Der königlich-preußische Kommerzienrat Johannes Klasing, Buchhändler und Verleger in Berlin, war ein technikbegeisterter Mann. Ebenso wie sein Schwiegersohn Konrad Delius. Der gelernte Jurist sah die dominierende Rolle des Automobils vorher. Am 18. Dezember 1911 wechselte Konrad Delius die Profession. An diesem Tag wurde der 32-Jährige aus dem ostwestfälischen Städtchen Versmold vom Landgerichtsrat zum Verleger. Gemeinsam mit seinem Partner und Schwiegervater Johannes Klasing hatte er zwei Monate zuvor beim Notar einen Vertrag formuliert, der die Basis für den neuen Verlag Delius Klasing bildete.

Ein Jahrhundert Delius Klasing
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 19. Dezember 2011
In der Weihnachtswoche 1911 startete dann das junge Unternehmen in der Berliner Linkstraße mit einer Hand voll Mitarbeitern und zwei Zeitschriften für jeweils recht elitäre Zielgruppen.. Als Startkapital erhielt der Verlag die Rechte an der zuvor gekauften „Allgemeinen Automobil-Zeitung“ (AAZ), dem 1901 gegründeten offiziellen Mitteilungsblatt des Kaiserlichen Automobilclubs. Konrad Delius und sein Schwiegervater und Geldgeber Johannes Klasing waren überzeugt, dass vor allem die „Motorkutsche” das Zeug zur Massenbewegung hatte.
1913 kam „Der Motorfahrer“ hinzu, das Verbandsorgan des noch kleinen „Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs“, besser bekannt als ADAC,, und weitere Special-Interest-Titel wie die das „Motorboot“, das Verbandsorgan des neu gegründeten Motor-Yacht-Verbandes, „Die Yacht“ (1923) und die Fahrrad- und Kraftfahrzeug-Zeitschrift (1926). Der Charakter des heutigen Trendsportverlages mit seinen beiden Säulen Buch und Zeitschriften sowie den Schwerpunkten Wassersport, Automobil und Fahrrad deutete sich bereits an. Denn neben seinen aktuellen Publikationen baute Delius auch ein Buchprogramm auf.
Konrad Delius – er hatte noch nie am Steuer eines Motorwagens gesessen – übernahm von Beginn an die Redaktion der AAZ. Fast 30 Jahre lang bestimmte er die journalistische Linie der AAZ, bis sie 1943 eingestellt wurde. Im März wurde das Heft Nummer 6 des 44. Jahrgangs als letzte Ausgabe dieser ersten deutschen Automobil-Zeitschrift ausgeliefert. Sie sollte nie wieder erscheinen.
Und auch Konrad Delius würde nicht noch einmal auf dem Stuhl des Verlegers und Chefredakteurs Platz nehmen. Konrad-Wilhelm, zweitältester Sohn des Verlagsgründers Konrad Delius, nahm 1946 die verlegerische Tradition des Vaters wieder auf. Von den zuletzt 36 Buchtiteln des Verlages existierten nur noch Einzelstücke. In einer Lagerhalle in Sachsen hatten lediglich 10 000 Exemplare der „Seemannschaft” die Zerstörung überstanden. Die englische Militärbehörde in Westfalen erlaubte den erneuten Verkauf dieses ersten deutschen Segellehrbuchs – der Anfang nach dem Krieg, Neuer Verlagsstandort wurde Bielefeld, der angestammte Familiensitz.
Wie schon beim Start 1911 und bei der Fortsetzung 1918 war es im Zeitschriftenbereich erneut ein Autotitel, der zum Motor für das junge Nachkriegs-Unternehmen wurde. An die AAZ konnte der Verlag nicht wieder anknüpfen: Er saß in der falschen Zone. Die für Bielefeld zuständigen Briten zeigten sich äußerst reserviert bei der Vergabe von Zeitschriften-Lizenzen. Anders die Franzosen in Süddeutschland. Dort hatte der ehemalige Rennfahrer Paul Pietsch mit seinem Titel „Das Auto“ bereits früher Gelegenheit, die wenigen Autofahrer im enttrümmerten Nachkriegsdeutschland als Leser zu binden.
So fasste der Verlag den Entschluss, sich auf eine sehr klar definierte Zielgruppe zu beschränken. Er startete 1950 das maßgeschneiderte Blatt „Gute Fahrt - Die Zeitschrift für den Volkswagenfahrer“. VW versprach, 20 000 Hefte abzunehmen und an die Händler weiterzureichen – eine willkommene Starthilfe. Innerhalb von zwei Jahren verdoppelte das Blatt die Auflage auf 78 000 Exemplare.
So fasste der Verlag den Entschluss, sich auf eine sehr klar definierte Zielgruppe zu beschränken. Er startete 1950 das maßgeschneiderte Blatt „Gute Fahrt - Die Zeitschrift für den Volkswagenfahrer“. VW versprach, 20 000 Hefte abzunehmen und an die Händler weiterzureichen – eine willkommene Starthilfe. Innerhalb von zwei Jahren verdoppelte das Blatt die Auflage auf 78 000 Exemplare.
Verantwortlich dafür war auch ein gewisser Arthur Westrup, der bereits das Motorrad-Buch „Kleine Maschinen von allen Seiten“ und 1949 den Bestseller „Besser fahren mit dem Volkswagen“ im Verlag veröffentlicht hatte. Westrup, mittlerweile hauptberuflich Marketingchef von NSU, redigierte die „Gute Fahrt“ zu Beginn. 1954 präsentierte sich der Verlag erstmals mit 28 Buchtiteln und zwei Zeitschriften auf der Frankfurter Buchmesse. Aus dem Drei-Personen-Unternehmen des Jahres 1947 war eine florierende Firma mit 18 Mitarbeitern geworden.
Äußeres Zeichen dieser Erfolgsstory: Den Garagenplatz des schwarzen Fiat Topolino, lange Jahre Dienstwagen von Verleger Konrad-Wilhelm Delius, nahm bald ein schwarzer Käfer ein, bis 1958 dort sogar ein Porsche 356 parkte.
Mitte der fünfziger Jahre taucht erstmals in der Verlagsgeschichte der Name eines Journalisten in „Gute Fahrt“ auf, der die Entwicklung des Verlages maßgeblich beeinflussen und fördern sollte: Horst Stern. Eben jener Stern, der später als Tierfilmer reüssierte. Stern redigierte das nur vier Jahre erscheinende NSU-Blatt „Alles Gute“, startete das Magazin „Unterwegs“, übernahm vorübergehend die „Gute Fahrt“ und auch das Ruder der „Yacht“-Redaktion.
1963 beschäftigte der Verlag 100 Mitarbeiter, verlegte 30 Bücher, und „Gute Fahrt“ erreichte eine Auflage von 200.000. Der Verlag verfolgte konsequent die Spezialisierung auf maritime Titel, außerdem die Themen Automobil und Fahrrad. Heute umfasst das Buchprogramm mehr als 1000 lieferbare Titel. Darüber hinaus gibt das Medienhaus 17 eigene Magazine sowie verschiedene Sonderhefte heraus und organisiert sieben Sportevents. An den Standorten Bielefeld, Hamburg und München arbeiten 218 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Familienunternehmen, das in vierter Generation von Konrad Delius geführt wird.
© Fotoquelle / Bildrechte: Delius Klasing

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