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Der Unbeugsame: Fritz Böhm wird 90
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 22. Februar 2010
Fritz Böhm
Fritz Böhm
Sein Name ist mit dem Audi-Betriebsrat verbunden wie kein anderer: Am heutigen 22. Februar 2010 wird Fritz Böhm 90 Jahre alt. 35 Jahre lang hat der ‚Unbeugsame’ für die Eigenständigkeit von Audi gekämpft.
Begonnen hat er seine Karriere bei Audi als Lagerarbeiter. Das war 1950. 1920 im tschechoslowakischen Jägerndorf geboren, kam der junge Böhm kam nach mehrjähriger russischer Kriegsgefangenschaft nach Ingolstadt und suchte Arbeit. Für 77 Pfennige in der Stunde schnitt der gelernte Kaufmann in seinem ersten Jahr Rahmenrohre für die Motorradfertigung auf die richtige Länge und trug diese „auf dem Buckel in die Produktion“, wie er heute erzählt.
Auto Union Produktion DKW Schnelllaster
Produktion des DKW Schnelltransporters in Ingolstadt, ca. 1951.
Von Beginn an setzte sich der junge Böhm für seine Kolleginnen und Kollegen ein, 1951 wurde er dann Betriebsratsvorsitzender. Böhm, der schon früh durch seinen Vater mit Gewerkschaftern in Kontakt kam, beschreibt die ersten Jahre als geradezu düster: „Die Arbeitsbedingungen waren hart.“ Die Arbeiter haben zum Teil ihr eigenes Werkzeug mitgebracht, weil das vom Unternehmen ausgegebene nicht taugte. Damals waren nur 80 von 3.700 Beschäftigten in der IG Metall organisiert. Ein Jahr später waren es schon 60 Prozent der Belegschaft.
Auch in seinen Jahren als SPD- Landtags- und Bundestagsabgeordneter zwischen 1958 und 1972 engagierte sich Fritz Böhm für die Audi-Belegschaft. Selten sei es damals in Ingolstadt nur um den Erhalt von Arbeitsplätzen gegangen. Böhm bot der Konzernmutter in Wolfsburg eisern Paroli, denn „für uns stand immer gleich die Existenz des Standorts auf dem Spiel“, erinnert er sich. Als Betriebsrat habe man immer um die größtmögliche Eigenständigkeit von Audi gekämpft. Das musste auch VW-Chef Carl Hahn eingestehen, der in seiner Autobiografie schreibt: „Böhm besaß außergewöhnliche politische Autorität und intellektuelle Unabhängigkeit. Für den Fortbestand von Audi war Böhm von kaum zu überschätzendem Einfluss. Er kannte nur die Interessen von Audi.“ Und für die setzte sich Böhm zwischen 1958 und 1983 auch im VW-Aufsichtsrat ein.
Fritz Böhm 90. Geburtstag
Prominente Gratulanten unterschrieben zum 90. Geburtstag von Fritz Böhm.
„Der Betriebsrat ist nicht nur eine Lohnerhöhungsmaschine. Es geht um eine gerechte Verteilung unserer Ergebnisse“, bekräftigt Fritz Böhm noch heute, und schnell wird klar: auch mit 90 Jahren ist er noch mit Herzblut bei der Sache.

Beim heutigen Festakt in Ingolstadt gab es stehende Ovationen für den Jubilar – unter anderem auch von seinem einstigen Widersacher Ferdinand Piëch. „Mehr als einmal hat Fritz Böhm die Notwendigkeit von Veränderungen eher erkannt als andere und auch eingefordert. Das war nicht immer bequem. Sein Name steht für Vertrauen und Verlässlichkeit, für Streitbarkeit in der Sache und Respekt im Umgang miteinander,“ würdigte Audi-Personalvorstand Dr. Werner Widuckel den „Unbeugsamen“. Und Audi-Betriebsratsvorsitzender Peter Mosch betonte: „Dass es Audi heute gut geht, ist für Fritz Böhm sicher das schönste Geburtstagsgeschenk. Er hat die Grundsteine für unsere heutige starke und erfolgreiche Arbeitnehmervertretung gelegt.“
Fritz Böhm 90. Geburtstag
Den Jubilar in die Mitte genommen: IG Metall-Vorsitzender Berthold Huber, Audi-Chef Rupert Stadler, Audi-Betriebsratsvorsitzender Peter Mosch, Ursula Piëch, VW-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëc
Kategorie(n):
Menschen
Industrie
© Fotoquelle / Bildrechte: Audi
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