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Ein Opel von Mercedes: Der L 701
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 30. Juni 2010
„3 Tonner Opel-Blitz“, gefolgt vom Zusatz „Nachbau Daimler-Benz“ – so wies noch 1948 die Betriebsanleitung von Mercedes-Benz eines der merkwürdigsten Fahrzeuge aus, das je in den Hallen des Konzerns gebaut wurde. Der L 701, wie Mercedes-Benz den Nachbau des Dreitonners Opel-Blitz nannte, war wegweisend für die Firma mit dem Stern – den sie dem Fremdling, sich dessen ganz anderer Gene wohl bewusst, aber nicht auf die Haube gab.
Opel-Blitz
Der Opel-Blitz, gebaut seit 1930, ist einer der großen Lkw-Klassiker der 1930er und 1940er Jahre.
Es hatte zweifelsohne eine pikante Note hat, dass ausgerechnet der stärkste Konkurrent zwangsweise plötzlich in den eigenen Hallen zu fertigen war – und dann das angestammte Produkt auch noch an den Rand drängte. Denn in der Vorkriegszeit hießen die Renner im mittelschweren Segment entweder Mercedes-Benz oder Opel-Blitz. Wobei der Opel-Blitz mit einem temperamentvollen Benziner glänzte, der Dreitonner von Daimler-Benz hingegen mit einem eher behäbigen, aber sparsamen Diesel punktete.
Opel-Blitz
Die Geländeeigenschaften des Opel-Dreitonners imponieren dem Militär gehörig.
Ihren Anfang nimmt die Geschichte in den 1940er Jahren. Der Opel Blitz hatte sich nicht nur im Zivilen, sondern vor allem auch beim Militär einen Namen gemacht. Hohe Nutzlast und ausgezeichnete Geländeeigenschaften beeindruckten die Armee dermaßen, dass Rüstungsminister Speer entschied, in der Dreitonner-Klasse sei ausschließlich der Opel-Blitz zu bauen. Und zwar nicht nur im Opel-Werk Brandenburg, sondern auch bei Borgward und bei Daimler-Benz. 800.000 Reichsmark betrug die Pauschalvergütung an Opel beim Abschluss des Vertrages im Jahr 1942, der den Nachbau juristisch besiegelte.
Opel Blitz  Nachbau Mercedes-Benz L 701
Schlanke Konturen und wenig Eigengewicht zeichnen den 3,6-Liter-Benziner des L 701 aus.
Erfreut ist das Management von Daimler-Benz nicht gerade , nun ein Fremdfabrikat bauen und das eigene Modell einstellen zu müssen. Der hauseigene Dreitonner-Diesel hatte mit 6,7 Tonnen Gesamtgewicht und einer Nutzlast von 3,1 Tonnen zu viel Speck auf den Rippen. Zum Vergleich: Der Nachbau des Opel Blitz, wie ihn das Werk Mannheim ab August 1944 fertigen sollte, verfügte über 3,3 Tonnen Nutzlast und begnügte sich dafür mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 5,8 Tonnen. In Zeiten knappen Materials zudem besonders wichtig: Für das sogenannte Kontingentgewicht von zwei Mercedes-Benz L 3000 ließen sich drei Opel Blitz herstellen.
Doch bei Daimler-Benz reifte auch die Erkenntnis– sehr zum Unmut des Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Kissel: lieber den Opel als auf die Produktion branchenfremden Kriegsmaterials umschwenken zu müssen. Und damit bei der Produktion von Lkw womöglich für immer ins Abseits zu geraten. Kissel-Nachfolger Haspel erkannte hellsichtig, die Lkw-Produktion sei „von lebenswichtiger Bedeutung für die Nachkriegsperiode, denn wenn wir einmal herauskommen würden, würde es sehr schwierig sein, die Fahrzeugproduktion wieder aufzunehmen.“
Opel Blitz  Nachbau Mercedes-Benz L 701 Produktion
Mit der Produktion des Opel-Blitz hielten in Mannheim seinerzeit hochmoderne Anlagen Einzug.
Die Umstellung in der Produktion gestaltete sich jedoch schwierig. Besonders heikel war es nicht nur, unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft die nötigen Anlagen zu besorgen, sondern auch die neue Fertigung in die bestehende und voll eingerichtete Fabrik (entgegen der Direktiven bei Weiterlaufen des eigenen Modells) zu integrieren. Darüber hinaus war das Opel-Werk Brandenburg eines der modernsten seiner Art in Europa; und es bereitete Mühe, die Mannheimer Fabrik auf dessen besonders straffe und effiziente Abläufe zu eichen. Am Ende aber sollte das Werk enorm von dieser Modernisierung profitieren. Erst ab August 1944 lief die Produktion an – und das schleppend. Bis Kriegsende wurden nur 3.500 Exemplare gebaut. Und doch waren die Mannheimer damals der einzige Blitz-Lieferant. Das Opel-Werk Brandenburg war bereits Anfang August 1944 nach einem Bombenangriff zerstört worden, auch bei Borgward wurde wegen der Luftangriffe nichts aus der geplanten Fertigung.
Opel Blitz  Nachbau Mercedes-Benz L 701 Wehrmachts-Einheitsfahrerhaus
Das eckige Wehrmachts-Einheitsfahrerhaus.
Für die Wehrmachtsausführung von 1942, in der Daimler-Benz das Fahrzeug nun fertigte, hatte der seit 1930 gebaute Opel Blitz nur wenige Modifikationen erfahren: verstärkte Hinterachsfederung, ein Ölbad-Luftfilter für den Motor und eine von 55 auf 50 kW reduzierte Leistung, um den Drehmomentverlauf günstiger zu gestalten. Außerdem ein eckiges Wehrmachts-Einheitsfahrerhaus aus Holzfaser-Hartplatte, das die ursprüngliche Opel-Stahlkabine längst abgelöst hat, um das knappe Metall zu sparen.
Der ursprünglich bis Kriegsende begrenzte Nachbauvertrag sah vor, dass Daimler-Benz außer dem üblichen Radstand von 3600 Millimetern auch noch die S-Variante mit 4200 Millimeter Radstand sowie die Allradvariante des Opel Blitz fertigen sollte. Geplant war zudem, Motoren für die Opel-Limousine „Admiral“ zu liefern. Umgesetzt wurde all dies nicht mehr. Wohl aber wurde der Nachbauvertrag noch zwei Mal verlängert. Denn nach dem Krieg erwies es sich für das nur mäßig in Mitleidenschaft gezogene Werk Mannheim geradezu als Glücksfall, dass es eine intakte Produktion des L 701 sein Eigen nennen konnte, mit hochmodernen (und obendrein vom Staat bezahlten) Anlagen. Die Produktion ruhte nur relativ kurz. Einheiten der 7. US-Armee besetzten das Mannheimer Werk am 11. April 1945, schon im Mai 1945 setzt die Lkw-Fertigung wieder ein.
Opel Blitz  Nachbau Mercedes-Benz L 701 Werk Mannheim
Insgesamt produzierte Daimler-Benz in Mannheim von 1944 bis 1949 exakt 10.300 Einheiten des L 701.
So dominierte der L 701 klar die Lkw-Produktion bei Daimler-Benz bis zu seiner Ablösung durch den L 3250 im Jahr 1949: 1946 rollten im Mannheim zum Beispiel insgesamt 1.497 Einheiten des L 701 vom Band, während die Gaggenauer Produktion des 4,5-Tonners L 4500 gerade mal 522 Einheiten erreichte.
Opel Blitz  Nachbau Mercedes-Benz L 701 1948
Ab 1948 liefert Opel die ursprüngliche Blechkabine wieder zu.
Ab 1948 lieferte Opel auch wieder die ursprüngliche Stahlkabine, womit der L 701 gleich ein weitaus zivileres Gesicht erhielt. Sein letztes Stündchen schlug im Jahr darauf. Am 10. Juni 1949 rollte der letzte von insgesamt 10.300 L 701 vom Mannheimer Band und macht den Weg frei für den Nachfolger L 3250.
Opel Blitz  Nachbau Mercedes-Benz L 701 Produktion
Am 10. Juni 1949 endet die Ära des L 701 in Mannheim.
Der wurde im Mai 1949 auf der Exportmesse in Hannover vorgestellt und begeistert aufgenommen. Einen Dieselmotor mit der Literleistung eines Benziners – sowie ein Diesel-Lkw mit der Nutzlast eines Benziners – sind eine große und willkommene Überraschung. Kein Wunder also, dass der L 3250 nicht nur Furore, sondern auch Karriere machte. In Deutschland wurde er zum Verkaufs-, international zum Exportschlager und begründete nicht zuletzt die globale Nutzfahrzeugpräsenz des Konzerns. Auch wenn der L 701, vor allem wegen des armseligen Wehrmachtsfahrerhauses, damit verglichen wie das hässliche Entlein wirken mag: Ohne diesen Opel-Blitz-Nachbau wäre der L 3250 nicht so geworden, wie er in Hannover debütierte.
Mercedes-Benz L 3250
Für den erfolgreichen Nachfolger L 3250 hatte der L 701 Pate gestanden.
Ganz trat der Opel Blitz damit noch nicht ab. Aus bereits vorgefertigten Teilen stellt Opel in Rüsselsheim von 1950 bis 1954 noch 467 letzte Opel-Blitz her, motorisiert mit dem Sechszylinder-Benziner des Kapitän. Einen Nachfolger gab es aber nicht. Die Uhr für Benziner in mittelschweren Nutzfahrzeugen war abgelaufen, ein entsprechender Diesel nicht vorhanden.
© Fotoquelle / Bildrechte: Daimler, Opel
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Kommentare
Heinrich Rischmann schrieb: (01.07.2010)
OPEL Blitz Baujahr bis mindestens 1953 bei DB!!! Sehr geehrte Damen und Herren, 1959-1965 arbeitete ich bei einem Opel-Händler in Einbeck. Zu dieser Werkstatt kamen auch die LKW der Brauerei Einbeck. Diese LKW waren Opels Blitze in Allrad Ausführung. Auf den Typenschildern stand: Daimler-Benz AG Werk Mannheim, Typ OPEL BLITZ, Baujahr 1953. Diese Blitze waren nach Auskunft des Chefs des Fahrzeugparks, auf dessen nachdrücklichen Wunsch, aus Ersatzteilen zusammen gebaut worden. mit freundlichen Grüßen Heinrich Rischmann
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