Die Geschichte von Borgward vereint untrennbar Mann und Marke. Über die Fahrzeuge sind inzwischen einige Bücher erschienen, eine Biografie stand bislang noch aus. Die hat nun die Bremer Autorin Birgid Hanke vorgelegt.

Borgward’scher Imperativ: „Der Bestimmer bin ich“
Autor/Redaktion: Uschi Kettenmann · 14. Juli 2010
Vier Jahre Recherche stecken in dem Buch „Carl F.W. Borgward – Unternehmer und Autokonstrukteur“. Minutiös zeichnet Hanke Aufstieg und Fall des hemdsärmeligen Unternehmers und genialen Konstrukteurs, von den kleinen Anfängen vor dem Krieg, dem kometenhaften Aufstieg zur Zeit des Wirtschaftswunders bis hin zum spektakulären Konkurs des Borgward-Konzerns 1961.
Ein angenehmer Mensch war er nicht. Aber auch: es ist schwer, sich der Faszination der Persönlichkeit von Carl Friedrich Wilhelm Borgward zu entziehen. Nach der Lektüre begreift man, warum Borgwards Name zum Inbegriff für wirtschaftlichen Wagemut und automobile Innovation in der Nachkriegszeit geworden ist – und für deren Kehraus.
Ein angenehmer Mensch war er nicht. Aber auch: es ist schwer, sich der Faszination der Persönlichkeit von Carl Friedrich Wilhelm Borgward zu entziehen. Nach der Lektüre begreift man, warum Borgwards Name zum Inbegriff für wirtschaftlichen Wagemut und automobile Innovation in der Nachkriegszeit geworden ist – und für deren Kehraus.
| Anbieten der obligatorischen Zigarre: Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen bei Borgward in dessen Büro, 1951. |
1890 in Altona als Sohn eines Kohlehändlers in kleinen Verhältnissen geboren und mit 12 Geschwistern aufgewachsen, blieb Borgward zeit seines Lebens ein Mann aus dem Volk –einer der Gründe, warum ihn viele seiner Mitarbeiter bis heute verehren. Hanke hat etliche von ihnen interviewt, ebenso wie Sohn Kurt, Tochter Monica, Enkel Eric, aber auch Freunde und langjährige Weggefährten aus Politik und Wirtschaft. Deren – oft widersprüchliche – Aussagen stellt sie dem Leser zur eigenen Beurteilung, ebenso wie viele Fragen, die auch durch die penible Recherche nicht zu beantworten waren. Dabei belegt die Autorin jede Quellenangabe und macht ihre Aussagen auch für den Leser nachvollziehbar. Das komplette Archiv von Borgward-Spezialist Peter Kurze stand ihr für die Biografie offen, gegraben hat sie außerdem in Melderegistern, Staats- und Kreisarchiven und erstmals auch sämtliche Entnazifizierungsakten ausgewertet.
Hanke – die übrigens nach eigener Aussage eigentlich gar nicht autoaffin ist - schafft es aus einer kritischen Distanz heraus, der Person des hanseatischen Automobilfabrikanten unglaublich nahe zu kommen. Borgward wird in dieser Biografie nicht verklärt. Er war Patriarch durch und durch, der Herr im Hause und Vater des Betriebs, streng, aber auch voller Güte. Es gab nur wenige Menschen, die der Pünktlichkeitsfanatiker als ihm ebenbürtig betrachtete. Der gesamte Borgward-Konzern, in dem bis zu 23.000 Menschen arbeiteten, war einzig auf ihn zugeschnitten. Hanke räumt auch mit dem Vorurteil auf, Borgward sei kein Kaufmann gewesen. Der Unternehmer mit dem untrügliches Gespür für den Zeitgeist, der instinktiv die Wünsche und Bedürfnisse der Autofahrer erfasste, studierte jeden Tag seine Bilanzen. Sein Aufstieg wäre ohne betriebswirtschaftliches Denken nicht möglich gewesen.
Dass Borgward dennoch für den Konkurs seines Imperiums größtenteils selbst verantwortlich war, liegt in seiner Persönlichkeitsstruktur. Die Autorin benutzt hierfür den Begriff des „Borgward’schen Imperativ: Der Bestimmer bin ich!“. Dieses Streben nach unternehmerischer Eigenständigkeit – neben dem Wunsch, einfach nur Autos bauen zu wollen, prägte sein Leben und sein Werk. Als 1958 Chrysler bei Borgward einsteigen wollte, lehnte er ab: Chrysler bot einen Anteil von 50 Prozent, Borgward aber wollte 51 Prozent und weiterhin das Sagen haben. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits genügend Warnungen zur existenzbedrohenden Liquiditätskrise. Die empfohlenen Strategien zur Abwendung, z.B. einer Umwandlung der GmbH in eine AG, hat Borgward aber strikt ignoriert – sie hätten alle seine Unabhängigkeit eingeschränkt. Die musste er am 4. Februar 1961 aber dennoch aufgeben, als er seine Werke entschädigungslos dem Bremer Staat überschreiben musste. Damit endet das Buch – und das ist auch der einzige Kritikpunkt an der glänzend geschriebenen Biografie: über die letzten 2½ Jahre seines Lebens erfährt der Leser leider nichts. Dennoch: der spannend zu lesende Titel sei nicht nur Borgward-Fans, sondern allen zeitgeschichtlich Interessierten wärmstens empfohlen.
Die bibliographischen Angaben:
Birgid Hanke: Carl F.W. Borgward. Unternehmer und Autokonstrukteur. Bielefeld: Delius Klasing 2010. 192 Seiten, 80 S/W Fotos. ISBN 978-3-7688-3145-1
22,90 Euro (D) / 23,60 Euro (A) / 39,90 sFr (CH)
Birgid Hanke: Carl F.W. Borgward. Unternehmer und Autokonstrukteur. Bielefeld: Delius Klasing 2010. 192 Seiten, 80 S/W Fotos. ISBN 978-3-7688-3145-1
22,90 Euro (D) / 23,60 Euro (A) / 39,90 sFr (CH)
© Fotoquelle / Bildrechte: Peter Kurze, Delius-Klasing

TERMINE
| 05.02.2012 Classic-Stammtisch | |
| 09.02-12.02.2012 18. AvD-Histo-Monte | |
| 12.02.2012 LOVE BUGS PARADE 2012 | |
| 17.02-18.02.2012 Aflenzer Winterclassic | |
| 02.03-04.03.2012 Antwerp Classic Salon 2012 | |
| 15.03-15.10.2012 42. Int. Zielfahrt nach Steyr |
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