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9.760 m in 87 Minuten: BMW-Höhenweltrekord vor 90 Jahren
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 18. Juni 2009
Die Reiseflughöhe moderner Verkehrsflugzeuge beträgt heute zwischen zehn und zwölf Kilometern. Kaum vorstellbar, dass bereits vor 90 Jahren ein Pilot in diese Regionen vorstoßen konnte.
Am 17. Juni 1919 flog Testpilot Franz Zeno Diemer den absoluten Höhenweltrekord von 9.760 Meter. Seine DFW F 37/III, ein speziell entwickeltes Höhenflugzeug der Deutschen Flugzeugwerke, wurde von einem BMW IV Flugmotor angetrieben.
BMW Höhenweltrekord 1919 Franz Zeno Diemer
Franz Zeno Diemer vor seinem Höhenweltrekord am 17.06.1919.
Allererstes Projekt der 1917 gegründeten BMW GmbH war die Entwicklung eines Reihensechszylinder-Flugmotors mit 19 Litern Hubraum und 185 PS.
Max Friz
Von Beginn an Konstruktionschef bei BMW: Max Friz.
Max Friz, seit 1917 Konstruktionsleiter bei BMW, konzipierte den als BMW IIIa bezeichneten Motor mit modernster, aber zuverlässiger Technik: Aluminium-Kurbelgehäuse, Aluminium-Kolben, obenliegende Nockenwelle mit Königswellenantrieb und Doppelzündung.
Der Clou war jedoch die von BMW selbst entwickelte Gemischaufbereitung: Ein Registervergaser mit Ansaugluft-Vorwärmung, dessen zweite Stufe erst ab einer Flughöhe von rund 2.000 Meter zugeschaltet wurde. Höhenvergaser nannte BMW diese Entwicklung, die besondere Sparsamkeit mit großer Höhentauglichkeit verbindet. Die Aufladung steckte damals noch in den Kinderschuhen.
Produktionsjubiläum BMW Flugmotor IIIa
Produktionsjubiläum 1918: der 500. Flugmotor IIIa.
Die Steuerung des Vergasers erfolgte über zwei Hebel, einen für Normal- und einen für Höhengas. Durch die Bedienung dieser beiden Hebel konnte der Pilot die Drosselklappen des BMW Vergasers so regeln, dass jeweils das für die momentane Flughöhe günstigste Gemisch aufbereitet wurde. Erst ab einer Flughöhe von 3.500 bis 4.000 Metern wurden die Drosselklappen komplett geöffnet. Mit dieser Auslegung war der Leistungsverlust des IIIa in der Höhe geringer als bei anderen Motoren.
Während der BMW IIIa in Serienfertigung ging und über 700 Mal gebaut wurde, entwickelte Max Friz daraus den BMW IV, indem er Bohrung und Hub um je zehn Millimeter vergrößerte. Mit 23 Litern Hubraum entwickelte dieses Triebwerk 250 PS. Bis zum Kriegsende 1918 wurden zwar nur wenige Versuchsmotoren gebaut, ihre Leistungsfähigkeit brachte BMW aber auf die Idee für den Rekordversuch.
Reihen-Sechszylinder-Flugmotor Typ BMW IV
23 Liter Hubraum und 250 PS: Reihen-Sechszylinder-Flugmotor Typ BMW IV.
Anfang 1919 rüsteten die Münchner eine einmotorige DFW F 37/III, ein Versuchszweisitzer, der später auch unter der Bezeichnung C-IV bekannt wurde, mit einem Typ IV Motor aus. Fliegen sollte der Oberammergauer Franz Zeno Diemer, ein erfahrener Pilot, der bereits 1913 die Flugzeugführerprüfung abgelegt hatte. Im Ersten Weltkrieg diente er bei den Bayerischen Fliegertruppen als Testpilot. In dieser Funktion kam er 1917 mit BMW in Kontakt, als er den Flugmotor BMW IIIa erprobte.
Franz Zeno Diemer
Franz Zeno Diemer war ein erfahrener Pilot - hier mit einer DFW C IV.
Im Mai 1919 war Diemer bei einem ersten Probeflug bereits auf rund 9.200 Höhenmeter gekommen. Am 17. Juni 1919 stieg er direkt vor dem Werksgelände auf dem Münchner Oberwiesenfeld ins Cockpit, um die Grenzen des potenten Triebwerks auszutesten. Bei strahlendem Flugwetter lieferte der Motor an diesem Sommertag konstant sehr gute Leistung, so dass Diemer kontinuierlich höher und höher steigen konnte.
BMW Werbung Höhenflugweltrekord 1919
BMW-Werbung 1919
Nach 87 Minuten erreichte er eine Höhe von 9.760 Meter – kein anderes Flugzeug war zuvor so hoch gestiegen. Später bekundete der 30jährige, dass der Motor noch Reserven hatte, er selbst allerdings die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit erreicht hatte. Schließlich hatte er in seinem freien Pilotensitz nicht nur gegen Temperaturen von bis zu -50°C zu kämpfen, auch der geringe Sauerstoffgehalt der Luft machte seinem Körper in dieser Höhe zu schaffen.

Unter den Motorentechnikern sorgte die erste Weltbestleistung des gerade mal zwei Jahre jungen Unternehmens für Respekt. Doch die offizielle Anerkennung blieb aus. Seit Ende des Ersten Weltkrieges war Deutschland nicht mehr Mitglied der internationalen Aufsichtsbehörde F.A.I. (Fédération Aéronautique Internationale), die diesen Rekord deshalb nicht akzeptierte. Es schien ohnehin der erste und letzte Flugmotorenrekord von BMW zu sein. Nur elf Tage später unterschrieb Deutschland den Friedensvertrag von Versailles, der den deutschen Herstellern die Produktion von Triebwerken für die Luftfahrt komplett untersagte.
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© Fotoquelle / Bildrechte: BMW
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