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Alte Zahnriemen
Autor: Uschi Kettenmann · 07. Januar 2010
Vor 50 Jahren entstand in Dingolfing bei Glas ein neuartiges Motorenkonzept: der Nockenwellenantrieb durch Zahnriemen. Bis 1950 hatte die Firma Glas ausschließlich Landmaschinen hergestellt und sich erst ab 1951 an den Zweirad- und Automobilbau gewagt. Nach dem Goggo-Roller und dem Goggomobil, dem erfolgreichsten Kleinwagen der 1950er Jahre in Deutschland, wollte Glas in die obere Riege der Autoproduzenten. 1958 folgte der Isar, drei Jahre später stellte der bayerische Hersteller das Modell S 1004 auf der IAA 1961 in Frankfurt vor – und verblüffte die Fachwelt.
Glas S 1004 Coupé
Im Coupé S 1004 stellte Glas den neuen Motor auf der IAA 1961 in Frankfurt vor.
Der äußerlich eher unscheinbare Wagen besaß einen neuen 1,0-Liter- Reihenvierzylindermotor mit obenliegender Nockenwelle (OHC), die erstmals in der Automobilgeschichte über einen Zahnriemen angetrieben wurde – einem verzahnten Flachriemen. Damals war dies eines der modernsten Motorenkonzepte, und der sportliche Wagen war bald auch auf den Rennstrecken erfolgreich. Das Prinzip setzte es sich im Rennsport relativ rasch durch. Im Pkw-Serienbau dauerte es allerdings noch viele Jahre: noch bis Anfang der 1970er verwendeten die meisten Hersteller die althergebrachten Stirnräder oder Steuerketten.
Glas S 1004 Motor
„Obenliegende Nockenwelle mit geräuschlosem, wartungsfreien Antrieb“, so pries Glas den neuen Motor des S 1004 im Prospekt von 1961 an.
Der Wechselintervall der Zahnriemen wird traditionell nach der Laufleistung angegeben. So empfahl das Autodata-Zahnriemenbuch, eines der führenden Nachschlagewerke für Werkstätten, noch vor vier Jahren, den Zahnriemen alle 30.000 Kilometer zu prüfen und alle 90.000 Kilometer zu ersetzen - eine zeitliche Angabe machten die Fachleute nicht. Das hat sich erst vor kurzem geändert - seit einiger Zeit geben die Hersteller für ihre neuen Modelle zeitbezogene Wechselintervalle an. 

Die in frühreren Serviceheften angegebenen Kilometerleistungen erreichen Old- und Youngtimer aber meist erst nach sehr langer Zeit – wenn überhaupt. Daher spielt bei Klassikern besonders das Alter beim Zahnriemenwechsel eine Rolle. „Langes Stehen beansprucht einen Riemen ebenso wie der regelmäßige Betrieb. Die Alterung belastet das Material – egal, wie viel gefahren wird“, erklärt Helmut Engel, Leiter Automotive Aftermarket der ContiTech Power Transmission Group. Sollten vom Hersteller keine entsprechenden Angaben vorliegen, rät ContiTech zum Zahnriemenwechsel spätestens nach sechs Jahren. Dabei ist zudem der gleichzeitige Austausch aller relevanten Riementriebskomponenten wie beispielsweise Spann- oder Umlenkrollen empfehlenswert – das gewährt mehr Sicherheit für den Motor.
Glas S 1004 Cabrio Prospekt
Das S in der Bezeichnung interpretierte Glas im Prospekt von 1962 als „schön, schnell, sicher“.
Übrigens: Anstoß für die Verwendung des Zahnsriemens im Pkw-Motor war eine kaputte Küchenmaschine aus dem Glas’schen Privathaushalt. Der Legende nach sollte Juniorchef Andreas Glas, Sohn des Firmeninhabers, das defekte Gerät im Auftrag seiner Mutter reparieren. Beim Auseinandernehmen hatte er festgestellt, dass Motor und Getriebe durch einen kleinen Kunststoff-Zahnriemen verbunden waren – und sofort die Idee, einen solchen auch im neuen Motor einzusetzen.
Kategorie(n):
Industrie
Youngtimer
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© Fotoquelle / Bildrechte: Archiv Kraus
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