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RM versteigert BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte‘
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 25. Februar 2010
Einer der bedeutendsten Rennsportwagen der Vorkriegsgeschichte kommt unter den Hammer: RM Auctions versteigert am 1. Mai 2010 den BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte‘ mit der Fahrgestellnummer 85032 von 1937.
BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte‘
Kommt am 1. Mai unter den Hammer: BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte’
BMW hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg aktiv an Motorsportrennen teilgenommen und mit seinem technisch hochentwickelten und leistungsfähigen Modell 328 beachtliche Erfolge gefeiert. Die Fahrgestellnummer ‚85032’ wurde im Mai 1937 als Standardkarosse für die BMW-Entwicklungsabteilung unter Leitung von Rudolf Schleicher gebaut. Der Wagen nahm 1937 beim Rennen von Le Mans teil, gefahren von dem damalig sehr berühmten britischen Rennfahrer A.F.P Fane, und bei der Tourist Trophy im gleichen Jahr wurde der Wagen von H.G. Dobbs gelenkt. Im darauffolgenden Jahr errang das Fahrzeug bei der Mille Miglia einen bemerkenswerten Sieg in der Zwei-Liter-Klasse, wieder mit Fane am Steuer und William James als Beifahrer. Das Fahrzeug 85032 gewann später noch die Goldmedaille bei der Deutschen Alpenfahrt mit Fritz Roth und „Blasi“ Huber und errang den Gesamtsieg bei der selben Veranstaltung im Jahre 1939.
BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte‘
wagen bei der Mille Miglia 1940, zusammen mit zwei weiteren stromlinienförmigen Coupés.
Im Herbst 1939 wurde die Nummer 85032 von der Rennabteilung in seine Einzelteile zerlegt und komplett neu aufgebaut mit einer offenen Stromlinienform für den Einsatz als Werkswagen bei der Mille Miglia 1940, zusammen mit zwei weiteren stromlinienförmigen Coupés.
BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte‘
Im Gegensatz zu den beiden anderen 328-Roadstern wurde die „Bügelfalte“ in München karossiert.
Die wunderschöne und absolut einzigartige Karosserieform des ‚85032‘ wurde entworfen von Wilhelm Kaiser, einem sehr erfahrenen Mitarbeiter der neuen BMW Design-Abteilung „Künstlerische Gestaltung“ unter der Leitung von Chefdesigner Wilhelm Meyerhuber. Gebaut wurde das Fahrzeug in der BMW-Rennabteilung in Milbertshofen, Deutschland, und seinen Spitznamen erhielt es durch den markanten Kniff auf seinen Kotflügeloberseiten. Diese charakteristische und ikonenhafte Karosserieform wurde zum Maßstab einer ganzen Generation von Sportwagen in der Nachkriegsgeschichte, dessen Einfluss man sehr deutlich in Fahrzeugen wie auch dem Jaguar XK120 Roadster wiedererkennen kann.
BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte‘
Das Cockpit des BMW 328 „Bügelfalte“.
Eine weitere umfangreiche und erforderliche Veränderung des Autos war der komplexe Stahlrohrrahmen für die Karosserie, doch der Neuaufbau umfasste noch wesentlich mehr als nur die Fahrwerks- und Karosserieveränderungen. Schlüsselkomponenten wie die Bremsen und das Hurth-Getriebe wurden verbessert, um die erhöhte Leistung aufnehmen zu können, die aus dem leistungsstärkeren 130 PS-Motor und dem leichteren Gesamtleergewicht von 725 kg resultierte.
Von Bedeutung für die BMW-Historiker ist, dass die ‚Bügelfalte' der einzige spezielle Roadster ist, der je in den BMW-Werken in München gebaut wurde; die anderen beiden „Zweitserien“ der stromlinienförmigen Roadstern (nach dem Zusammenbau) erhielten ihre endgültige Aluminiumkarosserie durch den unabhängigen Karosseriebauer Touring in Mailand.
Die neue Form des Fahrgestells 85032 wurde von Ernst Loof, dem Leiter der BMW-Rennabteilung, intensiv getestet, bevor sie 1940 bei der Mille Miglia zusammen mit den beiden 328-Coupés zum Einsatz kam. Das Fahrzeug 85032 wurde schließlich Sechster bei der Mille Miglia 1940 mit Hans Wencher und Rudolf Scholz am Steuer, während das 328-Touring Coupé von Fritz Huschke von Hanstein und Walter Bauerner in jenem Jahr den Sieg davontrug.
BMW 328 Mille Miglia ‚Bügelfalte‘
Drei BMW 328 traten bei der Mille Miglia 1940 an – Nr. 85032 wurde Sechster.
Nach dem Ende des Krieges 1945 war das Fahrzeug Teil der Reparationszahlungen, wurde der UdSSR übergeben und landete schließlich in den Händen von Artjom Iwanowitsch Mikojan, dem Leiter des Entwicklungsbüros von Mikojan-Gurewitsch, das vor allem als Erfinder der russischen MiG-Jagdflugzeuge bekannt wurde. Sein Sohn fuhr das Auto und tauschte es letztendlich 1972 mit Giudo Adamson aus Riga gegen einen brandneuen Lada ein. Adamson behielt das Auto bis 2001, als es nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ von Riga nach München überführt und ins BMW-Museum aufgenommen wurde. Der derzeitige Besitzer kaufte diesen bedeutenden Rennwagen 2001.


Wie bedeutend sowohl RM Auctions als auch BMW den Wagen einschätzen, zeigt die Tatsache, dass die Versteigerung bei einer Pressekonferenz am 23. Februar 2010 im BMW-Museum bekanntgegeben wurde. Rund 80 Fahrzeuge werden bei der RM-Eröffnungsauktion Sporting Classics of Monaco am 1. Mai 2010 im Grimaldi Forum versteigert werden, neben dem ‘Bügelfalten’-Roadster auch die Rolls-Royce-Sammlung von Hans Günther Zach und fünf äußerst rare Ferraris (meinklassiker.com berichtete).
Kategorie(n):
Motorsport
Auktionen
Oldtimer
© Fotoquelle / Bildrechte: RM Auctions/Peter Raider
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