| Das beliebteste Bild in unserer Fotogalerie: die Brütsch Mopetta. |

Rollende Einkaufstasche oder Moped-Ei: Meinklassiker.com auf der Techno-Classica
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 02. April 2010
Nein, es ist kein verspäteter Aprilscherz, wie das Datum vermuten ließe: Wir haben tatsächlich den Besitzer der Brütsch Mopetta, das beliebteste Bild unserer Fotogalerie, aufgetrieben und ihn überredet, uns sein perfekt restauriertes Schmuckstück für die Techno-Classica zu überlassen.
Zum ersten Mal präsentiert sich meinklassiker.com auf der Klassiker-Messe in Essen. Dass wir hierfür einen besonderen Blickfang brauchen, war klar. Da bot sich die Mopetta als das meistgeklickte Foto – von übrigens inzwischen über 20.000 – natürlich an.
Die Brütsch Mopetta ist einer der skurrilsten Kleinstwagen der 1950er-Jahre. In der Nachkriegszeit beschäftigten sich viele Tüftler, Bastler und Ingenieure mit dem Thema. Einer von ihnen war Egon Brütsch, Spross einer schwäbischen Industriellenfamilie, deren finanzielles Polster auf der Herstellung von Damenstrümpfen basierte. So konnte der junge Brütsch ohne Geldsorgen in den 1930er Jahren seiner Motorsport-Leidenschaft frönen. 1950 gab der inzwischen 46jährige seine Rennfahrer-Karrierre auf und baute einen Kinder-Rennwagen, einen Maserati im Maßstab 1:2 mit Fahrradhilfsmotor. Allerdings gab es damals nicht viele Eltern, die sich das Spielauto zum Preis von 750 Mark für ihre Kinder leisten konnten. Daraufhin machte sich der findige Schwabe an die Konstruktion von Kleinwagen. Eremit, Spatz oder Zwerg nannte er seine Konstruktionen, die zwar Bewunderung erregten, aber kaum Käufer fanden.
Mit seinem „schwimmenden Moped-Auto“ wollte er das ändern. Auf der IFMA, der Internationalen Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung in Köln, stellte er 1956 die Mopetta vor. Dass die mechanischen Teile noch fehlten, verbarg er geschickt bei der Präsentation. In Serie hergestellt, sollte das einsitzige Dreirad mit dem 48cm3-ILO-Mopedmotor mit 2,3 PS nur 750 D-Mark kosten. Das Minimobil erregte großes Aufsehen – und erntete sowohl Ablehnung („rollende Einkaufstasche“) als auch Begeisterung.
Ursprünglich hatte Brütsch den Kunststoff-Kleinstwagen in Schalenbauweise sogar als Schwimmfahrzeug geplant und in seinem ersten Prospekt auch schon so angekündigt. Das war jedoch illusorisch. Denn der an der linken Außenseite angebrachte Motor, mit Handstarter und Ketten-Antrieb auf das linke Hinterrad, wäre nicht nur abgesoffen, er hätte die leichte Kunststoffschale auch zum Kentern gebracht. „Da staunt der Fachmann", schrieb die Zeitschrift ‚Roller, Mobil und Kleinwagen’ im Mai 1957, „aber immerhin ist wirklich zu bewundern, mit welcher Zähigkeit Herr Brütsch an seinen Projekten arbeitet und es ihm gelingt, trotz aller Schwierigkeiten immer wieder etwas auf die Räder zu heben.“
| Für den Winzling suchte Brütsch Käufer – nicht sehr erfolgreich. |
Nachdem die ersten Moped-Eier in bunten Farben fahrfertig waren, lud er sie im Sommer 1957 auf seinen Mercedes-Benz 170 – auf dem Dach fanden zwei, im Kofferraum einer Platz. So reiste damit übers Land auf der Suche nach Interessenten. Einen fand Brütsch 1957 in dem Frankfurter Opel-Händler Georg von Opel. Der wollte das nur 170cm kurze und 80cm breite Autochen unter dem Namen „Opelit“ bauen. 100.000 Exemplare peilte Opel innerhalb von vier Jahren an – doch nach kurzer Zeit stieg er aus dem Projekt wieder aus. Offiziell hieß es, von Opels Rechtsanwälte hätten festgestellt, dass der Urenkel von Adam Opel rechtlich gar keine Autos bauen dürfe. So blieb es bei den bis dahin 14 produzierten Exemplaren. Ende der 1950er Jahre kehrte Brütsch dem Automobilbau den Rücken und verlegte sich auf den Bau von Kunststoff-Fertighäusern.
Heute existieren noch circa fünf Originale der Mopetta, außerdem einige Replika – alle in festen Händen von Sammlern in Deutschland, der Schweiz, England und USA. Das von meinklassiker ausgestellte Modell kam als unvollständiges Restaurationsobjekt mit maroder Karosserie im Jahre 2002 zu seinem heutigen Besitzer. Rund 500 Stunden steckte er in die Restauration des Winzlings, eigens für die Präsentation bei uns hat sich ein Sattler in den letzten Tagen nochmals der Innenausstattung angenommen. Der Wert? „Unbezahlbar,“ sagt der Kleinwagen-Liebhaber, der übrigens u.a. auch einen Messerschmitt Tiger sein eigen nennt, „und vor allem: unverkäuflich!“
| In Halle 3 bei meinklassiker.com zu bewundern: die perfekt restaurierte Brütsch Mopetta. |
© Fotoquelle / Bildrechte: meinklassiker.com/Lenner, Archiv Kraus

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