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Carlo Abarth: Der Vater des Tuning wird 100
Autor: Uschi Kettenmann · 04. November 2008
Carlo Abarth
Vor hundert Jahren, am 15. November 1908, wurde er im Sternzeichen des Skorpions in Wien geboren: Karl Abarth – bekannt als Carlo Abarth. Seine Auspuffanlagen wurden zum Nonplusultra für sportbegeisterte Fahrer, mit seinen kleinvolumigen Sportwagen demütigte er besonders in den 1960er Jahren die arrivierten Rennställe.
Carlo Abarth
Ab Ende der 1920er Jahre ist Abarth ist bei Seitenwagen-Rennen erfolgreich.
Bereits als Jugendlicher nimmt Karl Abarth eine Arbeit als Motorradmechaniker auf, die ihn schon bald ins Rennteam Motor Thun führt. Bald darauf gründet er sein eigenes Team und fährt 1928 und 1929 von Sieg zu Sieg. 1930 experimentiert er zum ersten Mal mit einem speziellen Auspuffsystem – eine Technik, auf die er sich Jahre später wieder besinnen wird und die zur Grundlage seines geschäftlichen Erfolges wird.

1938, als die Nazis in Österreich einmarschieren, nimmt Abarth die italienische Staatsbürgerschaft an, ändert seinen Vornamen offiziell in Carlo und fährt für die Italiener. Ein Rennunfall im September 1939 bedeutet das endgültige Ende seiner Rennfahrer-Karriere. Während des Krieges arbeitet er im slowenischen Ljubljana.
Carlo Abarth
Gemeinsam mit dem italienischen Geschäftsmann Armando Scagliarini gründet Abarth am 31. März 1947 sein eigenes Unternehmen in Turin. Offizieller Geschäftszweck von Abarth & C.: Produktion von Fahrzeugen und technischen Komponenten für Sport- und Renneinsatz, Entwicklung von Ausrüstung für Serienfahrzeuge sowie der Verkauf von Rennbenzin. Am 8. Mai 1949 erzielt Guido Scagliarini, der Sohn des Abarth-Geschäftspartners, den ersten Sieg für das neue Rennteam Squadra Corse Carlo Abarth. Große Namen fahren für Abarth. Piero Taruffi gewinnt am Ende der Saison die Italienische Formel-2-Meisterschaft für das junge Team. Tazio Nuvolari feiert 1950 im Abarth 204A den letzten Sieg seiner Karriere.
Carlo Abarth
Carlo Abarth und sein Erfolgsprodukt: der Sportauspuff.
Mit dem Rennteam ist jedoch kein Geld verdient. Zum Gelderwerb entwickelt Abarth den ersten Sportauspuff für den Fiat Topolino. Es folgen Systeme für andere Fiat Modelle, für Alfa Romeo, Maserati, sogar für Vespa-Motorroller, eine Zeit lang für sämtliche Ferrari-Rennautos und für viele weitere Marken. Die Abarth-Produkte sind auf den ersten Blick zu erkennen: mattschwarze Schalldämpfer, verchromte Endrohre und das Firmenlogo – ein schwarzer Skorpion auf gelb-rotem Grund. Die Auspuffanlagen mit ihrem kernigen Sound werden zum Verkaufsschlager – obwohl diese mehr als doppelt so teuer sind wie Konkurrenzprodukte.

1954 produziert Abarth & C. bereits knapp 58.000 Einheiten, im Rekordjahr 1962 steigt diese Zahl auf 257.000 bei 375 Beschäftigten. Längst vertreibt Abarth aber auch zusätzliches Tuningzubehör wie Doppelvergaseranlagen, die er mit selbst entwickelten Einlasskrümmern an tausendfach in Serienautos eingesetzte Motoren anpasst. Damit ist Abarth Vorreiter eines völlig neuen Industriezweiges, der Tuningbranche.
Abarth 750
Der Abarth 750 auf Basis des Fiat 600 mit einer Karosserie von Bertone – vorgestellt 1956 auf dem Turiner Autosalon.
Nun hat Abarth das finanzielle Polster, eigene Straßenfahrzeuge zu entwickeln. Er nutzt meist bewährte Fiat Technik, modifiziert die Motoren nach seinen Ideen und lässt seine Konstruktionen von den namhaften Designstudios Italiens einkleiden.
1955 überarbeitet Abarth den neuen Fiat 600 – der Fiat-Abarth erreicht eine für seine Fahrzeugklasse schier unglaubliche Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Auch beim Folgemodell Fiat 500 verhilft Abarth dem serienmäßig recht schwachbrüstigen Motor zu mehr Puste. Statt 14 PS produziert der Zweizylinder im Heck nach der Abarth-Kur bis zu 23 PS. Diese Glanzleistung führt zur offiziellen Zusammenarbeit zwischen Abarth und Fiat. Beinahe jedes Fiat Serienmodell verwandelt Abarth in der Folgezeit in seiner Werkstatt am Corso Marche (ab 1958) in ein Rennauto.
Abarth Fiat 500
Heißgemachter Cinquecento: Den kleinen Fiat 500 verwandelte Abarth in eine giftige Rennsemmel.
Der stets akkurat im Anzug gekleideten Selfmade-Ingenieur mit dem schweren österreichischen Akzent setzt sich auch immer wieder selbst ans Steuer. Weil er einen Beschleunigungsrekord in einem Formel-Rennwagen unbedingt selbst aufstellen will, nimmt Abarth mittels Apfel-Diät fast 30 Kilogramm ab, um überhaupt ins enge Cockpit zu passen. Selbst einen Formel-1-Boliden hat Abarth 1967in Planung, verzichtet aus Kostengründen dann aber auf das Projekt.
Carlo Abarth
Bis zum Verkauf seiner Firma 1971 an Fiat baute Carlo Abarth über 200 verschiedene Modelle – und hielt mit Apfel-Diäten seine Figur.
Denn Konkurrenz bei den Rennen durch die großen Werke wird immer stärker, die Kosten des Motorsports klettern beträchtlich. Unaufhaltsam neigt sich die Blütezeit der Kleinwagen dem Ende zu, die Verkäufe von Tuningzubehör stagnieren. Weil zudem der Prämienvertrag mit Fiat endgültig ausläuft, hat Carlo Abarth keine andere Wahl: Am 15. Oktober 1971 geht seine Firma offiziell in den Besitz von Fiat über, die Abarth-Gebäude werden Heimat der Fiat Rennsportabteilung. Abarth wird Berater und zieht sich nach Wien zurück Am 24. Oktober 1979 stirbt er im Alter von 71 Jahren.
Kategorie(n):
Menschen
Oldtimer
© Fotoquelle / Bildrechte: Abarth
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Kommentare
meinklassiker Support schrieb: (04.11.2008)
Was für eine tolle Geschichte - super!
Thorsten Siems schrieb: (04.11.2008)
...das Lesen hat irre viel Spaß gemacht. Kompliment an die Autorin und das ganze Team!!!
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