Wer das Glück hatte, wie der Autor dieser Zeilen, in einem Ro 80 seine Kindheit auf deutschen Autobahnen zu erleben, wird schwerlich vom Schwärmen über den Wankelmotor abkommen. Kritisch wie wir jungen Burschen waren, hatte der Ro 80 einiges, was Nachbars Mercedes nicht hatte. Seidenweichen Lauf, knackiges Fahrwerk und eine Höchstgeschwindigkeit, die jeden 200 D auf die Standspur verbannte. Und während der Mercedes /8 mit seinem monströsen Kühler formal noch an die 1930er Jahre erinnerte, lag der flache Kühlergrill des Ro 80 schon im Aerotrend der 1980er und 1990er Jahre. Jede Revolution beginnt auf der Straße, der Ro 80 war und ist der Beweis.

Wankels Buch faksimiliert
Autor/Redaktion: Holger Merten · 19. Januar 2012
Doch wie so manche Revolution scheiterte die Wankel-Bewegung. Das lag an unterschiedlichen Faktoren. Einerseits war die Firma NSU als deutsche Avantgarde der Kreiskolbenmotoridee zu klein, diesem Konzept konsequent und nachhaltig zu einem schnellen Durchbruch zu verhelfen. Andererseits waren die Techniker und Ingenieure seit Jahrzehnten mit der Hubkolbentechnik be- und vertraut: Der Wankelmotor war trotz seines einfachen Konstruktionsprinzips ein ingenieurtechnisch anspruchsvolles zu beherrschendes Prinzip. Und nicht zuletzt waren die Kosten für Forschung und neue Produktionsanlagen für die Automobilindustrie unabsehbar. So kam spätestens nach 1973, was kommen musste: der Wankelmotor blieb ein Außenseiter, ein Motor für Exoten, von Audi NSU schmählich aufgegeben und nur von Mazda mal mehr mal weniger leidenschaftlich verfolgt und weiter entwickelt. Krönender Höhepunkt der Wankelmotor-Entwicklung bleibt der Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1991. Mit dem Erfolg änderte die FIA das Sportwagenreglement und schloss Wankelmotoren ab 1992 aus. Selbst aus dem Sieg wurde eine Niederlage für den Wankelmotor.
| Felix Wankel trug in sein persönliches Arbeitsexemplar Notizen für eine geplante, aber nie erschienene zweite Auflage ein. |
Dieser Abriss über den Wankelmotor ist nötig, um den Reprint der „Einteilung der Rotationskolbenmaschinen“ von Felix Wankel ins rechte Licht zu rücken. Felix Wankel, der Verfechter des kreisenden Kolbens, wollte mit dieser Arbeit eine Systematik aller möglichen Rotationskolbenmaschinen aufstellen. So erschien diese technische Abhandlung 1963 in einer Zeit der Zäsur für den Wankelmotor. Für Wankel war nicht absehbar, wann NSU endlich mit einem richtigen Wankel-Auto debütieren würde. Dass der Wankel Spider nicht der Paukenschlag werden konnte, wie es der Idee des Motorenprinzips und seiner Wahrnehmung angemessen war, musste den Beteiligten bei NSU und Felix Wankel klar sein.
Umso mehr war Wankel bemüht der komplexen Technik einen wissenschaftlichen Unterbau zu liefern, der für Akzeptanz beim Fachpublikum wie Technikern und Ingenieuren werben sollte. Dieses Buch – heute schon lange vergriffen und auch antiquarisch nur schwer zu bekommen – markiert den damaligen Höhepunkt Wankels systematischer Forschungen zu den Rotationskolbenmaschinen und die Auswertung der bekannten Quellen, die z. T bis in das 16. Jahrhundert zurück reichen.
Umso mehr war Wankel bemüht der komplexen Technik einen wissenschaftlichen Unterbau zu liefern, der für Akzeptanz beim Fachpublikum wie Technikern und Ingenieuren werben sollte. Dieses Buch – heute schon lange vergriffen und auch antiquarisch nur schwer zu bekommen – markiert den damaligen Höhepunkt Wankels systematischer Forschungen zu den Rotationskolbenmaschinen und die Auswertung der bekannten Quellen, die z. T bis in das 16. Jahrhundert zurück reichen.
Der Reprint greift auf Wankels persönliches Exemplar zurück, indem seine handschriftlichen Notizen erhalten sind, die für eine geplante, aber nie veröffentlichte zweite Auflage vorgesehen waren. Ergänzt wird das mit Unterstützung von Audi und Madza entstandene und Mitte Dezember 2012 im Technoseum in Mannheim vorgestellte Faksimile durch einen Kommentarband, der Texte, Interviews, die Transkription der handschriftlichen Eintragungen und z. T. unveröffentlichte Fotos zu Wankel, der Entstehungsgeschichte dieses Buches und den Hintergründen enthält. Damit kann man sich in die Zeit zurück versetzen und der Person und den Ideen Wankels nachspüren.
Die bibliographischen Angaben:
Felix Wankel: Einteilung der Rotations-Kolbenmaschinen. Faksimile: 60 S. , 27 Farbtafeln und 331 Zeichnungen. Kommentarband von Dr. Kurt Möser, Dankwart Eiermann, Dr. Manfred Konrad, Klaus-Dieter Eichler: 60 S., zahlreiche Abb. Nürnberg: Pagma-Verlag 2011. ISBN 978-3-9810758-3-0
Preis: 44,95 Euro / 59,95 sFr
Felix Wankel: Einteilung der Rotations-Kolbenmaschinen. Faksimile: 60 S. , 27 Farbtafeln und 331 Zeichnungen. Kommentarband von Dr. Kurt Möser, Dankwart Eiermann, Dr. Manfred Konrad, Klaus-Dieter Eichler: 60 S., zahlreiche Abb. Nürnberg: Pagma-Verlag 2011. ISBN 978-3-9810758-3-0
Preis: 44,95 Euro / 59,95 sFr
© Fotoquelle / Bildrechte: Pagma-Verlag

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