Die Österreichische Alpenfahrt feiert ihren hundertsten Geburtstag. Vom 15. - 18. September 2010 treffen sich 150 Oldtimer in Bad Kleinkirchheim, um Österreichs wichtigster Beitrag zur Entwicklung des berg- und alpentauglichen Automobils zu feiern.

Die älteste Rallye der Welt: 100 Jahre Alpenfahrt
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 17. September 2010
Bei diesen Anlass stellte der renommierte Buchautor Martin Pfundner, in den 1950er Jahren selbst Teilnehmer an sieben Alpenfahrten, die zweite, erweiterte Auflage seines Buches „100 Jahre Alpenfahrt vor. Auf 221 Seiten erzählt der die spannende Historie der Alpenfahrt, ergänzt durch zahlreiche Abbildungen.
1910 rief der k.k. Österreichische Automobil Club die Alpenfahrt ins Leben, bis 1914 wurde sie alljährlich ausgetragen - damals, vor dem Ersten Weltkrieg, von der europäischen Automobilindustrie als die schwerste, bedeutendste und publicity-trächtigste Prüfungsfahrt für Tourenwagen betrachtet. Tollkühne Männer – und vereinzelt auch schon Alpenfahrerinnen – wagten sich mit ihren fragilen Autos an das Abenteuer im Hochgebirge heran. Auf Maultierpfaden mit gefährlichen ungesicherten Abstürzen bezwangen die wagemutigen Alpenfahrer die steilsten Alpenpässe. Der prominenteste Teilnehmer war wohl Erzherzog Karl Franz Josef, aber auch Konstrukteure und Industriegründer wie Herbert Austin, August Horch, Hans Ledwinka, Fritz Opel und Ferdinand Porsche fuhren mit. Das führte zu gewaltigen technischen Verbesserungen an den teilnehmenden Wagen, die bis 1914 ein hohes Maß an Bergtauglichkeit erreichten.
Nach dem Weltkrieg musste das klein gewordene Österreich vorerst pausieren – die schönsten Alpenregionen wie Südtirol mit den Dolomiten und die Ostalpen in Friaul waren an Italien gefallen. Doch der Nimbus der Alpenfahrt produzierte viele Nachahmer. So gab es bald auch Alpenfahrten in Deutschland, Frankreich Italien und der Schweiz, während Österreich sich mit Ungarn zur Alföld-Alpenfahrt zusammentat. Weil das Auto nun auch für den Durchschnittsfahrer alpentauglich geworden war, lösten die Alpenfahrten zahlreiche Hochgebirgs-Straßenbauten zur verkehrsmäßigen Erschließung der Alpen aus, lange bevor es Autobahnen in der Ebene in nennenswertem Ausmaß gab. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Alpenfahrten.
In den Zwischenkriegsjahren entstand aber auch die Vision einer großen grenzüberschreitenden Alpenfahrt, zu der sich die Automobil Clubs aller Alpenstaaten zusammenschlossen. So lief die „Internationale Alpenfahrt“, auch „Coupe Internationale des Alpes“ genannt, von 1928 bis 1936 als wahrhaft panalpines Ereignis. Sie führte über alle wichtigen Alpenpässe Frankreichs, Italiens, der Schweiz, Österreichs, Deutschlands und sogar Jugoslawiens und war wiederum die bedeutendste Tourenwagenprüfung in Europa.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Frankreich de facto das Erbe des „Coupe Internationale des Alpes“ an. Die 1949 wiedergeborene Österreichische Alpenfahrt konnte sich vorerst wegen der Kriegsfolgen nicht mit ihr messen, auch weil ihr Schwerpunkt anfangs nicht beim Automobil, sondern beim Motorrad lag. Dies änderte sich um 1967, als die Österreichische Alpenfahrt für Automobile einen Reformschub erlebte, während die Französische Alpenfahrt an Bedeutung verlor und bald aus dem Kalender verschwand. Als älteste noch laufende Rallye der Welt – ein Jahr älter als die 1911 gegründete Rallye Monte Carlo – erlebte die Österreichische Alpenfahrt nun einen neuen Höhenflug als Europa- und zuletzt Weltmeisterschaftslauf. Die gesamte Weltelite lieferte sich in den österreichischen Bergen erbitterte Kämpfe, welche diese Alpenfahrten unvergesslich machten. Dann kam der Ölschock des Jahres 1973, und urplötzlich wurde das Goldene Buch der Alpenfahrt abrupt zugeklappt.
Die bibliographischen Angaben:
Martin Pfundner: 100 Jahre Alpenfahrt. 2. erw. Auflage. Wien: Böhlau 2010. 221 S., 200 s/w- und 32 S. farb. Abb. ISBN 978-3-205-78529-3
45,- Euro (D/A) / 63,90 sFr (CH)
Martin Pfundner: 100 Jahre Alpenfahrt. 2. erw. Auflage. Wien: Böhlau 2010. 221 S., 200 s/w- und 32 S. farb. Abb. ISBN 978-3-205-78529-3
45,- Euro (D/A) / 63,90 sFr (CH)
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