Allen dreien hat Peter Sauber den Einstieg in die Formel 1 ermöglicht.
Junior-Team: Peter Sauber mit Michael Schumacher, Karl Wendlinger und Heinz Harald Frentzen
Junior-Team: Peter Sauber mit Michael Schumacher, Karl Wendlinger und Heinz Harald Frentzen
Weil der Stern der Sportwagen-WM zu sinken begann, orientierte sich Mercedes in Richtung Formel 1. Im Sommer 1991 wurde sie zum gemeinsamen Projekt erhoben, die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Sauber baute auf dem Firmengelände in Hinwil eine neue Fabrik. Doch bereits im November kam die Hiobsbotschaft. Wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds entschied sich der Mercedes-Vorstand gegen einen werksseitigen Einstieg in die Formel 1. Sauber hatte zwei Optionen: Sich mit einer finanziellen Abfindung zurückzuziehen oder diese als Startkapital für die Formel 1 zu nutzen. Im Januar 1992 entschied er sich zum Sprung ins kalte Wasser. Im Herbst fanden die ersten Testfahrten mit dem C12 statt, der von einem Ilmor-Triebwerk befeuert wurde. Knapp 70 Mitarbeiter zählte das Unternehmen damals.
Sauber C12 Kyalami
JJ Lehto im C12 in Kyalami, 1993.
Am 14. März 1993 standen in Kyalami wie geplant zwei Sauber C12 für Karl Wendlinger und JJ Lehto am Start zum Grossen Preis von Südafrika. Mit dem fünften Rang des Finnen und zwei WM-Punkten wurde die Premiere ein gefeierter Erfolg.
Verträge mit Red Bull und Petronas bildeten ab 1995 ein solides Fundament und erlaubten dem Schweizer Team, sich als feste Größe in der Formel 1 zu etablieren. In den Jahren 1995 und 1996 war Sauber Werksteam von Ford, ab 1997 fuhr man mit Ferrari-Motoren, die den Namen des Titelsponsors Petronas trugen.
Formel 1 Team Sauber
Erfolgsjahr 2001: Sauber beendet die F 1-WM auf dem 4. Rang in der Konstrukteurs-Meisterschaft.
Doch der Durchbruch ließ noch auf sich warten. Dann aber folgten 2001 drei Höhepunkte in der Teamgeschichte Schlag auf Schlag: die Partnerschaft mit der Schweizer Grossbank Credit Suisse, der Mitte Oktober feststehende vierte Rang in der Konstrukteurs-WM und wenige Tage später der erste Spatenstich zum eigenen Windkanal. In dieser Zeit brachte Peter Sauber auch frisches Blut in die Formel 1: Er holte Kimi Räikkönen und Felipe Massa in sein Team und empfahl später den Verantwortlichen bei BMW auch Robert Kubica.
2005 suchte Peter Sauber, mittlerweile über 60 Jahre alt, nach einem Weg, sein Lebenswerk in starke Hände zu geben. Ein Angebot von BMW schien die Lösung. Am 22. Juni 2005 verkündete BMW die Übernahme von Mehrheitsanteilen am Schweizer Team. Das dritte Jahr des BMW Sauber F1 Teams, die Saison 2008, wurde zum nächsten Höhepunkt der Teamgeschichte. Mittlerweile war der Ausbau in Hinwil abgeschlossen, der Personalstand betrug nun über 400 Mitarbeiter. Für 2008 hatte man sich den ersten Sieg zum Ziel gesetzt. Es wurde gleich ein Doppelsieg. Robert Kubica gewann in Kanada vor Nick Heidfeld. Das Team wurde am Ende mit 135 Punkten WM-Dritter.
BMW-Sauber-Team Robert Kubica
Doppelsieg für das BMW-Sauber-Team: Robert Kubica gewinnt den GP Canada 2008 in Montreal vor Nick Heidfeld.
Nach einem schwierigen Start in die Saison 2009 folgte am 29. Juli eine schockierende Nachricht: BMW verkündete den Ausstieg aus der Formel 1 zum Saisonende. Nach langen Monaten der Verhandlungen einigte sich Peter Sauber mit den Münchnern und kaufte sein Lebenswerk wieder zurück. Zuvor war das Personal von auf 260 Mitarbeiter reduziert worden. Mit diesem Personalbestand, mit Ferrari als Motorenpartner und den Piloten Kamui Kobayashi und Pedro de la Rosa trat die Hinwiler Mannschaft in der Saison 2010 wieder unter alleiniger Regie des inzwischen 66jährigen an.

UNterdessen stehen bereits 14 WM-Punkte auf dem Konto des Schweizer Rennstalls. Das 40jährige Jubiläum feiert die Rennwagenschmiede beim Grossen Preise von Deutschland in Hockenheim am 25. Juli 2010 auf ihre Art: Die beiden C29 von Pedro de la Rosa und Kamui Kobayashi werden einen entsprechenden Schriftzug tragen – und möglichst noch weitere Punkte einfahren,
Kategorie(n):
Motorsport
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© Fotoquelle / Bildrechte: Sauber Motorsport, Daimler
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