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Jaguar beim OGP: Vom SS 100 bis zur Formel 1
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 26. Juli 2010
Jaguar SS 100
Der erste mit Namen Jaguar: SS 100
Mit insgesamt sieben Exponaten lässt Jaguar beim 38. AvD-Oldtimer-Grand Prix (13. – 15. August 2010) seine 75jährige erfolgreiche Sportgeschichte Revue passieren. Die im Jaguar Ausstellungsbereich an der Coca Cola-Kurve ausgestellten Fahrzeuge spannen den Bogen vom ersten Jaguar über legendäre Le Mans-Sieger bis zum Formel 1-Auto der Saison 2002.
Der SS 100 war vor 75 Jahren das erste Modell der bereits 1922 gegründeten Marke S.S. Cars mit der Zusatzbezeichnung „Jaguar“. Der vom SS 90 zum S100 aufgewertete Wagen mit dem 2,6 Liter-Sechszylinder leistete statt 70 nun 102 Brems-PS. Dank oben statt zuvor seitlich liegender Ventile und eines SU-Doppelvergasers lief das nur 1.170 Kilo schwere Auto 151 km/h schnell. Zwischen 1936 und 1939 entstanden 190 Exemplare des 2 ½ Liters, ab 1938 kamen 118 des 3,5 Liters hinzu.
Jaguar SS 100
Der SS 100 3 ½ Liter Roadster von 1938 kommt direkt von der diesjährigen Silvretta Classic.
Der am Nürburgring gezeigte 3 ½ Liter Roadster aus dem Besitz von Frank Gotthardt (Koblenz) wurde am 1. April 1938 als Werkswagen zugelassen. Jaguar-Chef William Lyons siegte damit im Mai 1938 bei einem Rennen im Donington Park. Die Erstlackierung in 'gunmetal grey' wurde bei einer aufwendigen Restaurierung ebenso wie alle Interieur-Details originalgetreu auf- bzw. nachgearbeitet.

Ab März 1945 fiel die durch den Krieg allzu negativ behaftete Bezeichnung „S.S.“ weg, und als Markensignet der neuen Jaguar Cars Ltd. ersetzte die springende Raubkatze die Schwalbe der ehemaligen Swallow Company.
Jaguar XK
XK-Parade beim OGP 2008
Bereits 2008 feierte die XK-Baureihe beim Oldtimer Grand Prix ihren 60. Geburtstag, deren Geburtsstunde am 22. Oktober 1948 auf der London Motor Show schlug. In nur sechs Wochen hatte ein enthusiastisches Team einen Roadster mit fließenden Linien, langer Motorhaube und bärenstarkem Reihen-Sechszylinder auf die Räder gestellt. Schon bald wurde der in drei Karosserievarianten offerierte XK 120 zum Inbegriff des sportlichen Autos aus England. Zur großen Beliebtheit der Baureihe trug ohne Zweifel der 3,4 Liter große XK-Sechszylinder bei. 160 PS Leistung verhalfen schon den frühen XK 120 zu einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Zur Spritzigkeit des siebenfach gelagerten Reihenmotors kam eine hohe Zuverlässigkeit: Laufleistungen von über 150.000 Kilometern waren bei vorschriftsmäßiger Wartung für ein XK-Aggregat keine Seltenheit.
Jaguar XK 120
Dieser XK 120 holte 1952 neun Weltrekorde.
Ein nicht ganz alltägliches Exemplar ist der am Nürburgring ausgestellte XK120. Im August 1952 hatte Jaguar das Autodrom von Monthléry bei Paris eine Woche lang gemietet. Unter dem Motto „Sieben Tage, sieben Nächte“ spulten die vier Piloten Stirling Moss, Jack Fairman, Bert Hadley und Leslie Johnson mit einem bronzefarbigen Coupé (Kennzeichen LWK 707) 27.113 Kilometer mit einem Schnitt von 171 km/h ab. Damit holten sie gleich neun Weltrekorde nach England. Eine Inspektion nach dem Rekordlauf ergab, dass der Verschleiß der Kurbelwelle trotz einer Laufzeit von insgesamt 30.000 Kilometern noch im Rahmen der Fertigungstoleranzen lag. Ohne Bedenken hätte man sie also wieder in einen Neuwagen einbauen können.
Der Jaguar D-Type mit charakteristischer Stabilisierungsflosse am Heck schaffte zwischen 1955 und 1957 einen Hattrick bei den 24 Stunden von Le Mans. Für seine Zeit war er ein extrem modern konstruierter Sport- und Rennwagen, mit einem aus Stahlrohren gefertigten vorderen Hilfsrahmen, einem Monocoque aus Aluminium und Magnesium und – erstmals im Motorsport – Scheibenbremsen.
Jaguar D-Type
War in Le Mans zwischen 1955 und 1957 nicht zu schlagen: der Jaguar D-Type
Die Karosserie wurde im Windkanal auf minimalsten Luftwiderstand getrimmt, was der Schönheit der Linien aber keinen Abbruch tat. Der 3,0 Liter große Reihensechszylinder vom Typ XK mobilisierte in seiner letzten Evolutionsstufe dank Lucas-Benzineinspritzung 275 statt 250 PS. Auf der Mulsanne-Geraden in Le Mans erreichten die mit diesen Kraftwerken bestückten Werkswagen 1956 eine Höchstgeschwindigkeit von 281,9 km/h. lnsgesamt lieferte Jaguar 87 D-Types aus; 16 davon wurden zu XK-SS-Modellen mit Straßenzulassung umgebaut. Der am Ring ausgestellte D-Type ist ein Modell mit kurzer Nase („short nose“), Chassisnummer XKD 401.
Jaguar E-Type Group 44 SCCA-Serie 1975
Champion der SCCA-Serie 1975: Team Group 44 mit dem Jaguar E-Type
Ein seltener, gleichwohl aber kaum weniger spektakulärer Anblick ist der 1974 sehr erfolgreich in der amerikanischen SCCA-Produktionswagenserie eingesetzte offene E-Type. Zwei Privatteams starteten mit dem Serie 3-Modell in der Klasse B der vom SCCA (Sports Car Club of America) organisierten Serie: Huffaker Engineering Inc. aus San Raphael (Kalifornien) mit Les Mueller am Steuer für die Rennen an der West- und Group 44 Inc. aus Winchester (Virginia), von Teameigner Bob Tullius himself gesteuert, für jene an der Ostküste. Beide Teams konnten im Laufe der Saison einige Siege einfahren, Tullius war 1975 noch sieben Mal erfolgreich, darunter beim Finale in Road Atlanta, und holte sich gegen die Konkurrenz von Porsche und Corvette die nationale SCCA-Meisterschaft in der Klasse B. Doch längst war die Produktion des Serien-E-Type ausgelaufen – und damit auch das Rennprogramm mit diesen technisch kraft Reglement nur geringfügig modifizierten Cabriolets.
Jaguar XJS TWR 1984 Europäischer Tourenwagenmeister.
Mit dem XJS wurde das Jaguar TWR-Team 1984 Europäischer Tourenwagenmeister.
Anfang der 1980er Jahre unternahm Jaguar einen neuen Anlauf im Motorsport. Mit dem XJ-S und seinem 5,3 Liter-V12-Motor stand ein echter und vor allem auch zuverlässiger Dampfhammer zur Verfügung. Partner von Jaguar wurde das Einsatzteam TWR (Tom Walkinshaw Racing). 1982 und 1983 reichte es schon zum Vize-Titel, 1984 wurde „Major Tom“ Sieger in der Tourenwagen-EM. Unter den sieben Siegen ragte der Triumph bei den 24 Stunden von Spa heraus – es war der erste Sieg von Jaguar bei einem 24 Stunden Klassiker seit 1957 und zugleich der erste EM-Titel (für Walkinshaw) seit Peter Nöckers Titelgewinn von 1963 im Jaguar Mk II. Der Deutsche Hans Heyer, zumeist Co-Pilot von Walkinshaw, holte zusätzlich noch den Vize-Titel.
Jaguar XJR 9 LM TWR Le Mans
Der erste Jaguar-Sieg seit 1957 in Le Mans: der erfolgreiche TWR- XJR 9 LM
Mit dem XJR 9 LM steht einer von zwei Jaguar Le Mans-Siegern aus der jüngeren Vergangenheit auf dem Laufsteg des Oldtimer Grand Prixs. Nach den erfolglosen Jahren 1986 und 1987, trat TWR 1988 mit gleich fünf Prototypen an, alle angetrieben vom 7,0 Liter großen V12 mit 750 PS. Die Sieger Jan Lammers, Johnny Dumfries und Andy Wallace legten 394 Runden oder 5.332,79 km zurück – kein Vergleich zu den 4.397 km des siegreichen D-Type aus 1957. Im gleichen Jahr holte Jaguar auch den Titel in der Sportwagen-WM nach Coventry. 1990 ließ TWR mit dem XJR-12 einen zweiten Le Mans-Sieg folgen, und 1991 errang das von Silk Cut gesponsorte Team mit dem XKR-14 nicht nur den Sieg in der Team-, sondern mit Teo Fabi auch in der Fahrer-Wertung.
Jaguar R3 von 2002 Formel 1
Jaguar R3 von 2002
Abgerundet wird das eindrucksvolle Jaguar-Aufgebot in der Eifel durch den Jaguar R3 – ein Formel 1 mit Chassisnummer R3-05, im Jahre 2002 vom Iren Eddie Irvine gesteuert – der anlässlich des OGP 2010 auch einen Abstecher in die Eifel macht. Als beste Platzierung sprang für Irvine der dritte Platz beim GP Italien 2002 heraus, insgesamt holte er in jener Saison acht WM-Punkte. Irvine wechselte zu Ferrari, damit endete nach fünf Jahren der Jaguar Abstecher in die Formel 1 endete nach der Saison 2004.
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© Fotoquelle / Bildrechte: Jaguar
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